Anti-Schleuser-Operation "Irini" steht voraussichtlich vor dem Aus

19. Juli 2025, 09:53 Uhr · Quelle: dts Nachrichtenagentur
Die EU-Militäroperation "Irini" könnte enden, da Libyen sich weigert, das UN-Mandat zu verlängern. Dies könnte die illegale Migration und den Menschenschmuggel im Mittelmeer weiter verschärfen.

Brüssel - Trotz ansteigender Migrantenzahlen aus Libyen steht die EU-Militäroperation "Irini" (EUNAVFOR MED IRINI) im Mittelmeer zur Durchsetzung eines Waffenembargos der Vereinten Nationen (UN) gegen Libyen und zur Bekämpfung verbotener Migration nach Europa voraussichtlich vor dem Aus.

Das berichtet die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf mehrere hohe informierte EU-Diplomaten. Aus Diplomatenkreisen hieß es übereinstimmend: "Die international anerkannte Regierung der Nationalen Einheit in Libyen ist nach jetzigem Stand nicht mehr bereit, die Einladung zur Fortsetzung der Operation zu erneuern". Dabei gilt die Einladung der Regierung von Abdul Hamid Dbeibeh mit Sitz in Tripolis als Grundlage für ein UN-Mandat.

Laut einem internen Dokument des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD), in dem jede Woche der Sachstand in den verschiedenen Missionen und Operationen der EU dargestellt wird, verlief ein Krisentreffen über die Verlängerung des UN-Mandats zwischen hochrangigen Vertretern der EU und libyschen Regierung am 30. Juni ohne konkrete Fortschritte. Laut EU-Bericht hat die Regierung der Nationalen Einheit bei dem Treffen trotz verschiedener Angebote aus Brüssel ihre Vorbehalte gegenüber einer Verlängerung des Mandats wiederholt.

EU-Diplomaten betonen nach Angaben der "Welt am Sonntag" zudem, dass das UN-Mandat für "Irini" im Mai dieses Jahres nicht wie bisher für ein Jahr, sondern erstmalig nur für sechs Monate bis zum November verlängert worden sei. "Das war der Kompromiss, nachdem die Regierung der Nationalen Einheit zuvor heftigen Widerstand gegen eine Verlängerung des UN-Mandats geleistet hatte", hieß es in Brüsseler Diplomatenkreisen. "Das Ende der Überwachung und der Kontrollen durch Satelliten, Schiffe und Flugzeuge wird die Arbeit der illegalen Schleuser in der Region erleichtern und die Migration von Libyen nach Europa weiter ansteigen lassen", sagte ein Diplomat.

Hintergrund: Die Militäroperation, an der sich 23 EU-Länder beteiligen, hat ihre Arbeit im Frühjahr 2020 aufgenommen. Federführend bei der Verlängerung des UN-Mandats ist auf Seiten der Europäer Frankreich, das dem UN-Sicherheitsrat als ständiges Mitglied angehört. Neben der Durchsetzung des UN-Waffenembargos zur Förderung des Friedens in Libyen und der Bekämpfung von illegaler Migration soll die Militäroperation auch illegale Öltransporte aus Libyen verhindern und zugleich Schulungen für die libysche Küstenwache und Marine durchführen.

Laut der "Welt am Sonntag" sind die genauen Gründe für den Widerstand gegen eine Verlängerung des UN-Mandats den Europäern unklar. EU-Diplomaten sagten, darüber könne nur spekuliert werden. Als ein Grund wird genannt, dass im Bürgerkriegsland Libyen sowohl die Regierung der Nationalen Einheit als auch die international nicht anerkannte Gegen-Regierung im Osten des Landes von General Khalifa Haftar, der eng mit Moskau verbündet ist, finanziell vom Menschenschmuggel profitierten. Zudem gebe es offenbar auf beiden Seiten Befürchtungen, bei der Durchsetzung des UN-Waffenembargos benachteiligt zu werden. Beide Konfliktparteien kämpfen um die Kontrolle des Landes und um milliardenschwere Einnahmen aus Ölgeschäften.

In Brüssel heißt es nun, es wäre durchaus möglich, die Operation möglicherweise auch ohne UN-Mandat und ohne Einladung aus der Regierung aus Tripolis auf Grundlage eines EU-Beschlusses fortzusetzen. In diesem Fall könnten die Schiffe allerdings nicht in libyschen Hoheitsgewässern innerhalb der sogenannten 12-Meilen-Zone operieren, was im Kampf gegen illegalisierte Migration wegen der Nähe zur Küste als besonders effektiv gilt. Außerdem drohen nach Angaben von EU-Diplomaten innerhalb der Union Auseinandersetzungen über die konkrete Ausgestaltung eines neuen Mandats. Vor allem Italien wolle die Befugnisse zur Kontrolle von Schiffen deutlich ausweiten.

Hintergrund: Laut UN halten sich derzeit rund 850.000 Migranten und Flüchtlinge in Libyen auf. Seit Juni 2024 sind rund 90.000 Menschen hinzugekommen. Die Betroffenen leben zum größten Teil unter ärmlichsten Bedingungen. Insgesamt hat die Migration aus Libyen seit Jahresbeginn wieder spürbar zugenommen. Davon sind vor allem Italien und Griechenland betroffen. Seit Jahresbeginn sind allein mehr als 8.500 Migranten auf der griechischen Insel Kreta eingetroffen, die meisten stammen aus Ägypten und dem Sudan. Athen hat mittlerweile einen Asylstopp für Migranten, die aus Nordafrika über das Mittelmeer kommen, verhängt. Im Kampf gegen die steigende Migration besuchte EU-Migrationskommissar Magnus Brunner zusammen mit mehreren EU-Innenministern in diesem Monat Libyen. Rebellenchef Haftar war jedoch nicht bereit, die EU-Politiker zu empfangen.

Vermischtes / EU / Libyen / Asyl / Integration / Militär / Schifffahrt
19.07.2025 · 09:53 Uhr
[1 Kommentar]
US-Präsident Trump
Washington (dpa) - Die USA werden ihre Angriffe im Iran nach Angaben von US-Präsident Donald Trump in zwei bis drei Wochen beendet haben. Er denke, sein Land werde noch «vielleicht zwei Wochen, vielleicht ein paar Tage länger» brauchen, sagte er im Weißen Haus.  Für ein Ende des US-Militäreinsatzes müsse es keinen Deal mit dem Iran geben. Das sei […] (01)
vor 12 Minuten
Ye alias Kanye West wird an allen drei Tagen des Wireless Festivals 2026 als Headliner auftreten.
(BANG) - Ye alias Kanye West wird an allen drei Tagen des Wireless Festivals 2026 als Headliner auftreten. Das von Pepsi MAX gesponserte Event findet vom 10. bis 12. Juli im Finsbury Park in London statt und markiert den ersten Auftritt des Rappers im Vereinigten Königreich seit mehr als einem Jahrzehnt sowie seinen ersten Headliner-Auftritt in London […] (00)
vor 7 Stunden
Kinder in der digitalen Welt
Paris (dpa) - Auch Frankreichs Senat stimmt für ein Verbot zahlreicher sozialer Medien für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren. Die Senatoren fordern, dass alle Plattformen, deren Inhalte oder Algorithmen der Selbstentfaltung der Kinder schaden könnten, tabu sind. Eine entsprechende Liste soll vom Ministerium angefertigt werden, heißt es in dem am Abend beschlossenen […] (00)
vor 3 Stunden
Ehemaliger Angestellter: Nintendo erzürnt über Zelda- und Star Fox-Leaks!
Der gewaltige Leak bei Nintendo, welcher die ganze Videospielwelt aufhorchen lies, sorgt gerade überall für Schlagzeilen. Nintendo selber soll äußerst verärgert über diese Enthüllungen sein, denn es könnten damit große Teile der künftigen Releases damit viel zu früh an die Öffentlichkeit gelangt sein. Was die Folgen sein werden, sollten sich die Leaks […] (00)
vor 2 Stunden
«Age of Attraction»: Netflix verlängert Dating-Show um zweite Staffel
Das ungewöhnliche Liebesexperiment geht beim Streamingdienst in die nächste Runde. Netflix hat die Dating-Show Age of Attraction offiziell um eine zweite Staffel verlängert. Das Format, das sich der Frage widmet, ob Alter in der Liebe wirklich eine Rolle spielt, feierte erst im März seine Premiere und schaffte es direkt in die englischsprachigen Top 10 des Streamingdienstes. Moderiert wird die […] (00)
vor 1 Stunde
Bosnien-Herzegowina - Italien
Zenica (dpa) - Das Triple des Scheiterns ist perfekt: Der viermalige Weltmeister Italien hat sich erneut nicht für die Fußball-WM qualifiziert und muss im Sommer beim XXL-Turnier in Nordamerika zuschauen. Das Team von Trainer Gennaro Gattuso verlor trotz Führung mit 1: 4 (1: 1, 1: 1, 1: 0) nach Elfmeterschießen in Bosnien-Herzegowina.  Die Squadra […] (04)
vor 1 Stunde
business, computer, security, currency, finance, bitcoin, money, digital, financial, technology
Die kurzfristige Korrelation von Bitcoin mit dem S&P 500 hat sich kürzlich negativ entwickelt. Der On-Chain-Analyst Axel Adler Jr. warnte jedoch in seinem Morning Brief am 31. März davor, dass dies kein bullisches Signal sei, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Ein aussagekräftigeres Maß ist das BTC/S&P-Preisverhältnis, das seit Jahresbeginn rückläufig […] (00)
vor 1 Stunde
Forscher untersuchen Eignung als CO2-Speicher
Schlieren, 31.03.2026 (lifePR) - Eignen sich Weinberge als Speicher für Kohlendioxid? Dieser Frage gehen Forscher mit einem Projekt in einem Öko-Weingut in Rheinhessen nach. Ihre Hoffnung: Weinberge könnten dabei helfen, das bundesweite Ziel der CO 2 -Neutralität bis 2050 zu erreichen.  Forscher im Weinberg Das Weingut Sander in Mettenheim in […] (00)
vor 7 Stunden
 
Gleise (Archiv)
Berlin - Nach jahrelangen Problemen erklärt die Deutsche Bahn, sie habe den […] (00)
US-Außenminister Marco Rubio
Washington/Madrid (dpa) - US-Außenminister Marco Rubio hat Spanien und andere Nato- […] (06)
Moderne Stromzähler (Archiv)
Wiesbaden - Die privaten Haushalte in Deutschland haben im 2. Halbjahr 2025 im […] (00)
Buckelwal
Wismar (dpa) - Am Dienstag soll es vorerst keine weitere Rettungsaktion für den […] (14)
Wasabi Cat bleibt im Game – und bringt Crackz mit
Mit einer samtpfötigen Vor-Ort-Promotion hat sich die Snackmarke Crackz auf der […] (00)
Gil Ofarim
(BANG) - Der Sieg von Gil Ofarim im Dschungelcamp 2026 bleibt nicht ohne […] (00)
Faltbares iPhone soll stärkste Überarbeitung in Apples Geschichte sein
In der aktuellen Ausgabe seines Power On Newsletters berichtet der […] (00)
Mick Schumacher
Gordonville/Birmingham (dpa) - Die Ranch seiner Familie in Texas besucht Mick […] (00)
 
 
Suchbegriff