Analyse: Vorhang auf für Nabucco-Gasleitung

13. Juli 2009, 22:10 Uhr · Quelle: dpa
Istanbul (dpa) - Durchbruch bei den Bemühungen um eine von Russland unabhängige Erdgasleitung nach Europa: Fünf Staaten und die Europäische Union haben am Montag in Ankara das politische Fundament für den Bau der Nabucco-Pipeline gelegt.

An Russland vorbei soll in der 3300 Kilometer langen Röhre Gas aus dem Kaspischen Meer - später vielleicht auch aus Ägypten oder dem Iran - bis nach Österreich gepumpt werden. Die Leitung ist auf 31 Milliarden Kubikmeter Gas ausgelegt. Das ist etwa der halbe Jahresbedarf von Deutschland oder der Bedarf Österreichs in vier Jahren.

Bedenken, in Konkurrenz zu Russland seien keine ausreichende Mengen an Gas aufzutreiben, wollen die Betreiber zerstreuen. «Nabucco ist für die Versorgungssicherheit von Europa sehr wichtig», sagt Neil McMillan, der beim Essener Energieriesen RWE für politische Zusammenarbeit und Strategie zuständig ist.

Aserbaidschan habe schon zugesagt, acht Milliarden Kubikmeter jährlich zu liefern, sagte der RWE-Chefstratege. Turkmenistan wolle zehn Milliarden Kubikmeter im Jahr exportieren. Zudem gebe es im Nordirak, wo sich die an Nabucco beteiligten Energiekonzerne OMV (Österreich) und MOL (Ungarn) eingekauft haben, erhebliche Gasmengen. «Dort gibt es eigentlich genug, um die ganze Leitung zu füllen. Das würden wir natürlich nicht machen», sagte der RWE-Chefstratege.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan machte sich am Montag zudem dafür stark, baldmöglichst auch Gas aus dem benachbarten Iran in die Leitung zu füllen. Der Iran ist das Land mit den zweitgrößten Gasvorkommen in der Welt. Ungeachtet des Streits um das Atomprogramm des Mullah-Regimes hat die Türkei traditionell gute Beziehungen und wenig Berührungsängste, während Gasgeschäfte mit Teheran in Deutschland derzeit als politisch unmöglich gelten. Das Vorgehen des Regimes gegen die Opposition nach der Präsidentenwahl hat die Lage noch komplizierter gemacht.

Allerdings weisen die Betreiber darauf hin, dass die aus der Türkei über Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Österreich führende Leitung auf einen jahrzehntelangen Betrieb ausgelegt ist. «Wenn wir die an Europa angrenzenden Regionen vergleichen, zeigen die Studien, dass Zentralasien und der Nahe Osten die reichsten Gasvorkommen haben», sagte Reinhard Mitschek, der Geschäftsführer des Pipeline- Konsortiums Nabucco. «Es macht mir keine Sorge, dass wir 31 Milliarden Kubikmeter für Nabucco sichern.»

Die mit reichen Gas- und Ölvorkommen ausgestattete Kaukasus- Republik Aserbaidschan versicherte am Montag, sie unterstütze das Projekt. Energieminister Natik Aliyev sagte, sein Land wolle auch Zulieferkorridor für die Pipeline sein und damit seine Position auf dem Weltmarkt stärken.

Auch der turkmenische Präsident Gurbanguly Berdymuchammedow hat Interesse bekräftigt. Nach seinen Worten verfügt Turkmenistan über «einen Überschuss an Erdgas, der ins Ausland verkauft werden» könne. Nach offiziellen Angaben lagern allein im turkmenischen Sektor des Kaspischen Meers etwa sechs Billionen Kubikmeter Gas. RWE hatte im April in der Hauptstadt Aschchabad ein Abkommen zur Ausbeutung der Felder geschlossen.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso wünschte am Montag bei dem Treffen in Ankara, das Gas-Projekt Nabucco möge wie die Oper des italienischen Komponisten Verdi unter einem glücklichen Stern stehen. Die Versorgungsleitung könne aber auch eine neue Ära der Zusammenarbeit mit der Türkei einleiten. «Gasleitungen sind zwar aus Stahl, aber Nabucco kann die Beziehungen zwischen unseren Völkern zementieren», sagte Barroso.

Energie / EU / Türkei
13.07.2009 · 22:10 Uhr
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