Analyse: Rätsel um Ostsee-Piraten

18. August 2009, 18:03 Uhr · Quelle: dpa
Moskau (dpa) - Acht Ostsee-Piraten, die den finnischen Frachter «Arctic Sea» schon vor drei Wochen in der Manier afrikanischer Seeräuber vor Schweden gekapert haben sollen, sind angeblich gefasst.

Glaubt man dem russischen Militär, haben Russen, Letten und Esten am 24. Juli gegen 21.00 MESZ mit einem Schlauchboot den Holz-Frachter in ihre Gewalt gebracht. Sie sollen auch Lösegeld erpresst haben. Russland bestätigte nun überraschend die umstrittene These von einem Seeräuber-Überfall in der Ostsee. Doch hielt sich der Kreml auch nach der Befreiung der 15 russischen Seeleute zurück, das Geheimnis um das lange Verschwinden der «Arctic Sea» vollends zu lüften.

«Das war eine Kaperung durch Piraten», sagte Moskaus Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew. Schüsse seien nicht gefallen, als die russische Schwarzmeerflotte am Montag die «Arctic Sea» samt der Seeleute aus den Fängen der Piraten befreit hätte. Wie genau aber die Operation des russischen Militärs ablief, darüber wurde nichts bekannt. Auch die Frage, wie die Seeräuber an Bord gekommen sein sollen, bleibt unbeantwortet. Laut Serdjukow hatten sie vorgetäuscht, in Seenot zu sein. Wie bekamen sie aber die Waffen an Bord?

Vor allem die Angehörigen der Seeleute reagierten verbittert, weil sie keinen Handy-Kontakt hatten zu ihren Verwandten. Der russische Geheimdienst kontrolliert die Ermittlungen, und er steuert den Informationsfluss. «Alle Kontaktdaten meines Mannes sind in den Händen der Geheimdienste. Ich weiß bisher nur aus den Nachrichten von der Befreiung», sagte Jelena Sarezkaja, die Ehefrau des «Arctic Sea»- Kapitäns Sergej Sarezki. «Ich weiß, mein Sohn würde sofort anrufen, wenn er die Möglichkeit hätte», sagte mit tränenerstickter Stimme Natalia Fasylowa, Mutter des 23 Jahre alten Dmitri Fasylow.

Verteidigungsminister Serdjukow hatte am Vortag lediglich mitgeteilt, dass alle Crew-Mitglieder gesund seien. Der Fall, der nach Einschätzung der EU-Kommission Stoff für einen Hollywood-Film abgeben könnte, wirft weiter viele Fragen auf. Medwedew hat zumindest angekündigt, die Öffentlichkeit über die Geschehnisse an Bord zu informieren.

Vermutlich könnte die Besatzung seit Ende Juli in der Gewalt der Entführer gewesen, auch wenn es dazu immer wieder widersprüchliche Angaben gegeben hat. Russlands NATO-Botschafter Dmitri Rogosin erklärte, dass absichtlich falsche Informationen gestreut worden seien, um die Rettung nicht zu gefährden. Laut Serdjukow schalteten die Piraten alle Geräte ab, die eine Ortung des Schiffs oder Funkkontakt ermöglicht hätten.

Die Reederei und die russische Seefahrergewerkschaft forderten, dass die Seeleute nach dem Stress der Geiselnahme so rasch wie möglich aus der Kontrolle des Geheimdienstes entlassen werden müssten. Sie bräuchten nun dringend psychologische Betreuung und die Nähe zu ihren Verwandten. Kapitän Saretzki hatte Medien zufolge über Handy Fotos seiner verletzten Männer absetzen können.

Erstmals bestätigte nun auch das Versicherungsunternehmen des Frachters offiziell Lösegeldforderungen. Die Seeräuber hätten eine Million Euro verlangt und gedroht, andernfalls die Besatzung zu erschießen und das Schiff zu versenken, teilte das Unternehmen Renaissance Insurance in Moskau mit.

Dem Vernehmen nach ist das knapp 100 Meter lange Schiff mit der angeblich gute eine Million Euro teuren Holzfracht in der Kontrolle der russischen Schwarzmeerflotte. Wahrscheinlich liegt die «Arctic Sea», die kaum noch Treibstoff haben dürfte und beschädigt sein soll, weiter rund 300 Seemeilen (550 Kilometer) vor dem westafrikanischen Inselstaat Kap Verde.

Im russischen Archangelsk ließ die finnische Reederei Solchart Management Ltd. jedenfalls am Dienstag schon einmal eine neue Mannschaft für die Steuerung der «Arctic Sea» rekrutieren. Es sei zwar nicht genau klar, in welchen Hafen die russische Flotte den Frachter ziehe, sagte der Vizechef der Solchart-Niederlassung in Archangelsk, Iwan Bojko. Klar sei aber, dass der Holzfrachter doch noch an seinem Bestimmungsort Algerien ankommen soll, wo er seit dem 4. August erwartet wird. An eine Gefahr durch Piraten in der Ostsee glaubte er nicht.

Schifffahrt / Piraten / Russland
18.08.2009 · 18:03 Uhr
[0 Kommentare]
Justizzentrum Halle (Saale) (Archiv)
Berlin - Der Deutsche Richterbund hat davor gewarnt, dass sich das geplante Gesetz zum Schutz von Frauen vor Gewalt als "Papiertiger" entpuppen könnte. "Die Regierungschefs der Länder müssen vom Fordern ins Handeln kommen", sagte Richterbund-Geschäftsführer Sven Rebehn den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwochausgaben). "Das jetzt von der […] (00)
vor 14 Minuten
Ozzy Osbourne
(BANG) - Das ehemalige Haus von Ozzy Osbourne in Malibu ist bei den verheerenden Waldbränden, die im vergangenen Jahr über Kalifornien hinwegfegten, "abgebrannt". Der Black-Sabbath-Star besaß früher ein Strandgrundstück in dem Küstenort, verkaufte es jedoch 2012 für knapp unter 8 Millionen Dollar. Kurz darauf entschied sich der Rocker, mit seiner Frau […] (00)
vor 8 Stunden
Screenshot von «Resident Evil: Requiem»
Hamburg/Berlin (dpa/tmn) - Seit ihren Anfängen im Jahr 1996 ist die «Resident Evil»-Reihe fester Bestandteil des Horror-Game-Genres. Die Serie erlebte mit dem actionlastigen und genreprägenden vierten Teil 2005 ihr Hoch, Tiefpunkt war der unter Fans umstrittene sechste Teil 2012. Nun hat Entwickler Capcom die Reihe durch eine Rückkehr zu ihren Survival- […] (00)
vor 1 Stunde
Capcom kündigt neue Inhalte für Resident Evil Requiem an
Capcom hat eine neue Videobotschaft zum Horror Spiel Resident Evil Requiem veröffentlicht. Darin spricht Director Koshi Nakanishi über kommende Inhalte und die nächsten Updates für den Titel. Neben technischen Verbesserungen kündigte er mehrere neue Features an, darunter einen Fotomodus, ein neues Minispiel und zusätzliche Story Inhalte. Das Spiel […] (00)
vor 5 Stunden
«War Machine» erobert Platz 1 der Top 10 dieser Woche
«The Dinosaurs» debütiert mit einem Paukenschlag, und die sinnliche Serie Vladimir entfacht eine neue Obsession. Die Army Rangers nehmen es in dem neuen Science-Fiction-Militär-Actionfilm War Machine mit einem außerirdischen Feind auf. Der Film debütiert mit 39,3 Millionen Aufrufen auf Platz 1 der Top 10 der englischen Filmliste in 93 Ländern. Alan Ritchson spielt einen Kampfingenieur, der nur […] (00)
vor 1 Stunde
Iran-Krieg - Irans Fußballerinnen
Canberra (dpa) - Eine weitere iranische Fußballerin sowie ein Mitglied des Teams haben nach dem Aus beim Asien Cup Asyl in Australien erhalten. Das teilte Innenminister Tony Burke in der Hauptstadt Canberra mit. Beide seien nun wieder mit fünf Fußballerinnen vereint, die bereits vor der Rückreise der Auswahl in die Heimat humanitäre Visa erhalten […] (01)
vor 1 Stunde
business, computer, security, currency, finance, bitcoin, money, digital, financial, technology
Der XRP-Kurs befindet sich an einem entscheidenden Punkt, der darüber entscheiden könnte, ob der größere Zyklus der Kryptowährung noch Potenzial hat. Obwohl der Kurs derzeit um $1,40 schwankt, deutet eine neue technische Analyse darauf hin, dass die aktuelle Schwäche nicht der Beginn eines tieferen Einbruchs sein muss. Vielmehr könnte es sich um eine bekannte […] (00)
vor 1 Stunde
Nächster Schritt zur Wertschöpfung aus Titandioxid-Vorkommen?
Lüdenscheid, 10.03.2026 (PresseBox) - Green Bridge Metals Corp. (ISIN: CA3929211025; WKN: A3EW4S), Green Bridge oder das Unternehmen, gibt bekannt, dass das Unternehmen plant, ausgewählte Diamantbohrkerne aus seinem Projekt “Titac” in Minnesota an ein kanadisches Labor zu schicken, sodass dort metallurgische Untersuchungen mit einem Schwerpunkt auf der […] (00)
vor 5 Stunden
 
Martin Sellner
Karlsruhe (dpa) - Martin Sellner, Führungsfigur der als rechtsextremistisch […] (03)
Hendrik Hoppenstedt (Archiv)
Berlin - Aus der Union kommen konkrete Vorschläge für ein Gesetz gegen […] (09)
Schuldenuhr (Archiv)
Berlin - Die SPD pocht auf eine umfassende Reform der Schuldenbremse und widerspricht […] (02)
Superblüte im Death Valley
Ridgecrest (dpa) - Eine der heißesten und trockensten Wüsten der Welt schimmert […] (00)
Berufliche Neuperspektive? Ab sofort als Ranger loslegen!
Ab sofort können virtuelle Nationalpark-Ranger in die wunderschöne Wildnis des […] (00)
Galatasaray Istanbul - FC Liverpool
Istanbul (dpa) - Galatasaray Istanbul hat zum Auftakt des Achtelfinales der Champions […] (02)
ESPN verlängert Medienrechte-Deal mit der Southern Conference
Der US-Sportsender ESPN und die Southern Conference setzen ihre Partnerschaft bis zum […] (00)
trading, investing, stocks, options, dow, nasdaq, downtown, profit, tesla, bitcoin
Aktuelle Daten zeigen, dass die Bitcoin-Funding-Raten auf den Börsen negativ geworden […] (00)
 
 
Suchbegriff