Analyse: Nächste Runde im Atomstreit mit Iran

07. Februar 2010, 21:50 Uhr · Quelle: dpa
München (dpa) - Joe Lieberman schäumte. Es brach geradezu aus dem US-Senator heraus: «Wir müssen uns entscheiden: Entweder für harte Wirtschaftssanktionen, damit die Diplomatie funktioniert, oder wir stehen vor militärischem Eingreifen.»

Mag der politische Haudegen und Heimatschutzexperte in Washington auch nicht das Sagen in der Außenpolitik der USA haben: Auf der Münchner Sicherheitskonferenz, wo er eine angesehene Größe ist, stieß seine Attacke gegen den Iran am Wochenende durchaus auf Sympathie.

Dabei bot München die Chance auf eine Wende zum Guten in dem von Misstrauen und Verdächtigungen zerrütteten Verhältnis zwischen dem Gottesstaat und dem Westen. Als Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad seinen Außenminister und Vertrauten Manuchehr Mottaki schickte, weckte er Hoffnungen. Hatte er doch zuvor nach langem Zögern grundsätzlich zugestimmt, einen Teil des iranischen Urans im Ausland anreichern zu lassen. Der Westen verspricht sich davon mehr Kontrolle.

Und als Konferenzleiter Wolfgang Ischinger am Freitag kurzfristig für Mottaki eine Nachtsitzung organisierte, war die Neugier auch der Skeptiker geweckt. Sie sollten enttäuscht werden.

Mottakis manchmal verschwurbelten, oft ungenauen und fast immer unverbindlichen Sätze hinterließen viel Ratlosigkeit, die sich später in Ärger und bis Sonntag in Ernüchterung verwandelte. Liebermans Ausbruch war wenig diplomatisch. Doch legte er den Finger in die Wunde: «Der Dialog mit dem Iran dauert seit sechs Jahren ohne irgendein Ergebnis an.»

Und der Konflikt hat inzwischen eine so unheilvolle Eigendynamik, dass der Streit umgehend wieder eskalierte. Ahmadinedschad reagierte am Sonntag prompt auf die Kritik an seinem Außenminister und ließ die Produktion hochangereicherten Urans anfahren. Die Brennstäbe seien für einen medizinischen Forschungsreaktor in Teheran bestimmt, beteuerte Mottaki immer wieder. Empört wies er zurück, sein Land strebe nach der Atombombe.

Offensichtlich wenig überzeugend. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) beklagte mangelnde Transparenz. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und James Jones, Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama, brachten weitere Sanktionen ins Spiel. Und der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde und oberste Atom-Kontrolleur, Yukiya Amano, lächelte höflich nach dem Gespräch mit Mottaki. Man sei über einen Meinungsaustausch nicht hinausgekommen. Von iranischen Angeboten mit Substanz wusste er nicht zu berichten.

Aber der Iran steht nicht ganz allein. China und Russland schlugen den gewohnt gemäßigten Ton an. Von Geduld sprach Chinas Außenminister Yang Jiechi. Verständnis für die Sicherheitsinteressen des Irans zeigte Russlands Außenminister Sergej Lawrow, auch wenn er Teheran zu mehr Kooperation drängte. Denn ohne Russland und China läuft die Drohung der USA, die Strafmaßnahmen zu verschärfen, im Weltsicherheitsrat ins Leere.

Und vielleicht zielte Senator Liebermans Ärger auch auf diese beiden Veto-Mächte im Sicherheitsrat. Solange sich die Führung in Teheran auf das diplomatische Abwarten in Moskau und Peking verlassen kann, zieht sich eine Lösung am Verhandlungstisch weiter hin - und der Iran gewinnt Zeit, sein Uran weiter anzureichern und damit Schritt für Schritt waffenfähig zu machen. Und der Senator erinnerte daran, dass die US-Streitkräfte längst Pläne haben, wie die meist unterirdischen Atomanlagen des Irans wirkungsvoll getroffen werden können. Dazu halten sich Spekulationen über einen militärischen Alleingang der Nuklearmacht Israel.

So bot die 46. Münchner Sicherheitskonferenz zwar keinen Fortschritt im Atomstreit. Aber sie zeigte beispielhaft die Mechanismen dieser Konfrontation auch zwischen zwei Welten. Ahmadinedschad und der Westen unterstellen sich gegenseitig, «Spielchen zu spielen». Und beide sagen auch, sie seien kompromissbereit. Ahmadinedschad: «Wir haben diesen Weg nie blockiert, aber wir verschwenden auch keine Zeit für irrelevante Diskussionen.» Das Gefühl, Zeit verschwendet zu haben, hatte in München auch Lieberman: «Ich weiß nicht, wie man mit einer Regierung verhandeln soll, die einen Minister hierher schickt, der uns alle einfach anlügt.»

International / Sicherheit
07.02.2010 · 21:50 Uhr
[0 Kommentare]
Französische Polizei
Rennes (dpa) - In der französischen Stadt Rennes ist die Leiche eines zwölfjährigen Jungen gefunden worden. Ein 16-Jähriger wurde festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Das tote Kind sei am Sonntag mit einem sehr fest um seinen Hals gebundenen nassen Badehandtuch im Uferbereich eines Flusses in der Stadt in der Bretagne entdeckt worden. Den […] (00)
vor 6 Minuten
Ireland Baldwin
(BANG) - Ireland Baldwin hat bekannt gegeben, dass sie ihr zweites Kind mit ihrem langjährigen Partner RAC erwartet. Drei Jahre nachdem das Paar Tochter Holland willkommen hieß, teilte die 30-Jährige die Neuigkeit in einem verspielten Social-Media-Video. Gemeinsam mit RAC – mit bürgerlichem Namen André Allen Anjos – veröffentlichte sie den […] (01)
vor 1 Stunde
2CV-Comeback: Legendäre Ente kehrt als Stromer für unter 15.000 Euro zurück
Sie soll, wie früher, ein echtes »Volksauto sein, »gemacht für den Alltag« – und nun die Elektromobilität demokratisieren: Citroën-Chef Xavier Chardo hegt mit dem Comeback der Ente große Pläne. Der legendäre, kurvige Kleinwagen habe, so Chardo, 1948 »Millionen Menschen die Freiheit der Mobilität geschenkt«. Zeit also, den Gedanken auf moderne Art neu zu […] (11)
Samstag um 16:09
Destiny 3 liegt laut Bloomberg-Report auf Eis – Bungie plant wohl massiven Stellenabbau
Was Bungie-Fans bereits befürchtet haben, zeichnet sich jetzt als düstere Realität ab: Destiny 3 befindet sich nicht in Entwicklung. Stattdessen will das Studio einem Bericht von Bloomberg-Journalist Jason Schreier zufolge eine „signifikante Anzahl“ an Mitarbeitern entlassen. Die Nachricht kommt keine drei Wochen vor dem endgültigen Support-Ende von […] (00)
vor 2 Stunden
Droht «Die Bestatterin» erneut ein Quotenproblem wegen der Fußball-WM?
Das Erste zeigt Anfang Juli „Tote leben länger“ – doch möglicherweise läuft parallel erneut ein Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft. Am Mittwoch, den 1. Juli 2026, setzt Das Erste um 20.15 Uhr auf den vierten Film der Krimireihe Die Bestatterin. In „Tote leben länger“ übernimmt Anna Fischer erneut die Rolle der kriminalistisch begabten Bestatterin Lisa Taubenbaum auf der Schwäbischen Alb. […] (00)
vor 1 Stunde
Formel 1 - Großer Preis von Kanada - Rennen
Montréal (dpa) - Bei der Frage nach den Ratschlägen für Wunder-Teenager Kimi Antonelli im Titelkampf der Formel 1 hörte die Freundschaft bei Lewis Hamilton dann doch kurzzeitig auf. «Ich glaube, du vergisst, dass wir Konkurrenten sind», antworte der 41 Jahre alte siebenmalige Champion einem Reporter: «Er macht seine Sache bereits großartig. Ich werde […] (00)
vor 1 Stunde
wear, fashion, hand, leather, desktop, pants, fabric, denim, closeup, pocket
Bank of America, eine der größten Banken der USA, hat ihre Investitionen in Ethereum deutlich reduziert und setzt verstärkt auf Bitcoin. Dies geht aus aktuellen SEC-Einreichungen hervor, die eine Umstrukturierung des Krypto-Portfolios im ersten Quartal zeigen. Während die Bank ihre Positionen in Ethereum und Solana verkleinert hat, wurden die Bitcoin- […] (00)
vor 30 Minuten
Die Türklingel – klein im Format, groß in der Wirkung | KNOBLOCH
Döbeln, 25.05.2026 (PresseBox) - Die Türklingel gehört zu den meistgenutzten Elementen am Hauseingang. Sie ist der erste Berührungspunkt für Besucher, Zusteller und Dienstleister und beeinflusst den Eindruck des Eingangsbereichs unmittelbar. Eine gut sichtbare Klingelplatte mit eindeutig zugeordnetem Taster erleichtert die Orientierung und sorgt für […] (00)
vor 4 Stunden
 
Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf (Archiv)
Genf - Nach dem Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo sind mittlerweile […] (00)
Frankfurter Börse
Frankfurt/Main - Der Dax hat sich am Pfingstmontag nach einem bereits freundlichen […] (00)
Vater, Mutter, Kind (Archiv)
Berlin - Die frühere Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat vor […] (00)
UN-Friedenstruppen im Libanon
Stockholm (dpa) - Sie sind weltweit im Einsatz, oft unter gefährlichen Bedingungen: […] (04)
Apple dominiert Smartphone-Weltmarkt im ersten Quartal 2026
Im ersten Quartal 2026 hat Apple mit dem iPhone die Führung auf dem […] (01)
Lena Dunham
(BANG) - Der Ehemann von Lena Dunham hatte keine Ahnung, wer sie war, als sie […] (02)
Darius Rucker erhält Sonderpreis bei den American Music Awards
Der Musiker wird bei den diesjährigen AMAs für sein langjähriges Engagement für Veteranen […] (00)
btc, bitcoin, cryptocurrency, currency, crypto, gold, digital, blockchain, cryptography, 3d
Die Nachfrage nach Bitcoin hat sich laut dem Analysten Darkfost von CryptoQuant stark […] (00)
 
 
Suchbegriff