Analyse: Mussawi - Jubel für das kleinere Übel

19. Juni 2009, 22:31 Uhr · Quelle: dpa
Hamburg (dpa) - Mir Hussein Mussawi ist für viele Unzufriedene in der Islamischen Republik Iran zum umjubelten Hoffnungsträger geworden. Der 67-Jährige mag neben dem polternden Populisten Mahmud Ahmadinedschad als Reformer und Demokrat scheinen.

Aber auch Mussawi ist ein Mann des Systems. Der Wächterrat, der Kandidaten nur zulässt, wenn er sie für religiös und politisch zuverlässig hält, hatte keine Einwände gegen seine Bewerbung um das Präsidentenamt.

Schon als Architektur-Student kämpfte Mussawi in verbotenen islamischen Gruppen gegen das Schah-Regime. Nach der Islamischen Revolution 1979 machte der Stadtplaner schnell politische Karriere. 1980 wurde er Außenminister und ein Jahr später Ministerpräsident. In seine Regierungszeit fiel der Krieg gegen den Irak. Mussawi führte sein weltweit isoliertes Land mit harter Hand durch schwere Krisenjahre. Er organisierte die Kriegswirtschaft mit einem straffen Rationalisierungsprogramm und ließ Lebensmittelmarken ausgeben. Für Ruhe im Innern sorgte er mit verstärkter Repression: Zehntausende Regimegegner wurden verhaftet, tausende hingerichtet.

Als nach einer Verfassungsänderung 1989 das Amt des Ministerpräsidenten abgeschafft wurde, zog er sich weitgehend aus der aktiven Politik zurück. Er bekam aber einen Sitz im Schlichtungsrat, der bei Streitfällen zwischen Wächterrat und Parlament vermitteln soll. Zudem wurde er - nun Direktor der Teheraner Kunstakademie - als Berater geschätzt, unter anderem vom reformorientierten Präsidenten Mohammed Chatami (1997-2005). Der wirkliche Machthaber im schiitischen Gottesstaat, Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei, ließ im Wächterrat die meisten Gesetze der Regierung Chatami stoppen, die auf eine Liberalisierung der Islamischen Republik abzielten. Die Nähe zum gescheiterten «Reformpräsidenten» brachte Mussawi aber den Ruf eines politisch moderaten Pragmatikers ein.

Im Wahlkampf 2009 suchte der Intellektuelle «ehrlich und bescheiden» auch die Unterstützung der «Barfüßigen und Habenichtse», die «die Werte der Islamischen Revolution höher schätzen, als das tägliche Brot». Ihnen versprach er, «Korruption auszurotten», neue Arbeitsplätze zu schaffen und die Inflation zu senken. Mussawi geht zwar auf Distanz zum Holocaust-Leugner Ahmadinedschad und bedauert den «Völkermord an den Juden in Europa». Er fragt aber auch: «Warum sollen die Palästinenser dafür bezahlen?». Und er stellt klar, dass eine Anerkennung Israels durch den Iran auch für ihn undenkbar ist. Fast wortgleich mit Ahmadinedschad bestreitet der 67-Jährige Pläne seines Landes zum Bau von Atomwaffen und betont das «Recht Irans auf die friedliche Nutzung der Nuklearenergie».

Im Interview mit dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» lässt Mussawi keinen Zweifel an seiner Unterstützung für Chamenei, wenn er verkündet: «Je geschlossener unsere Reihen in den zentralen Fragen der Politik sind, desto besser für die Zukunft unseres Landes.» US- Präsident Barack Obama sieht keine großen Unterschiede zwischen Ahmadinedschad und Mussawi. Man müsse in jedem Fall mit einem System umgehen, das «den Vereinigten Staaten historisch feindlich gesinnt ist», sagte er dem US-Sender CNBC. Auch viele Demonstranten in den Straßen Teherans geben sich sich keinen Illusionen hin. Mussawi sei nur das kleinere Übel aber: «Alles ist besser als Ahmadinedschad.»

Konflikte / Wahlen / Iran
19.06.2009 · 22:31 Uhr
[0 Kommentare]
Flagge der Europäischen Union
Straßburg (dpa) - Das Europäische Parlament hat die Arbeiten zur Umsetzung des im vergangenen Jahr vereinbarten Zollabkommens zwischen den USA und der EU formell auf Eis gelegt. «Mit der Androhung von Extrazöllen im Zusammenhang mit Grönland hat der US-Präsident den Bogen endgültig überspannt», teilte der Vorsitzende des Handelsausschusses, Bernd Lange […] (07)
vor 27 Minuten
Ein Zaun stellt in erster Linie eine Begrenzung zum Grundstück dar. Doch Zäune haben viel mehr zu bieten. Sie liefern eine gewisse Sicherheit, ermöglichen Privatsphäre und sorgen für Struktur. Umso ärgerlicher ist es, wenn beim Zaunkauf oder Zaunbau Fehler passieren. Das kann nicht nur Ärgernisse, sondern auch Zusatzkosten verursachen. […] (00)
vor 1 Stunde
Apple verlagert OLED-Bestellungen: Samsung springt für BOE ein
Apple sieht sich gezwungen, seine Lieferkette für iPhone-Displays kurzfristig anzupassen. Aufgrund anhaltender Fertigungsprobleme beim chinesischen Zulieferer BOE werden signifikante Bestellvolumina nun an Samsung Display umgeleitet. iPhone 14 Pro, Quelle: Lukas Gehrer auf Pixabay Samsung Display übernimmt Anteile von BOE Wie der […] (00)
vor 1 Stunde
Destiny 2: Shadow and Order Update soll wegen Marathon verschoben werden
Die Destiny 2-Community hat gerade erst wieder Hoffnung geschöpft. Die Renegades-Erweiterung brachte frischen Wind ins Spiel, mit ihrer gewagten Star-Wars-Hommage und dem lang ersehnten Praxic Blade – Bungies Version eines Lichtschwerts. Doch nun scheint sich eine unerfreuliche Nachricht anzubahnen: Das nächste große Update, Shadow and Order, soll laut […] (00)
vor 1 Stunde
Handball-EM: Deutschland-Norwegen am Samstag im ZDF
UPDATE: Nachdem die ARD ihre nächsten Deutschland-Spiele bereits terminiert hat, folgt nun auch das ZDF mit seinen zwei Partien. Hier wie versprochen das Update zu den ZDF-Spielen in der Hauptrunde der Handball-EM der Männer: Am Samstag, 24. Januar 2026, überträgt Sportstudio live ab 20.15 Uhr aus dem dänischen Herning die zweite Hauptrundenpartie der deutschen Handball-Nationalmannschaft […] (00)
vor 3 Stunden
Edin Dzeko
Gelsenkirchen (dpa) - Edin Dzeko steht unmittelbar vor einem späten Comeback in Deutschland und einem Wechsel in die 2. Fußball-Bundesliga zu Tabellenführer FC Schalke 04. Der 39 Jahre alte Bosnier, dessen Noch-Arbeitgeber AC Florenz und Schalke haben sich geeinigt. Entsprechende Medienberichte von Sky und «WAZ» decken sich mit Informationen der […] (00)
vor 13 Minuten
Der 1,8-Milliarden-Schock: Warum dieser Chip-Deal Ihr Depot verändern wird
Micron zementiert seine Marktmacht mit einer aggressiven Übernahme in Taiwan In einem strategischen Schachzug, der die Halbleiterindustrie aufhorchen lässt, hat Micron Technology (MU.O) eine verbindliche Absichtserklärung unterzeichnet, um den P5-Fabrikationsstandort der Powerchip Semiconductor Manufacturing Corp (PSMC) in Tongluo, Taiwan, zu übernehmen. Der Kaufpreis von 1,8 Milliarden US- […] (00)
vor 31 Minuten
SUNMI D3 80MM Leistungsstarkes POS-Touchsystem
Espelkamp-Fiestel, 21.01.2026 (PresseBox) -   PULSA stellt die neuen SUNMI D3 80MM POS-Terminals vor. Die neuen SUNMI D3 80MM richten sich an Unternehmen, die Wert auf Effizienz, Design und flexible Einsatzmöglichkeiten legen. Mit ihrem leistungsstarken Aufbau und einer klaren Ausrichtung auf professionelle Anwendungen bieten sie eine zukunftssichere […] (00)
vor 1 Stunde
 
Synthetische Drogen - Schlag gegen Organisierte Kriminalität
Köln/Den Haag (dpa) - Europäische Ermittler haben Europol zufolge einen der größten […] (00)
Jochen Kopelke (Archiv)
Berlin - Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jochen Kopelke, […] (00)
Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (Archiv)
Berlin - Mietfahrräder des Unternehmens Nextbike dürfen laut einer Entscheidung des […] (00)
Sitzung des Bundeskabinetts (Archiv)
Berlin - Das Bundeskabinett hat einen Gesetzesentwurf für die Digitalisierung des […] (00)
Explosion bei Rockstar North: Polizei sperrte „GTA 6“-Studio – Das war die Ursache
Ein Vorfall am frühen Morgen sorgt für Aufsehen in der Gaming-Welt. In den Büros von […] (00)
Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums
Davos (dpa) - In vielen Unternehmen gehen Wahrnehmung und Realität beim Einsatz von […] (00)
Tennis - Australian Open
Melbourne (dpa) - Alexander Zverev hat sich bei den Australian Open auch von einem […] (04)
Trumps Friedensrat und die neue Ära der geopolitischen Erpressung
Ein „Friedensrat“ gegen die Vereinten Nationen Donald Trump will die globale […] (00)
 
 
Suchbegriff