Analyse: Ende des Abschwungs noch kein Aufschwung

13. August 2009, 22:21 Uhr · Quelle: dpa
Wiesbaden/Frankfurt (dpa) - Stell Dir vor, es ist Rezession und keiner geht hin. Dieser leicht spöttische Slogan gilt in abgewandelter Form auch für die deutsche Konjunktur.

Rabenschwarz für die Wirtschaft hatten Ökonomen zu Jahresbeginn gesehen. Doch nun ist die Rezession erst einmal gestoppt. Der härteste Absturz seit dem Zweiten Weltkrieg ist zu Ende, der Alptraum vorüber. Mit einem kräftigen Zuwachs von 0,3 Prozent ist die Wirtschaft im zweiten Quartal aus der Schockstarre erwacht - und das schneller als gedacht. 2010 könnte Deutschlands Konjunktur um gute zwei Prozent wachsen.

«Die weltweite Angst, dass nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman das Finanzsystem kollabieren könnte, ist verschwunden», sagt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Fünfzig Prozent der Wirtschaft sind ja bekanntermaßen Psychologie. In dieser beispiellosen Rezession war die Psychologie aber noch viel wichtiger. Das Vertrauen bei Banken, Unternehmen und Konsumenten war nach der Lehman-Pleite im September 2008 zerstört. Es kehrte erst mit den Konjunkturprogrammen auf der ganzen Welt und den Finanzspritzen der Notenbanken zurück.

Nun ist der Welthandel wieder angesprungen - davon profitiert Exportweltmeister Deutschland ganz besonders. Die Konjunkturprogramme haben verhindert, dass die Wirtschaft noch tiefer abstürzte. Beispiel Abwrackprämie: Sie hat nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern Menschen in die Autohäuser gelockt. Ganz oft kauften sie einen Wagen «Made in Germany».

Doch wie geht es weiter? «Das Ende des Abschwungs ist nicht gleichzusetzen mit dem Anfang des Aufschwungs», warnt der Konjunkturchef des ifo-Instituts, Kai Carstensen. Nur zur Erinnerung: Im gesamten Jahr 2009 wird die deutsche Wirtschaft um vier bis fünf Prozent schrumpfen. Auch wenn das etwas weniger ist als befürchtet, wäre es immer noch die härteste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. Sie wäre fünfmal so tief wie der bisher schlimmste Absturz 1975.

Es gibt eine Menge Fragezeichen. Da ist einmal die bange Frage, wie es nach dem Auslaufen der milliardenschweren Konjunkturprogramme weiter geht. Sie fangen gerade erst an zu wirken. Ob der Staat wirklich in der Lage ist, der Wirtschaft für längere Zeit einen Schub zu geben, muss sich erst noch zeigen. Aber auch im Finanzsektor ist die Gefahr nicht gebannt. Erste Banken wie der Branchenprimus Deutsche Bank schreiben zwar wieder Milliardengewinne, doch in den Bilanzen vieler Institute schlummern noch Risiken.

Der Verbraucher ist es, der bislang die Wirtschaft vor Schlimmerem bewahrt hat. Rückläufige (Öl-)Preise, Steuersenkungen und Gehaltszuschläge haben dazu beigetragen. Aber wie lange können sich die Bürger ihre Kauflust noch leisten? Die schwer gebeutelte Industrie setzt bislang auf Kurzarbeit, könnte aber bald Stellen abbauen - wenn noch nicht jetzt, dann vielleicht nach den Bundestagswahlen. Fachleute erwarten im kommenden Jahr einen Zuwachs auf mehr als vier Millionen Arbeitslose. Der Handel fürchtet Rückschläge für den Konsum, der zwei Drittel der Wirtschaftsleistung ausmacht.

In diesen wirtschaftlich unsicheren Zeiten ist nur eines sicher: «Die Risiken wachsen und es gibt mehr Instabilität», sagt Heise. Ökonomen sprechen von einer Wellblechkonjunktur, bei der es rauf und runter geht. Das verunsichert vor allem die Konsumenten, die bereits mehr Geld sparen als vor einem Jahr, aber auch die Unternehmen. Wer nicht richtig planen kann, der investiert auch nicht und schafft keine neuen Arbeitsplätze.

Viele Ökonomen gehen daher davon aus, dass sich die deutsche Wirtschaft in der Form des Buchstaben W entwickelt: Nach dem Absturz folgt ein leichter Aufschwung, dem 2010 ein neuer Einbruch folgt. «Man sollte aber die Chancen nicht übersehen», meint die Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen, Gertrud Traud. «Viele Effekte wirken selbstverstärkend, und dies nicht nur auf dem Weg nach unten, sondern jetzt auch auf dem Weg nach oben.» Wenn alles gut läuft, könnte es doch noch ein klassischer Aufschwung in Form eines V werden.

Konjunktur / BIP
13.08.2009 · 22:21 Uhr
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