Analyse: Die Opel-Nacht könnte lange werden

27. Mai 2009, 08:56 Uhr · Quelle: dpa
Berlin (dpa) - Eine Klasse kleiner für den Fiat-Chef: Anfang Mai war Sergio Marchionne noch im Maserati, dem Luxuswagen des Fiat-Konzerns, bei Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) vorgefahren.

Am Dienstag rollt der Italiener im schlichten Fiat Croma zu einem Gespräch über den Einstieg bei Opel zum Kanzleramt. Doch der Wagen ist nicht alles, was heute anders ist: Längst gilt Marchionne nicht mehr als Favorit für einen Einstieg beim angeschlagenen Autobauer Opel. Der kanadisch-österreichische Zulieferer Magna hat Fiat inzwischen überholt.

SPD-Fraktionschef Peter Struck sagt, Magna habe das «realistischere und beste Konzept». Guttenberg gibt sich diplomatischer. Er will sich vor dem vorentscheidenden Spitzentreffen an diesem Mittwoch in Berlin nicht in die Karten schauen lassen. Nach Marchionnes Besuch sagt er, die Italiener hätten «kein schlechtes Konzept» vorgelegt. «Aber es sind weitere Nachbesserungen notwendig.» Dies gelte aber auch für das Angebot von Magna. Vom US-Finanzinvestor Ripplewood, dem dritten Bieter im Bunde, spricht niemand mehr. Denn schließlich wollen die Finanzspezialisten die Opel-Konzernmutter General Motors (GM) am Ruder lassen - und diese Taktik war in den vergangenen Jahren wenig erfolgreich.

Trotz der sommerlichen Temperaturen trägt Marchionne wie so oft einen dunklen Pullover und ein blaues Hemd. Als der Fiat-Chef das Kanzleramt nach eineinhalb Stunden verlässt, gibt es von ihm keinen Kommentar - auch nicht für die vielen italienischen Journalisten, die beharrlich vor dem Kanzleramt lauern.

Die Gemengelage um Opel ist höchst komplex - dementsprechend umfangreich sind die Gespräche: Dem Vernehmen nach treffen sich am Mittwochmorgen zunächst die zuständigen Bundesminister, um ihre Positionen abzuklopfen. Am Abend beraten die Kanzlerin, Bundesminister, Ministerpräsidenten, das US-Finanzministerium und Vertreter der Opel-Mutter GM. Dabei sollen die Manager der drei Opel-Interessenten Fiat, Magna und Ripplewood wie bei Bewerbungsgesprächen nacheinander in den Raum gebeten werden.

Die Nacht könnte lange werden, denn die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, «bis zur Wochenmitte» alle Interessen unter einen Hut zu bekommen und eine Entscheidung zu erreichen. Allerdings ist kaum mit einem klaren Votum für einen der Investoren zu rechnen, sondern eher mit einer Rangfolge. Denn Berlin hat nicht das letzte Wort, das haben GM und die US-Regierung. Deshalb will sich die deutsche Seite alle Optionen offenhalten.

Zudem geht es nicht nur um eine Vorentscheidung über einen Investor. Wenn Opel die kommenden Monate trotz der drohenden GM-Insolvenz überleben soll, müssen die Werte des Unternehmens schnell aus dem Mutter-Konzern gerettet und in eine Treuhandgesellschaft übertragen werden. Es gilt, Washington und Detroit von den Vorteilen dieses Konstrukts zu überzeugen, obwohl kein Cent als Gegenwert über den Teich transferiert werden soll. Bisher gelang dies nicht.

Derweil gilt es als unwahrscheinlich, dass Zehntausende Gläubiger GM Schulden in Milliardenhöhe erlassen. Ein Ultimatum von US-Präsident Barack Obama für den Traditionskonzern läuft in der Nacht zum kommenden Montag (1. Juni) ab. Somit wird eine Insolvenz der Opel-Mutter immer wahrscheinlicher. Bis dahin will die Bundesregierung Opel aus dem GM-Konzern herauslösen. Eine Zwischenfinanzierung steht bereit, um Opel Zeit für Verhandlungen mit einem möglichen Investor zu geben. Dabei wird jedoch entscheidend sein, wen die GM-Mutter in Detroit am liebsten bei Opel mit im Boot haben möchte. Dem wird sich die Bundesregierung nicht widersetzen können.

In Deutschland ist Opel längst zum Spielball im Bundestagswahlkampf geworden. Immer mehr geht es zwischen den Parteien um die Abwägung, ob Arbeitsplätze mit Staatshilfen gerettet werden müssen oder ob damit nicht Steuergelder leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Auch das Schreckgespenst Zerschlagung schwebt wieder über dem Autobauer: Die «Bild»-Zeitung berichtet mit Hinweis auf ein internes Papier, dass Guttenberg eine solche ins Gespräch gebracht haben soll. Ein Sprecher Guttenbergs erklärt jedoch umgehend, ein solches Papier gebe es nicht im Ministerium. Allerdings bekräftigt Guttenberg, eine «geordnete Insolvenz» von Opel bleibe «als Option auf dem Tisch».

Auto / Opel
27.05.2009 · 08:56 Uhr
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