Analyse: Ärger mit dem Doktortitel ist nicht neu

16. Februar 2011, 22:27 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Der Doktortitel kann in der deutschen Politik durchaus von Vorteil sein. Mit einigen Monaten zusätzlicher Arbeit kann man als Parteinachwuchs seine Karrierechance erhöhen. Von den derzeit 623 Abgeordneten des Bundestags dürfen sich heute 120 Doktor nennen.

Im Kabinett ist es dann schon mehr als die Hälfte: 11 von 16 Ministern, angefangen von Dr. rer. nat. Angela Merkel bis hin zu den verschiedenen Dr. jur. wie Guido Westerwelle, Wolfgang Schäuble oder eben auch Karl-Theodor zu Guttenberg.

Der CSU-Verteidigungsminister steht jetzt in der Kritik, weil er für seine Dissertation («Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU») abgeschrieben haben soll. Guttenberg ist aber längst nicht der erste deutsche Minister, der wegen seiner Doktorarbeit Ärger hat. Zweifel an der akademischen Leistungsfähigkeit von deutschen Spitzenpolitikern gab es schon des öfteren.

Auch Altkanzler Helmut Kohl (CDU) musste sich wegen seiner Dissertation immer wieder Spott gefallen lassen. Das Thema («Die politische Entwicklung in der Pfalz und das Wiedererstehen der Parteien nach 1945») galt vielen als zu schmalspurig. Zudem gab es Zweifel, ob sich der Dr. phil. tatsächlich durch all die britische Fachliteratur gelesen hatte, die er im Literaturverzeichnis so umfangreich aufführte.

SPD-Nachfolger Gerhard Schröder war zwar Volljurist, aber ohne akademischen Titel - bis er verschiedene Ehrendoktorwürden sammelte, die man als Kanzler auf Auslandsreisen fast zwangsläufig bekommt. Mehrmals musste er sich im Kabinett gefallen lassen, dass er von echten «Doctores» wie seinem Verteidigungsminister Peter Struck damit aufgezogen wurde.

An der akademischen Qualifikation der heutigen Kanzlerin hingegen äußerte bislang niemand Zweifel - allein schon, weil kaum jemand etwas von ihrer Dissertation noch aus DDR-Zeiten versteht. Der Titel: «Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenchemischer und statistischer Methoden». Vizekanzler Westerwelle tat sich mit «Das Parteienrecht und die politischen Jugendorganisationen», abgegeben an der Fernuniversität Hagen, vermutlich leichter.

Richtigen Ärger mit der Dissertation hatte zuletzt das jüngste Kabinettsmitglied, Familienministerin Kristina Schröder (CDU). Sie musste sich gegen Vorwürfe zur Wehr setzen, ihre 300-Seiten-Arbeit («Gerechtigkeit als Gleichheit? Eine empirische Analyse der objektiven und subjektiven Responsivität von Bundestagsabgeordneten») mit fremder Hilfe zusammengeschrieben zu haben.

Einmalig ist bislang der Fall des Bundestagsabgeordneten Dieter Jasper. Der CDU-Politiker aus dem Münsterland hatte bei der Wahl 2009 mit einem Doktortitel der Wirtschaftswissenschaften Wahlkampf gemacht, den er überhaupt nicht führen durfte. Der Titel stammte von einer Universität der Schweiz, wo es akademische Grade zu kaufen gab. Jasper kam mit 5000 Euro Geldstrafe davon. Heute sitzt der 48-Jährige im Wirtschaftsausschuss des Bundestags.

Verteidigung / Wissenschaft / Guttenberg
16.02.2011 · 22:27 Uhr
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