Investmentweek

Alarmstufe Rot am Golf: Wie DHL das Hormus-Chaos austrickst

06. März 2026, 15:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Alarmstufe Rot am Golf: Wie DHL das Hormus-Chaos austrickst
Foto: InvestmentWeek
Die Straße von Hormus ist gesperrt, doch DHL liefert weiter. Erfahren Sie, wie der Logistik-Riese Lkw und Spezialflieger gegen das Chaos einsetzt.
Während internationale Reedereien die Straße von Hormus fluchtartig verlassen, aktiviert der Bonner Logistikriese DHL seine Notfallpläne. Inmitten des geopolitischen Bebens setzt Konzernchef Tobias Meyer auf eine riskante Strategie.

Die Weltkarte der Logistik wird derzeit in Echtzeit neu gezeichnet, und das Zentrum des Bebens liegt in der Meerenge von Hormus. Für DHL, den globalen Primus der Warenströme, ist die Sperrung der strategisch wichtigen Wasserstraße durch den Iran weit mehr als ein operatives Ärgernis – es ist ein Belastungstest für die gesamte Konzernstatik. Während Konkurrenten ihre Schiffe hilflos umleiten, schaltet Bonn in den Krisenmodus. „Wir haben Notfallpläne aktiviert“, heißt es aus der Konzernzentrale. Doch hinter dieser nüchternen Mitteilung verbirgt sich eine logistische Meisterleistung, die den Nahen Osten in einen gigantischen Umschlagplatz auf Rädern verwandelt.

Da der Seeweg blockiert ist und auch die Luftfrachtriesen Emirates und Qatar aufgrund von Luftraumsperrungen am Boden bleiben, zieht DHL einen Trumpf aus dem Ärmel, den kaum ein Mitbewerber besitzt: ein eigenes, hochmodernes Straßennetz quer durch die Golfregion. Wenn Schiffe nicht mehr schwimmen und Flugzeuge nicht mehr landen dürfen, rollen die gelb-roten Lkw. Die Strategie ist klar: Fracht wird über den Landweg zu Ausweichflughäfen wie Riad transportiert, um von dort die globalen Märkte zu erreichen.

Die radikale Abkehr vom Seeweg macht den Landweg zum neuen Rückgrat der Golf-Logistik

DHL-Vorstandschef Tobias Meyer agiert in diesen Tagen wie ein Feldherr der Lieferketten. Das Unternehmen profitiert paradoxerweise von der Verknappung der Kapazitäten bei anderen Anbietern. Da die großen Carrier der Region ausfallen, schnellt die Nachfrage nach den 270 hauseigenen Frachtmaschinen von DHL in die Höhe. Meyer zögert nicht: Um den Engpass zu überbrücken, wurden bereits zusätzliche Maschinen gechartert. Allein für den Transport kritischer Halbleiter aus Taiwan sind täglich bis zu fünf Extramaschinen im Einsatz, um die globale Chip-Versorgung trotz der Sperrungen zu sichern.

Doch der Landweg bleibt der entscheidende Joker.

„Wir können die Ware auf die Straße verlegen“, erklärt Meyer trocken.

Was einfach klingt, ist eine organisatorische Herkulesaufgabe. Das Straßennetz von DHL Express in der Golfregion fungiert nun als lebenserhaltendes System für die Versorgung der Anrainerstaaten. Während der Suezkanal durch Umwege von bis zu 15 Tagen an Attraktivität verliert und Hafenstaus drohen, nutzt DHL seine Flexibilität, um die Zeitverluste für Premium-Kunden zu minimieren.

Trotz weltweiter Krisenherde meldet der Konzern überraschende Rekordmargen im Express-Sektor

Man könnte meinen, dass die Kumulation aus Ukraine-Krieg, Gaza-Konflikt und den neuen US-Zöllen unter Donald Trump DHL in die Knie zwingen würde. Tatsächlich brachen die Sendungen in die USA um massive 26 Prozent ein. Doch Meyer exekutiert einen Plan, der Analysten staunen lässt: Verlorene Frachtvolumina werden durch hochpreisige Mehrwertdienstleistungen kompensiert. Beratung bei der Zollabfertigung und aktives Kapazitätsmanagement trieben den Gewinn je Aktie im Jahr 2025 um 8,1 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro.

Besonders beeindruckend ist die Reaktion auf die abgeschaffte De-minimis-Regel in den USA, die Billigversender wie Temu oder Shein hart traf. DHL reagierte blitzschnell und mietete eigene Lagerhallen in den Vereinigten Staaten an, um verzollte Waren zwischenzulagern. Das Ergebnis: Trotz sinkender Sendungszahlen stieg die Marge im Express-Bereich auf stolze 12,9 Prozent. DHL beweist, dass man in der Krise nicht nur überleben, sondern profitabel wachsen kann, wenn man die Komplexität für den Kunden auflöst.

Das Sorgenkind Spedition braucht nach dem Absturz eine radikale Kurskorrektur unter neuer Führung

Doch wo viel Licht ist, gibt es bei DHL auch tiefen Schatten. Das klassische Speditionsgeschäft, das Herzstück vieler Industriekunden, ist im vergangenen Jahr regelrecht eingebrochen. Der Gewinn in diesem Bereich sackte um 30 Prozent ab. Besonders der Niedergang der deutschen Automobilindustrie zog DHL mit in die Tiefe: Die Planer kauften Kapazitäten ein, die am Ende niemand brauchte, weil die Autozulieferer ihre Produktion unerwartet schnell drosselten.

Nun liegt es an Oscar De Bok, dem erfahrenen niederländischen Manager, diesen Bereich zu sanieren. Er soll das Geschäft diversifizieren und enger mit der stabilen Lagerlogistik (Supply Chain) verzahnen. De Boks Aufgabe ist es, DHL weg von der reinen Volumen-Wette hin zu einem integrierten Lösungsanbieter zu führen, der weniger anfällig für die Schwankungen einzelner Industrien ist. Die Prognose für 2026 bleibt dennoch vorsichtig: Ein Gewinnziel von 6,2 Milliarden Euro zeigt, dass der Vorstand mit anhaltend heftigem Gegenwind rechnet.

Am Ende ist die Lage in der Straße von Hormus für DHL ein zweischneidiges Schwert. Die operative Komplexität ist enorm, doch die Fähigkeit, in einem kollabierenden Umfeld als einer der wenigen verlässlichen Akteure übrig zu bleiben, zementiert die Marktmacht der Bonner. Die geplante Dividendenerhöhung auf 1,90 Euro ist das Signal an die Aktionäre: Wir haben das Chaos im Griff.

Finanzen / Global / DHL / Logistik / Hormus / Iran-Krise / Transport
[InvestmentWeek] · 06.03.2026 · 15:00 Uhr
[4 Kommentare]
kostenloses stock foto zu aktienmarkt, anlagestrategien, austausch
Bitcoin (BTC) hat sich in den letzten 14 Tagen deutlich erholt und notiert derzeit bei etwa $75.000. Trotz dieser positiven Entwicklung warnen einige Analysten vor einem möglichen bevorstehenden Kurseinbruch. Warnung vor „Max Pain“ Davinci Jeremie, ein früher Unterstützer von Bitcoin, der 2013 viral ging, als er empfahl, BTC bei $1 zu […] (00)
vor 43 Minuten
Industrie
Brüssel (dpa) - Für die deutsche Industrie ist der lang erwartete Industriestrompreis in Reichweite. Die EU-Kommission erlaubt der Bundesregierung, die Industrie mit einem vergünstigten Strompreis zu unterstützen, und zwar in einem Umfang von 3,8 Milliarden Euro, wie die Brüsseler Behörde mitteilte. Von Chemie bis Zement: Wer profitieren soll Damit sei […] (01)
vor 2 Minuten
Der Markt für Heimtierprodukte ist in den letzten Jahren stark angewachsen. Neben herkömmlichem Futter gibt es heute auch funktionelle Snacks, Pflegeartikel, Ergänzungsfuttermittel und spezielle Öle. Tierbesitzern eröffnet sich dadurch eine breite Produktpalette, die sich nicht immer auf Anhieb erschließt. Wer Hund oder Katze mit den richtigen Produkten […] (00)
vor 1 Stunde
Bosch Jahrespressekonferenz
Renningen (dpa) - Die Milliardenkosten für den Stellenabbau, die US-Zölle und eine hohe Steuerbelastung haben den Technologiekonzern Bosch vergangenes Jahr tief in die roten Zahlen gedrückt. Das Ergebnis nach Steuern lag bei minus 363 Millionen Euro, wie aus dem Geschäftsbericht der Schwaben hervorgeht. 2024 hatte sich der Nachsteuergewinn von Bosch im […] (00)
vor 41 Minuten
GTA Online Leak sorgt für Aktienboom bei Take-Two Interactive
Die Gaming-Industrie wird immer wieder von Sicherheitsvorfällen heimgesucht, doch manchmal ergeben sich aus dieser Chaos völlig unerwartete positive Konsequenzen. Bei Rockstar Games ist nun genau dies geschehen, was nicht nur die Spielergemeinde sondern auch Investoren zum Staunen brachte. Ein massives Datenleck sollte die gesamte Branche bewegen. Wenn […] (00)
vor 21 Minuten
Über zwei Millionen sehen Bayern-Kracher gegen Real
Das Champions-League-Duell zwischen dem FC Bayern München und Real Madrid sorgt bei DAZN für neue Bestwerte. Der Streaminganbieter DAZN kann sich über einen außergewöhnlich erfolgreichen Fußballabend freuen, denn das Halbfinal-Rückspiel der UEFA Champions League zwischen dem FC Bayern München und Real Madrid entwickelte sich nicht nur sportlich zum Drama, sondern auch quotentechnisch zum […] (00)
vor 5 Stunden
Tennis: ATP-Tour - München
München (dpa) - Alexander Zverev steht im Viertelfinale des ATP-Turniers von München. Der Weltranglistendritte bezwang Gabriel Diallo aus Kanada problemlos mit 6: 1, 6: 2. Nach seinem Zittersieg zum Beginn des Sandplatzevents ließ der 28 Jahre alte Hamburger diesmal keine Zweifel am Erfolg aufkommen. «Ich habe meinen Job gemacht», resümiert er. In der Runde der besten […] (00)
vor 3 Minuten
Führungskompetenz unabhängig geprüft: Neues Zertifizierungsprogramm von TÜV Rheinland
Köln, 16.04.2026 (PresseBox) - Führungskenntnisse werden in Unternehmen ab einem bestimmten Level erwartet, aber selten systematisch gelehrt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Führungskräfte in einem Umfeld von Transformation, Digitalisierung, Fachkräftemangel und hybriden Arbeitsmodellen. Vor diesem Hintergrund bietet TÜV Rheinland mit […] (00)
vor 1 Stunde
 
Commerzbank-Aktie vor Wendepunkt: Regierungspläne und Marktchancen im Fokus
Commerzbank im Fokus: Warum jetzt entscheidend ist Die Commerzbank befindet sich an […] (00)
bitcoin, crypto, finance, coin, money, currency, cryptocurrency, blockchain, investment, closeup
Dogecoin zeigt oft unerwartete Kursbewegungen, besonders wenn das Interesse der […] (00)
Warum Infrastruktur zur strategischen Waffe wird
I. Beobachtung: Der Kampf um unsichtbare Chokepoints Im Februar 2024 kündigte die […] (00)
Junge Frauen mit Smartphone (Archiv)
Berlin - Junge Menschen präsentieren sich im Internet häufig glücklicher, als sie […] (01)
«The Wagner Brothers»: ZDF setzt Sport-Doku fort
Das ZDF erhält für die zweite Staffel von «The Wagner Brothers» Unterstützung vom Medienboard […] (00)
Wer über KI liest, stößt schnell auf große Versprechen, kurze Demos und viele […] (00)
Philadelphia 76ers - Orlando Magic
Philadelphia (dpa) - Die Orlando Magic haben in der NBA ihr erstes Play-in-Spiel […] (00)
Bethesdas galaktische Saga: Wie Starfield in die Fußstapfen von Fallout und The Elder Scrolls tritt
Bethesda Game Studios ist bekannt für epische Rollenspielerlebnisse, die Generationen […] (00)
 
 
Suchbegriff