AGOA-Verlängerung bleibt in der Schwebe: Afrikas Handel mit den USA bedroht
Afrikanische Regierungsvertreter und Wirtschaftsführer blicken mit Sorge auf das bevorstehende Auslaufen eines wesentlichen zollfreien Handelsprogramms mit den Vereinigten Staaten Ende September. Washington hat bisher keine Entscheidung bekanntgegeben, ob das Abkommen verlängert wird.
Der African Growth and Opportunity Act (AGOA) steht im Mittelpunkt der wirtschaftlichen Verbindung zwischen den USA und Afrika seit seiner Einführung im Jahr 2000. Ziel ist die Förderung von Investitionen, Schaffung von Arbeitsplätzen und wirtschaftlichem Wachstum durch den Zugang zum bedeutenden US-Konsumentenmarkt. Das Abkommen gewährt 32 afrikanischen Ländern zoll- und quotenfreien Zugang für Tausende von Produkten, verpflichtet jedoch die Teilnehmerländer zur Einhaltung bestimmter wirtschaftspolitischer und governancerelevanter Anforderungen.
Die USA führen regelmäßig Überprüfungen der Einhaltung durch. Staaten wie Äthiopien, Mali und Uganda wurden in den letzten Jahren aus dem Programm ausgeschlossen. Zwar wurde das Abkommen 2015 um ein weiteres Jahrzehnt verlängert, aber der Vorstoß im vergangenen Jahr, eine weitere Verlängerung zu sichern, fand keine Unterstützung im Kongress. Zudem hat Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus Zweifel an einer Verlängerung geschürt, aufgrund seiner auf Zölle fokussierten Handelspolitik.
AGOA wird die Steigerung der Exporte, Investitionen und Arbeitsplätze in afrikanischen Staaten zugeschrieben. US-Importe aus AGOA-Begünstigten stiegen zwischen 2001 und Ende 2021 um 37 %. Besonders Südafrika profitierte, aber auch Länder wie Kenia konnten durch die Fokussierung auf fertige Bekleidung ihre Exporte diversifizieren.
Bisher hat die US-Regierung sich nicht zum Status der AGOA-Erneuerung geäußert. Kenia strebt bis Jahresende ein Handelsabkommen an, um seine Märkte zu sichern. Südafrika verhandelt ebenfalls intensiv, um drohenden Zöllen entgegenzuwirken.
Der plötzliche Wegfall zollfreier Marktzugänge könnte Exporte und Investitionen reduzieren und Arbeitsplätze gefährden. Eine Studie von Development Reimagined prognostiziert eine Reduzierung afrikanischer Exporte in die USA um etwa ein Viertel, was gegenwärtige Wirtschaftsprognosen eintrübt. Besonders in Kenia und Südafrika sind viele Arbeitsplätze im Textil- und Bekleidungssektor gefährdet, was die wirtschaftliche Unsicherheit weiter verstärkt.
Die Unsicherheit über das Fortbestehen von AGOA betreffe nicht nur Afrika, sondern könne auch geopolitische Interessen der USA gefährden. Die U.S. Chamber of Commerce fordert daher in einem Schreiben an Kongressmitglieder eine rasche Reautorisierung des Handelsabkommens.

