AfD als «rechtsextremistischer Verdachtsfall» eingestuft

03. März 2021, 17:10 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat die gesamte AfD als rechtsextremistischen Verdachtsfall eingestuft. Damit kann die Partei ab sofort auch mit nachrichtendienstlichen Mitteln ausgespäht werden.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur setzte der Präsident der Behörde, Thomas Haldenwang, die Landesämter für Verfassungsschutz über die neue Einschätzung in einer internen Videokonferenz in Kenntnis. Zuerst hatte der «Spiegel» über die Entscheidung berichtet.

Die AfD-Spitze sprach von einem politischen Manöver mit dem Ziel, der AfD im Superwahljahr 2021 Schaden zuzufügen. «Das Vorgehen des Verfassungsschutzes ist skandalös», sagte der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla. «Obwohl die Behörde die Einstufung als Verdachtsfall nicht bekanntgeben darf, lanciert sie entsprechende Informationen an die Medien, um auf diese Weise den demokratischen Parteienwettstreit zulasten der AfD zu beeinflussen.» Der Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alexander Gauland, sagte: «Ich bin persönlich der Meinung: keine Anpassung an den Verfassungsschutz.»

Wegen eines noch nicht abgeschlossenen Gerichtsverfahrens nimmt das Bundesamt derzeit öffentlich nicht Stellung zur Frage der Einschätzung der AfD. «Mit Blick auf das laufende Verfahren und aus Respekt vor dem Gericht äußert sich das Bundesamt für Verfassungsschutz in dieser Angelegenheit nicht öffentlich», teilte die Kölner Behörde auf Anfrage mit.

Das Bundesamt hatte dem Kölner Verwaltungsgericht diese Woche jedoch umfänglich Einblick in seine Einschätzung zur AfD gewährt. Die AfD wehrt sich in einem Eilverfahren mit juristischen Mitteln gegen eine mögliche Einstufung als rechtsextremistischer Verdachtsfall. Diese Einstufung ermöglicht grundsätzlich auch das Anwerben von Informanten, die aus der Partei an den Inlandsgeheimdienst berichten.

Der Verfassungsschutz hatte dem Gericht zugesagt, bis zum Ende des Eilverfahrens Kandidaten und Abgeordnete der Partei nicht mit nachrichtendienstlichen Mitteln zu überwachen. Außerdem werde der Verfassungsschutz bis zum Abschluss des Verfahrens darauf verzichten, öffentlich bekanntzugeben, ob er die AfD als Verdachtsfall oder gesichert rechtsextremistische Bestrebung einstuft.

Das Gericht stellte daraufhin fest, angesichts der vom Bundesamt für Verfassungsschutz abgegebenen Erklärungen könnte sich eine Beobachtung mit nachrichtendienstlichen Mitteln während der Dauer des Eilverfahrens lediglich auf die einfachen Mitglieder der Partei auswirken.

«Dass der Verfassungsschutz die AfD nun offenbar bundesweit beobachtet, wundert nicht», sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Mathias Middelberg. «Die Partei hat sich nie eindeutig von Rechtsextremen wie Herrn Höcke distanziert», kritisierte Middelberg mit Blick auf den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke. Die Partei habe es jetzt in der Hand, «sich mit einem Reinigungsprozess der Beobachtung durch den Verfassungsschutz zu entziehen.» Es sei aber fraglich, ob ihr das gelingen werde.

«Dieser Schritt war überfällig - der Schulterschluss
zwischen AfD und extremer Rechter ist in den letzten Jahren immer
deutlicher sichtbar geworden», sagte DGB-Bundesvorstandsmitglied Anja Piel. «Unsere Demokratie ist wehrhaft gegenüber denjenigen, die sie abschaffen und das parlamentarische System abreißen wollen», kommentierte Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz.

In der AfD tobt seit Jahren ein Machtkampf zwischen der rechtsnationalen Strömung und denjenigen, die sich selbst als gemäßigt bezeichnen. Im Bundesvorstand sind die sogenannten Gemäßigten um Parteichef Jörg Meuthen aktuell in der Mehrheit.

Die AfD war im vergangenen Jahr von 34.750 Mitgliedern auf rund
32.000 Mitglieder zum Jahresende geschrumpft. Für die Partei war dies der erste Mitgliederschwund seit fünf Jahren. Ein Parteisprecher hatte dies im Januar teils damit erklärt, dass die Mitgliedschaft von Menschen, die ihre Beiträge nicht gezahlt hätten, beendet worden seien. Einige Mandatsträger, die ausgetreten waren, hatten ihren Austritt mit dem nach ihrer Einschätzung gewachsenen Einfluss der Rechtsaußen-Strömung in der Partei begründet.

Die vom früheren AfD-Vorsitzenden Bernd Lucke gegründete Partei Liberal-Konservative Reformer (LKR) hatte einige von ihnen aufgenommen. Der LKR-Bundesvorsitzende Jürgen Joost sagte: «Wer sich glaubhaft von der AfD abwendet, darf dafür nicht gebrandmarkt werden. Als Liberal-Konservative Reformer sind wir bereit, Brücken zu bauen für jeden, der unsere satzungsmäßigen Ziele und politischen Grundsätze teilt.»

Parteien / Extremismus / AfD / Alexander Gauland / Tino Chrupalla / Skandal / Deutschland
03.03.2021 · 17:10 Uhr
[17 Kommentare]
Alexander Schweitzer und Gordon Schnieder
Mainz (dpa) - CDU und SPD haben sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auf die Bildung der ersten großen Koalition in Rheinland-Pfalz geeinigt. Details sollen heute Nachmittag in Mainz vorgestellt werden. Etwas weniger als sechs Wochen nach der Landtagswahl wird mit Spannung erwartet, worauf sich die beiden Parteien mit ihren Verhandlungsführern Gordon Schnieder auf Unions- […] (02)
vor 17 Minuten
Sir Ringo Starr weigerte sich, 'eine der traurigsten Zeilen' auf seinem neuen Album zu singen.
(BANG) - Sir Ringo Starr weigerte sich, "eine der traurigsten Zeilen" zu singen, die T-Bone Burnett für 'Long Long Road' geschrieben hat. Die Beatles-Legende hat sich für das neue, hochkarätig besetzte Country-Album wieder mit dem ikonischen Produzenten zusammengetan und gab zu, dass einige Texte zu herzzerreißend waren, um sie zu singen. Rückblickend […] (00)
vor 14 Stunden
KI
Berlin (dpa) - Im Wettbewerb um die besten Köpfe im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) steht Deutschland in der Europäischen Union an der Spitze - kann aber mit den globalen Marktführern USA, Indien, Großbritannien und Kanada nicht mithalten. Das geht aus einer Arbeitsmarktstudie des Berliner Thinktanks Interface (ehemals Stiftung Neue Verantwortung) hervor.  Kanada […] (00)
vor 3 Stunden
Steam Deck 2 lebt noch! – Valve arbeitet weiter am Nachfolger
Valve hat den Steam Deck 2 nicht auf Eis gelegt. Im Gegenteil: Laut einer neuen Einordnung von PCGamer.com unter Berufung auf ein aktuelles Gespräch mit Pierre-Loup Griffais ist Valve weiter „hart am Arbeiten“ zum Nachfolger des Steam Decks. Eine konkrete Ankündigung oder einen Starttermin gibt es aber weiterhin nicht. Das ist vor allem deshalb […] (01)
vor 12 Stunden
Primetime-Check: Mittwoch, 29. April 2026
Wie erfolgreich war Das Erste mit «Toter Winkel»? Kam «Joko & Klaas gegen ProSieben» erfolgreich aus der Winterpause zurück? Das Erste setzte in der Primetime auf den Spielfilm Toter Winkel, der 3,54 Millionen Zuschauer begeisterte. Das neun Jahre alte Werk verbuchte 17,2 Prozent bei allen sowie 7,3 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Mit Plusminus und Tagesthemen wurden 1,98 und 2,01 […] (00)
vor 1 Stunde
Gianni Infantino
Vancouver (dpa) - Für FIFA-Präsident Gianni Infantino wird es rund um den Kongress des Fußball-Weltverbands im kanadischen Vancouver keine Polizeieskorte geben. Ein entsprechender Antrag sei abgelehnt worden, teilte die Polizei von Vancouver mit und bestätigte damit lokale Medienberichte. «Formelle Fahrzeugkonvois mit Verkehrssperrungen sind […] (00)
vor 1 Stunde
Warum der nächste Boom aus Asien kommt
In seiner wöchentlichen Kolumne analysiert Michael C. Jakob die großen Kräfte hinter Kapital, Technologie und geopolitischer Macht. Statt kurzfristiger Schlagzeilen stehen langfristige Entwicklungen im Fokus: neue Industrien, verschiebende Machtzentren, aufstrebende Technologien und die Frage, wie Vermögen im 21. Jahrhundert tatsächlich entsteht. Die […] (00)
vor 51 Minuten
WORTMANN AG startet BUSINESS-Flyer II-2026 für den Mittelstand
Hüllhorst, 30.04.2026 (PresseBox) - Die WORTMANN AG kündigt den Start ihres zweiten BUSINESS-Flyers für das Jahr 2026 an. Der 12-seitige Angebotsflyer, speziell ausgerichtet auf kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), erscheint am 05. Juni 2026. Partnerunternehmen haben noch bis zum 08. Mai 2026 die Möglichkeit, ihre Bestellungen aufzugeben. Der […] (00)
vor 1 Stunde
 
Hubschrauber der US-Army in Deutschland (Archiv)
Washington - US-Präsident Donald Trump droht mit einem Truppenabzug aus Deutschland. […] (05)
Container (Archiv)
Wiesbaden - Die Importpreise in Deutschland sind im März um 2,3 Prozent im Vergleich […] (00)
Mann bei Holztransport schwer verletzt
Koblenz (dpa) - In Rheinland-Pfalz ist es am Morgen zu einem schweren Unfall mit […] (00)
Schwedens König Carl XVI. Gustaf
Stockholm (dpa) - Wenn der schwarze Volvo vor dem Stockholmer Schloss vorfährt, kann es gut […] (00)
Google
San Francisco (dpa) - Die Tech-Riesen Amazon, Google, Microsoft und Meta wollen in […] (00)
Leyla Heiter und Mike Heiter
(BANG) - Leyla Heiter zeigte sich kurz nach ihrer Kinn-OP ganz offen – und bekam […] (00)
«Wuthering Heights» startet Anfang Mai bei HBO Max
Die Neuverfilmung des Literaturklassikers von Emily Brontë feiert ihre weltweite Streaming- […] (00)
Rekordleistung in einem wettbewerbsintensiven Markt Carvana Co. hat erneut seine […] (00)
 
 
Suchbegriff