ACS hält 33,49% an Hochtief
03. Februar 2011, 08:31 Uhr · Quelle: Dow Jones
(NEU: weitere Details, Hintergrund, Aktienkurs)
Von Natali Schwab DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Der spanische Baukonzern ACS hat sein Ziel, mit Ablauf der freiwilligen Übernahmeofferte mehr als 30% der Aktien an der Hochtief AG zu halten, erreicht. Im Rahmen des Übernahmeangebots seien dabei 3,64% der Hochtief-Aktien angedient worden, teilte die Actividades de Construcción y Servicios (ACS) am Donnerstag mit. Zusammen mit Aktien, die ACS anderweitig hält, werde das spanische Unternehmen insgesamt 33,49% an Hochtief halten.
Hoffnungen von Hochtief, Aktionäre könnten angediente Aktien wieder zurückgezogen oder anderweitig verkauft haben, erfüllten sich damit nicht.
Hochtief äußerte sich zunächst nicht, kündigte aber eine Telefonkonferenz am Vormittag an.
Das Erreichen von mehr als 30% für ACS bei Hochtief bedeutet einen wichtigen Etappensieg. Mit dem Überschreiten dieser Marke ist ACS von einem teuren Pflichtangebot befreit und kann nun weitere Aktien am Markt einsammeln, ohne sich an weitere Fristen halten zu müssen. Erklärtes Ziel der Spanier ist die Übernahme von etwas mehr als 50% an Hochtief. Damit könnte ACS das Essener MDAX-Unternehmen in der eigenen Bilanz konsolidieren.
Die Vorgehensweise von ACS hatte zu heftigen Diskussionen über das deutsche Übernahmerecht geführt. So hatte etwa der Hauptgeschäftsführer der deutschen Bauindustrie, Michael Knipper, eine "gefährliche Lücke" im Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG) kritisiert, die ein "feindliches Einschleichen" ermögliche sowie die Rechte der Minderheitsaktionäre nicht ausreichend schütze.
In anderen Ländern, etwa Großbritannien, Frankreich oder Italien, müsse ein Großaktionär, der bereits über 30% aber noch nicht über 50% der Stimmen verfüge, für weitere Zukäufe den Minderheitsaktionären in festen Abständen neue Übernahmeangebote unterbreiten.
Mit mehr als 30% der Hochtief-Aktien hätte ACS außerdem die Möglichkeit, schon auf der Hauptversammlung des Essener am 12. Mai Einfluss auf die Zusammensetzung des Aufsichtsrates und damit indirekt auch auf das künftige Aussehen des Konzernvorstandes zu nehmen.
ACS bot 9 eigene Papiere für 5 Hochtief-Aktien. Das Hochtief-Management und der Aufsichtsrat hatten den Aktionären empfohlen, das Angebot nicht anzunehmen, da es weder attraktiv sei, noch den Wert des Unternehmens widerspiegele oder Hochtief Vorteile bringe.
Alle Vollzugsbedingungen des Angebots sind erfüllt worden. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hatte der Offerte keine Steine in den Weg gelegt. Die Behörde hatte zuletzt untersucht, ob sich ACS und der Finanzinvestor Southeastern Asset Management womöglich unerlaubter Weise abgestimmt haben könnten.
Southeastern war bei der Offerte eine Schlüsselrolle zugekommen. Der Finanzinvestor ist sowohl an ACS als auch an Hochtief beteiligt und hatte erklärt, für rund 2 Mio seiner 4 Mio Hochtief-Aktien das Angebot anzunehmen. Von Southeastern stammt daher der Löwenanteil der ACS insgesamt während des Angebots angedienten rund 3,3 Mio Aktien.
Hochtief hatte monatelang gegen das Ansinnen von ACS gekämpft. Im Dezember etwa nahm das Unternehmen über eine Kapitalerhöhung das Emirat Katar mit knapp 10% in den Kreis seiner Aktionäre mit auf.
Das Hochtief-Management befürchtet eine Zerschlagung des Unternehmens durch die hochverschuldeten Spanier. ACS hat dies bislang zurückgewiesen und zugesichert, Hochtief als eigenständiges, börsennotiertes Unternehmen zu erhalten. Unternehmenssitz soll Essen bleiben. Auch ein Beherrschungsvertrag wird laut ACS nicht angestrebt.
Mit der Gewerkschaft IG Bau schloss ACS eine Vereinbarung, nach der ACS die Rechte der Arbeitnehmer garantiert und keine Arbeitsplätze abbauen will. In Deutschland beschäftigt Hochtief etwa 10.000 Menschen.
Die Vereinbarung hatte zwischenzeitlich zu einem offenen Zerwürfnis zwischen Gewerkschaft und dem Hochtief-Betriebsrat geführt, der sich übergangen fühlte.
ACS will sich mit der Übernahme der Hochtief-Mehrheit breiter aufstellen und die Abhängigkeit vom schwierigen spanischen Baumarkt verringern. Überhaupt strebt der Konzern mit seinem Chef Florentino Perez eine stärkere Diversifizierung seines Geschäfts an und hat dazu ein Auge auf den lukrativen Energiemarkt geworfen.
Schon länger ist ACS an dem spanischen Energiekonzern beteiligt und hat den Anteil erst kürzlich auf mehr als 20% erhöht. Für Iberdrola ist Perez Ansinnen ebenfalls unerwünscht. Beide Unternehmen liefern sich seit einiger Zeit juristische Scharmützel. So hat Iberdrola ACS etwa bislang einen Sitz im Kontrollgremium verweigert.
Die Aktie von Hochtief verlor am Vormittag 1,64% auf 63,05 EUR. Die Papiere von ACS sind in Madrid bis 10.00 Uhr vom Handel ausgesetzt.
Webseiten: www.acs-offer.com www.hochtief.de
- Von Natali Schwab, Dow Jones Newswires; +49 69 29725119, [email protected]
DJG/nas/kla
Von Natali Schwab DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Der spanische Baukonzern ACS hat sein Ziel, mit Ablauf der freiwilligen Übernahmeofferte mehr als 30% der Aktien an der Hochtief AG zu halten, erreicht. Im Rahmen des Übernahmeangebots seien dabei 3,64% der Hochtief-Aktien angedient worden, teilte die Actividades de Construcción y Servicios (ACS) am Donnerstag mit. Zusammen mit Aktien, die ACS anderweitig hält, werde das spanische Unternehmen insgesamt 33,49% an Hochtief halten.
Hoffnungen von Hochtief, Aktionäre könnten angediente Aktien wieder zurückgezogen oder anderweitig verkauft haben, erfüllten sich damit nicht.
Hochtief äußerte sich zunächst nicht, kündigte aber eine Telefonkonferenz am Vormittag an.
Das Erreichen von mehr als 30% für ACS bei Hochtief bedeutet einen wichtigen Etappensieg. Mit dem Überschreiten dieser Marke ist ACS von einem teuren Pflichtangebot befreit und kann nun weitere Aktien am Markt einsammeln, ohne sich an weitere Fristen halten zu müssen. Erklärtes Ziel der Spanier ist die Übernahme von etwas mehr als 50% an Hochtief. Damit könnte ACS das Essener MDAX-Unternehmen in der eigenen Bilanz konsolidieren.
Die Vorgehensweise von ACS hatte zu heftigen Diskussionen über das deutsche Übernahmerecht geführt. So hatte etwa der Hauptgeschäftsführer der deutschen Bauindustrie, Michael Knipper, eine "gefährliche Lücke" im Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG) kritisiert, die ein "feindliches Einschleichen" ermögliche sowie die Rechte der Minderheitsaktionäre nicht ausreichend schütze.
In anderen Ländern, etwa Großbritannien, Frankreich oder Italien, müsse ein Großaktionär, der bereits über 30% aber noch nicht über 50% der Stimmen verfüge, für weitere Zukäufe den Minderheitsaktionären in festen Abständen neue Übernahmeangebote unterbreiten.
Mit mehr als 30% der Hochtief-Aktien hätte ACS außerdem die Möglichkeit, schon auf der Hauptversammlung des Essener am 12. Mai Einfluss auf die Zusammensetzung des Aufsichtsrates und damit indirekt auch auf das künftige Aussehen des Konzernvorstandes zu nehmen.
ACS bot 9 eigene Papiere für 5 Hochtief-Aktien. Das Hochtief-Management und der Aufsichtsrat hatten den Aktionären empfohlen, das Angebot nicht anzunehmen, da es weder attraktiv sei, noch den Wert des Unternehmens widerspiegele oder Hochtief Vorteile bringe.
Alle Vollzugsbedingungen des Angebots sind erfüllt worden. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hatte der Offerte keine Steine in den Weg gelegt. Die Behörde hatte zuletzt untersucht, ob sich ACS und der Finanzinvestor Southeastern Asset Management womöglich unerlaubter Weise abgestimmt haben könnten.
Southeastern war bei der Offerte eine Schlüsselrolle zugekommen. Der Finanzinvestor ist sowohl an ACS als auch an Hochtief beteiligt und hatte erklärt, für rund 2 Mio seiner 4 Mio Hochtief-Aktien das Angebot anzunehmen. Von Southeastern stammt daher der Löwenanteil der ACS insgesamt während des Angebots angedienten rund 3,3 Mio Aktien.
Hochtief hatte monatelang gegen das Ansinnen von ACS gekämpft. Im Dezember etwa nahm das Unternehmen über eine Kapitalerhöhung das Emirat Katar mit knapp 10% in den Kreis seiner Aktionäre mit auf.
Das Hochtief-Management befürchtet eine Zerschlagung des Unternehmens durch die hochverschuldeten Spanier. ACS hat dies bislang zurückgewiesen und zugesichert, Hochtief als eigenständiges, börsennotiertes Unternehmen zu erhalten. Unternehmenssitz soll Essen bleiben. Auch ein Beherrschungsvertrag wird laut ACS nicht angestrebt.
Mit der Gewerkschaft IG Bau schloss ACS eine Vereinbarung, nach der ACS die Rechte der Arbeitnehmer garantiert und keine Arbeitsplätze abbauen will. In Deutschland beschäftigt Hochtief etwa 10.000 Menschen.
Die Vereinbarung hatte zwischenzeitlich zu einem offenen Zerwürfnis zwischen Gewerkschaft und dem Hochtief-Betriebsrat geführt, der sich übergangen fühlte.
ACS will sich mit der Übernahme der Hochtief-Mehrheit breiter aufstellen und die Abhängigkeit vom schwierigen spanischen Baumarkt verringern. Überhaupt strebt der Konzern mit seinem Chef Florentino Perez eine stärkere Diversifizierung seines Geschäfts an und hat dazu ein Auge auf den lukrativen Energiemarkt geworfen.
Schon länger ist ACS an dem spanischen Energiekonzern beteiligt und hat den Anteil erst kürzlich auf mehr als 20% erhöht. Für Iberdrola ist Perez Ansinnen ebenfalls unerwünscht. Beide Unternehmen liefern sich seit einiger Zeit juristische Scharmützel. So hat Iberdrola ACS etwa bislang einen Sitz im Kontrollgremium verweigert.
Die Aktie von Hochtief verlor am Vormittag 1,64% auf 63,05 EUR. Die Papiere von ACS sind in Madrid bis 10.00 Uhr vom Handel ausgesetzt.
Webseiten: www.acs-offer.com www.hochtief.de
- Von Natali Schwab, Dow Jones Newswires; +49 69 29725119, [email protected]
DJG/nas/kla

