Investmentweek

500 Millionen Euro – aber keiner soll Fragen stellen

11. Juli 2025, 21:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Das Rüstungs-Start-up Stark wirft Fragen auf: Wer führt das Unternehmen und welche Verbindungen bestehen zu Quantum Systems? Die Situation bleibt undurchsichtig.

Ein CEO, den niemand bestätigen will

Wenn Uwe Horstmann irgendwo auftaucht, hören in Berlin viele zu. Der Ex-Offizier und Partner der Wagniskapitalfirma Project A ist einer der sichtbarsten Investoren im deutschen Tech-Ökosystem.

Doch seine angebliche neue Rolle als CEO des Rüstungs-Start-ups Stark sorgt aktuell für Verwirrung – und für anwaltliche Drohgebärden.

Denn offiziell bestätigt ist nichts. Auch dementiert wird nichts. Stattdessen ließ Horstmann einen Medienanwalt vorschicken – mit einer Warnung vor rufschädigender Berichterstattung. Die üblichen Mittel also, wenn jemand nicht über etwas reden will, das wahr ist.

Was macht Stark eigentlich – und warum interessiert sich die Bundeswehr dafür?

Stark entwickelt sogenannte Kamikazedrohnen: unbemannte Fluggeräte, die ihr Ziel nicht nur aufspüren, sondern sich bei Aufprall selbst vernichten. Es geht um Präzision, Reichweite – und tödliche Effizienz.

Produkte wie das Stark-Modell „Virtus“ gelten als hochattraktiv für moderne Gefechtsfelder. Auch die Bundeswehr soll laut Informationen aus Verhandlungskreisen bereits Interesse signalisiert haben.

Das Unternehmen – so weit öffentlich bekannt – wurde 2024 gegründet, hat angeblich bereits zwei Finanzierungsrunden hinter sich und wird jetzt mit rund einer halben Milliarde Euro bewertet. Für ein Start-up ohne Webseite, ohne bekannte Verträge, ohne CEO eine bemerkenswerte Zahl.

Die Spur führt zu Quantum Systems – und wieder zurück

Der Kern der Geschichte ist so deutsch wie undurchsichtig. Stark wurde von Florian Seibel und Sven Kruck gegründet – zwei Köpfe, die auch hinter Quantum Systems stehen, dem wohl bekanntesten deutschen Drohnenhersteller. Quantum liefert unter anderem Aufklärungsdrohnen an die Ukraine und wird für 2025 mit 250 Millionen Euro Umsatz gehandelt.

Stark nutzt den Begriff „Stealth Mode“ für seine Geheimhaltung – in der Rüstungstechnik bedeutet das auch: kaum öffentliche Kontrolle bei hoher politischer Relevanz.

Doch genau diese personelle und technologische Nähe sorgt für Nervosität. Investoren von Quantum erfuhren teils aus der Presse von der Gründung von Stark. Im Beirat soll es ordentlich geknirscht haben. Immerhin wirkte es, als würde das Management ein zweites Pferd ins Rennen schicken – möglicherweise auf Kosten des ersten.

Es folgte eine bemerkenswerte Strukturumstellung: Die Stark GmbH wurde aufgelöst, stattdessen die SDK SE gegründet – mit Sitz in Berlin, neuem Impressum und vielen Fragezeichen. Öffentlich zugängliche Informationen über die Besitzverhältnisse? Fehlanzeige.

Ein Name taucht immer wieder auf: Uwe Horstmann

Horstmann soll – so berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen – von Anfang an maßgeblich an Stark beteiligt gewesen sein. Als Investor, Strippenzieher, möglicherweise mehr.

In einer Bundestagsdrucksache wurde er bereits im Vorjahr als „CEO Stark“ aufgeführt. Ob das ein Fehler war oder ein unbeabsichtigter Vorgriff? Bisher unbeantwortet.

Problematisch wird es vor allem, weil Horstmann bei Project A gerade einen neuen Fonds auflegt. Und wer Gelder institutioneller Investoren verwaltet, muss Interessenkonflikte vermeiden – nicht nur formell, sondern auch im Auftritt. In der Branche gilt: Wer selbst operativ tätig wird, verliert in der Regel Anspruch auf die sogenannte Carry, also die Gewinnbeteiligung aus dem Fonds.

Ob Horstmann seine Investoren über die Nähe zu Stark informiert hat, ist unbekannt. Project A äußert sich nicht. Doch der Umstand, dass sich gleich mehrere Investoren nun offenbar über ein separates Vehikel an Stark beteiligen dürfen, nährt die These: Man versucht, eine Geschichte zu reparieren, bevor sie öffentlich wird.

Verflechtungen und Verwirrung – ein Blick ins Board von Quantum

Die Grenzen zwischen Quantum und Stark mögen auf dem Papier gezogen worden sein, in der Realität wirken sie fließend. Mindestens fünf von sechs Quantum-Board-Mitgliedern sollen auch an Stark beteiligt sein – darunter Horstmann, Thomas Preuß (DTCP), Christian Saller (HV Capital) und Moritz Döpfner, der als Vertreter von Peter Thiels Beteiligungsfirma gilt. Gemeinsam kontrollieren sie laut Insidern acht von neun Stimmrechten bei Quantum.

Lesen Sie auch:

Pistorius krempelt um – und sorgt für neue Unruhe im Verteidigungsministerium
Mitten in der Haushaltsdebatte stellt Verteidigungsminister Boris Pistorius die Machtverhältnisse in seinem Haus neu auf. Das neue Organigramm offenbart nicht nur Strukturveränderungen, sondern auch Machtspiele, die intern längst für Spannungen sorgen.

Ein E-Mail-Leak, über den bereits berichtet wurde, zeigt: Bereits 2024 warnte das Investorenkonsortium 10x Group vor einem möglichen Wettbewerb zwischen den beiden Firmen. Im Raum stand die Sorge, dass sich Stark und Quantum bei der Bundeswehr künftig ins Gehege kommen – bei Ausschreibungen, bei Personal, bei Geld.

Verteidigungstech als Goldrausch – aber mit ethischem Schatten

Was sich hier abzeichnet, ist nicht nur eine Geschichte über ein Start-up, sondern über eine neue Branche: Die Verteidigungsindustrie ist dabei, sich zu öffnen – für junge Unternehmen, für Wagniskapital, für neue Akteure. Das erzeugt Druck, Chancen und moralische Spannungsfelder.

Die Regeln des Silicon Valley – „move fast and break things“ – prallen auf sicherheitspolitische Realität. Wer für die Bundeswehr produziert, trägt Verantwortung. Und wer gleichzeitig mit mehreren Hüten durch die Rüstungswelt läuft, verliert an Glaubwürdigkeit – oder gefährdet sie zumindest.

Der Investor als Gründer als CEO als Strippenzieher: In der Tech-Szene ist das Alltag. In der Rüstung ist es ein Problem. Vor allem, wenn niemand offen sagen will, was genau er tut.

Was Stark noch verschweigt – und was das Problem daran ist

Bis vor Kurzem führte die Webseite von Stark ins Leere. Eine Art Online-Geisterflugzeug. Der einzige Vorstand, der öffentlich identifiziert werden konnte, ist André Schneider – ein ehemaliger Home24-Jurist, der sich bei LinkedIn als „General Counsel“ eines „Stealth Start-ups“ ausweist.

Auch Technikchef Johannes Schaback (ehemals CTO bei SumUp) und Aufsichtsratsvorsitzender Robert Maier (Ladenzeile) haben keine erkennbare Verteidigungsexpertise. Was sie bei Stark genau machen, ist unklar – öffentlich zugängliche Unterlagen sind rar.

In der Branche kursiert deshalb die Frage: Hat Stark – so „unabhängig“ das Unternehmen auch dargestellt wird – vielleicht doch auf Technologien, Prozesse oder Netzwerke von Quantum zurückgegriffen? Und falls ja: Mit wessen Wissen? Mit wessen Zustimmung?

Finanzen / Startups & VC / Rüstungsindustrie / Tech-Ökosystem / Unternehmensführung
[InvestmentWeek] · 11.07.2025 · 21:00 Uhr
[0 Kommentare]
Michél "Mitch" Kniat (Archiv)
Bielefeld - Nach drei Jahren beenden der DSC Arminia Bielefeld und Cheftrainer Mitch Kniat die Zusammenarbeit nach der abgelaufenen Saison. Beide Parteien einigten sich "nach umfangreichen Analysen und tiefgehenden Gesprächen einvernehmlich", teilte der Zweitligist am Samstag mit. Neben Mitch Kniat werden auch die Co-Trainer Dani Jara und Janik […] (00)
vor 1 Stunde
ZAYN hat eine Deluxe-Ausgabe von 'KONNAKOL' veröffentlicht, die drei brandneue Tracks enthält, während er sich auf eine Welttournee vorbereitet.
(BANG) - ZAYN hat seinen Fans eine überraschende Erweiterung seines fünften Albums 'KONNAKOL' geschenkt und eine Deluxe-Ausgabe veröffentlicht. Die erweiterte Platte fügt dem Projekt nur wenige Wochen nach der ursprünglichen Veröffentlichung drei brandneue Songs hinzu. Die Neuveröffentlichung enthält 'Daydreamin’', 'Bad for You' und 'Raise the Dead' und […] (00)
vor 1 Stunde
Teile aus dem 3D-Drucker für die Ukraine
Berlin/Kiew (dpa) - Die Ukraine hat eine Armee, die auch in Deutschland aktiv ist: Drukarmija (Druckarmee) heißt eine Freiwilligenorganisation, deren Aktivisten mit 3D-Druckern massenhaft kleine Plastikteile herstellen. Sie drucken fast alles, was Soldaten und Rettungskräfte der Ukraine bei der Abwehr der russischen Invasion brauchen: Drohnenzubehör, […] (00)
vor 6 Stunden
Microsoft schiebt EA den schwarzen Peter zu: Xbox Game Pass Family Plan endgültig gestorben?
Kaum eine Funktion haben Xbox-Spieler so vehement gefordert wie einen Familien-Tarif für den Game Pass. Über das hauseigene Feedback-System „Player Voice“ landete das Familienabonnement unter den Top 5 der meistgewünschten Features. Doch nach Monaten des Testens in Irland und Kolumbien ist klar: Der Traum vom günstigen Mehrspieler-Abo ist geplatzt. Und […] (00)
vor 1 Stunde
Lösungen für bedrohte Ozeane gesucht
Die «plan b»-Doku „Superstars der Natur“ blickt auf Korallen, Seegras und innovative Ideen zum Schutz der Meere. Mit der neuen plan b -Ausgabe „Superstars der Natur: Wie uns Koralle, Seegras & Co. schützen“ setzt das ZDF am Sonntag, 7. Juni 2026, um 15.30 Uhr auf konstruktiven Umweltjournalismus. Der Film von Stella Könemann, der bereits Anfang Juni erstmals gezeigt wurde, ist zugleich Auftakt […] (00)
vor 1 Stunde
Mitch Kniat
Bielefeld (dpa) - Trainer Mitch Kniat verlässt Arminia Bielefeld. Der ostwestfälische Traditionsclub und der 40-Jährige einigten sich einvernehmlich auf eine Trennung, wie der Fußball-Zweitligist mitteilte. Kniat arbeitete drei Jahre bei der Arminia. Im vergangenen Jahr führte er den damaligen Drittligisten sensationell ins DFB-Pokalfinale, dort […] (01)
vor 1 Stunde
Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen
Mörfelden-Walldorf, 23.05.2026 (lifePR) - Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen Jeder Modellbauer kennt das Problem: fettige Fingerabdrücke, Staub oder Schweiß auf empfindlichen Bauteilen. Gerade beim Kleben oder Lackieren ist eine absolut saubere Oberfläche entscheidend, damit die Arbeit gelingt und das Modell ein perfektes Finish […] (00)
vor 3 Stunden
 
business, computer, security, currency, finance, bitcoin, money, digital, financial, technology
Bitcoin-Derivatehändler kehren nach einer achtmonatigen Deleveraging-Phase wieder auf […] (00)
Ein entscheidender Moment für AEW Während All Elite Wrestling (AEW) weiterhin seine […] (00)
Eurokurs im Rückgang Am Freitagmorgen wurde der Euro knapp über der Marke von 1,16 […] (00)
Union Berlin - Werder Bremen (Archiv)
Berlin - Mehrere Bundesligisten fordern eine Reform der umstrittenen 50+1-Regel. Das […] (05)
Lukas Podolski
Zabrze (dpa) - Lukas Podolski beendet seine Karriere als Profifußballer. Der […] (02)
FRITZ! Labor – Fit für die Zukunft – die neuen Funktionen im FRITZ! Labor
FRITZ! startet ein neues FRITZ! Labor und lädt Anwender ein, das kommende FRITZ! OS […] (00)
«Bolzplatz»-Spezial zum Champions League Finale der Frauen
KORREKTUR: Das «Champions League»-Finale der Frauen ist natürlich am Samstag, 23. Mai 2026. […] (04)
Ricky Martin
(BANG) - Ricky Martin ist nach einem Tränengas-Vorfall während seines Konzerts in […] (00)
 
 
Suchbegriff