Investmentweek

20 Gigawatt Illusion – Wie der Streit um neue Gaskraftwerke den grünen Mythos vom entlarvt

26. Oktober 2025, 07:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
20 Gigawatt Illusion – Wie der Streit um neue Gaskraftwerke den grünen Mythos vom entlarvt
Foto: InvestmentWeek
Batteriespeicher können Strom höchstens zwei bis vier Stunden liefern – bei Dunkelflauten im Winter reichen sie nicht aus. Die Bundesnetzagentur hält daher an Gaskraftwerken als Rückgrat der Versorgungssicherheit fest.
Deutschland plant neue Gaskraftwerke, um Stromlücken zu schließen. Doch dies stellt die Realität der erneuerbaren Energien infrage.

Der Traum vom reinen Ökostaat

Deutschland sieht sich gern als Vorreiter einer elektrifizierten Zukunft – einer Republik, die sich ausschließlich aus Sonne, Wind und Idealismus speist. Doch dieser Traum kollidiert inzwischen mit der Physik. Wenn weder Windräder rotieren noch Solarpanels Strom liefern, klafft eine gewaltige Lücke.

Genau diese Lücke soll Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nun schließen – mit bis zu 20 Gigawatt neuer Gaskraftwerksleistung. Das entspricht rund 40 neuen Anlagen innerhalb weniger Jahre. Eine Notwendigkeit, sagt die Bundesnetzagentur. Ein Rückschritt, sagen die Grünen.

Ein grüner Glaubenskrieg

Kaum ein anderes Thema entzweit die Energiewende-Parteien derzeit so stark wie der Rückgriff auf Gas. Während Reiche nüchtern rechnet, schäumen die Gegner. Grünen-Politiker nennen sie spöttisch die „Gas-Ministerin“. Man wirft ihr vor, den fossilen Pfad zu beschreiten, den die Energiewende doch hinter sich lassen wollte.
Was dabei untergeht: Der Plan stammt nicht von Reiche.

Die Bundesnetzagentur, geleitet von einem ehemaligen Grünen-Politiker, hatte bereits unter Robert Habeck (ebenfalls Grüne) den Bedarf von 17 bis 21 Gigawatt an neuen Gaskraftwerken ermittelt. Nur redete damals kaum jemand darüber.

Wenn die Sonne Pause macht

Die nüchterne Wahrheit lautet: Ein Land, das seinen Stromverbrauch in Richtung Voll-Elektrifizierung treibt, braucht in windstillen Nächten Alternativen. Batteriespeicher taugen dafür kaum – ihre Kapazität reicht, optimistisch gerechnet, für zwei bis vier Stunden. Doch Dunkelflauten dauern Tage, manchmal Wochen.

Selbst mit modernster Speichertechnik bleibt also die Frage: Wer liefert den Strom, wenn Deutschland schläft? Gaskraftwerke sind keine Ideallösung, aber sie sind die einzige, die derzeit funktioniert.

Lobbyismus auf beiden Seiten

Dass ausgerechnet die Lobbyinitiative „New Energy Alliance“ gegen den Bau der Kraftwerke mobilmacht, wirkt paradox. In ihr sitzen Unternehmen, die ihr Geld mit Solaranlagen, Wärmepumpen und Batterien verdienen – also mit der Hoffnung auf ein Netz, das ohne fossile Reserve auskommt.

Ihr Argument: Dezentral gesteuerte Stromverbraucher – etwa smarte Wallboxen, Wärmepumpen oder E-Auto-Akkus – könnten das Netz flexibel stabilisieren. Die Realität: Schon heute hat die Bundesnetzagentur diese „Flexibilitäten“ eingerechnet. Und selbst dann bleibt der Bedarf an 40 bis 70 neuen Gaskraftwerken bestehen.

Der Etikettenschwindel von Brüssel

Robert Habeck hatte das Problem bereits erkannt – und versucht, es zu kaschieren. Um die Milliardenbeihilfen aus Brüssel zu sichern, deklarierte er die neuen Gaskraftwerke kurzerhand zu „Wasserstoff-ready“-Klimaschutzprojekten. Ein semantischer Trick, kein technischer.

Tatsächlich laufen diese Anlagen auf Jahre hinweg mit fossilem Erdgas. Erst später – irgendwann – könnten sie auf Wasserstoff umgestellt werden. Doch selbst das ist ungewiss. Brüssel winkte das Paket bislang nicht durch, Reiche verhandelt bis heute.

Die unbequeme Statistik

Trotz 25 Jahren Energiewende stammen 78 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs weiterhin aus fossilen Quellen. Wind und Sonne liefern zusammen keine 10 Prozent des Gesamtenergiebedarfs – der Rest kommt von Öl, Kohle, Gas und Biomasse.

Deutschland ist also weit davon entfernt, ein „Elektrostaat“ zu sein. Die Idee einer vollständig elektrifizierten Gesellschaft mag auf Parteitagen glänzen, im Stromnetz jedoch hält sie keiner Überprüfung stand.

Die Rückkehr zur Realität

In Wahrheit kämpft die Bundesregierung nicht um neue Gaskraftwerke, sondern um Zeit. Zeit, bis Speichertechnologien skalieren, Stromtrassen gebaut und Wasserstoffimporte gesichert sind. Bis dahin bleibt Erdgas das Rückgrat einer Energiewende, die ohne es kollabieren würde.

Die Behauptung, Deutschland könne allein mit dezentralen Batterien und smarten Zählern durch die Dunkelflaute kommen, ist ein politisches Märchen. Die Bundesnetzagentur weiß das – und rechnet längst mit der fossilen Reserve ein.

Ein Land zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Die Energiewende hat Deutschland zu einem Weltlabor gemacht. Doch wer in Laboren experimentiert, darf sich nicht wundern, wenn es zwischendurch raucht. Während Politiker noch von einem grünen Elektrostaat träumen, hat die Realität längst das Kommando übernommen.

Neue Gaskraftwerke sind keine „Rolle rückwärts“. Sie sind das Eingeständnis, dass man die Physik nicht ideologisch überlisten kann.

Politik / Energiewende / Gaskraftwerke / Grüne / Klimaschutz
[InvestmentWeek] · 26.10.2025 · 07:00 Uhr
[15 Kommentare]
Friedrich Merz am 09.04.2026
Berlin - Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat am Donnerstag mit dem Premierminister der Islamischen Republik Pakistan, Shehbaz Sharif, telefoniert. Das teilte der stellvertretende Sprecher der Bundesregierung, Sebastian Hille, mit. Der Bundeskanzler dankte demnach dem Premierminister für die Vermittlungsbemühungen zu einem Waffenstillstand zwischen […] (00)
vor 2 Minuten
Der deutsche Film verliert einen seiner größten Namen: Mario Adorf ist tot.
(BANG) - Der deutsche Film verliert einen seiner größten Namen: Mario Adorf ist tot. Der Schauspieler, der Generationen von Zuschauern prägte, starb im Alter von 95 Jahren nach kurzer Krankheit in seiner Wohnung in Paris – und hinterlässt ein Lebenswerk, das weit über Deutschland hinausstrahlt. Ob als Schurke, Patriarch oder feinsinniger […] (00)
vor 1 Stunde
iPhone 17 Modelle dominieren globale Smartphone Verkäufe im vierten Quartal 2025
Apple hat mit seiner iPhone 17 Serie im vierten Quartal 2025 die Marktführerschaft eindrucksvoll behauptet. Einem aktuellen Bericht von Counterpoint Research zufolge besetzen die neuen iPhone Modelle die Spitzenplätze der globalen Verkaufsstatistiken im genannten Zeitraum. iPhone 17 Pro Max […] (00)
vor 1 Stunde
PS6-Handheld soll stärker als Xbox sein – Leak sorgt für Aufsehen
Die nächste PlayStation ist noch nicht offiziell angekündigt und trotzdem überschlagen sich seit Monaten die Gerüchte. Dieses Mal geht es nicht nur um eine klassische Konsole. Es geht um etwas, das Sony schon einmal versucht hat und vielleicht jetzt völlig neu denkt. Ein Handheld. Und laut Leak könnte dieses Gerät deutlich stärker sein, als viele […] (00)
vor 12 Minuten
Rettungsdoku: VOX bringt «Feuer, Wasser, Erde, Luft» zurück
Vier neue Folgen werden ins Programm genommen, von denen jeweils eine im Wochenrhythmus läuft. Die VOX-Dokusoap Feuer, Wasser, Erde, Luft hatte eine etwas skurrile Geschichte hinter sich. Die Premieren-Staffel im Frühjahr 2023 wurde vorzeitig aus dem Programm genommen, nachdem die ersten Folgen nur schwache Quoten holten. Weil nach Bekanntgabe dieser Maßnahme jedoch nochmal ein Anstieg auf bis […] (00)
vor 3 Stunden
Gianpiero Lambiase (l) und Max Verstappen
Milton Keynes/Woking (dpa) - Max Verstappens Formel-1-Team Red Bull verliert weiteres Spitzenpersonal. Der langjährige Renningenieur des viermaligen Weltmeisters, Gianpiero Lambiase, schließt sich McLaren an. Er soll spätestens mit Ablauf seines derzeitigen Vertrags 2028 als Rennleiter zum aktuellen Konstrukteurs-Champion wechseln, wie McLaren […] (01)
vor 7 Minuten
nahaufnahme von bitcoin-symbolschildern im freien, die moderne kryptowährungstrends widerspiegeln.
Bitcoin hat möglicherweise den schlimmsten Schock überstanden, doch die Daten deuten darauf hin, dass es sich eher um eine Stabilisierung als um einen Ausbruch handelt. Ein Bitcoin-Reset im Gange? Laut aktuellen Analysen deutet die derzeitige Marktlage auf einen Reset hin, bei dem Bitcoin eine umfassende Entschuldungsphase durchläuft. Trotz der […] (00)
vor 49 Minuten
Präzision beginnt mit klarer Sicht - Saubere Optik für jeden Einsatz
Aham, 09.04.2026 (lifePR) - Wer auf die Jagd geht oder als Militär- oder Polizeikraft tätig ist, weiß: jedes Detail kann entscheidend sein. Staub, Fett oder Fingerabdrücke auf der Optik stören nicht nur die Sicht, sie verringern auch die Präzision. Gerade bei wechselnden Wetterbedingungen oder häufiger Nutzung ist eine gründliche und rückstandsfreie Reinigung unerlässlich. Das Optik-Reiniger-Set […] (00)
vor 1 Stunde
 
Arbeitsmarkt im Umbruch: Wie Fachkräftemangel die Unternehmensgewinne bedroht
Der Fachkräftemangel wird zur Gewinnbremse Der Fachkräftemangel hat sich zu einem […] (02)
Olaf Scholz (Archiv)
New York - Altbundeskanzler Olaf Scholz (SPD) soll für seine Verdienste um das […] (00)
Aral-Tankstelle (Archiv)
Bonn - Nach dem Sinken des Rohölpreises infolge des Waffenstillstands zwischen den […] (03)
Frankfurter Börse (Archiv)
Frankfurt/Main - Der Dax hat sich am Donnerstag nach einem bereits schwachen Start […] (01)
Märkte unter Druck: Warum Zinsängste die globalen Börsen schütteln
Globale Börsen im Zeichen der Zinsangst Die internationalen Aktienmärkte befinden […] (00)
Aubrey Plaza ist mit ihrem ersten Kind von ihrem Partner Chris Abbott schwanger.
(BANG) - Aubrey Plaza ist mit ihrem ersten Kind von ihrem Partner Chris Abbott […] (00)
Olivia Munn erlebte in ihrer Karriere schon so manchen sexistischen Moment.
(BANG) - Olivia Munn erlebte in ihrer Karriere schon so manchen sexistischen Moment – […] (00)
Robotaxi-Krieg: Travis Kalanicks vernichtendes Urteil bringt Tesla am Abgrund ins Straucheln
Der Ex-Uber-Boss prophezeit das Ende der Tesla-Dominanz Die Worte von Travis […] (00)
 
 
Suchbegriff