Autozulieferer

13.000 weitere Stellen - Massiver Jobabbau bei Bosch geplant

25. September 2025, 16:50 Uhr · Quelle: dpa
Bosch kündigt den Abbau von 13.000 Stellen an, hauptsächlich in der Mobility-Sparte, als Reaktion auf die Krise in der Automobilindustrie. Betroffene Standorte in Baden-Württemberg und Saarland sorgen für Kontroversen bei Betriebsrat und Gewerkschaften.

Gerlingen (dpa) - Der Zulieferer Bosch reagiert auf die Krise in der Automobilindustrie und hat drastische Einschnitte beim Personal in Deutschland angekündigt. Um Kosten zu sparen, sollen - neben weiteren Maßnahmen - etwa 13.000 weitere Stellen abgebaut werden, vor allem an deutschen Standorten der Zuliefersparte Mobility. Die Maßnahmen sollten bis Ende 2030 abgeschlossen sein, teilte das Unternehmen aus Gerlingen bei Stuttgart mit. Zuvor hatte das «Handelsblatt» berichtet.

Warum Bosch Stellen abbaut

In der deutschen Autoindustrie läuft es gerade alles andere als rund. Die Hersteller haben mit sinkenden Absatzzahlen und teils drastischen Gewinneinbrüchen zu kämpfen. Das wirkt sich auch auf deren Zulieferer aus. So brach etwa der Gewinn von Bosch unter dem Strich im vergangenen Jahr um die Hälfte ein.

Ende 2024 hatte der Konzern weltweit insgesamt fast 417.900 Beschäftigte - und damit rund 11.600 weniger als ein Jahr zuvor. In Deutschland sank die Mitarbeiterzahl um gut 4.500 auf mehr als 129.600 (minus 3,4 Prozent). In der Mobility-Sparte in Deutschland arbeiteten zuletzt etwas über 70.000 Menschen, wie Bosch-Arbeitsdirektor Stefan Grosch sagte. Der größte Bosch-Geschäftsbereich macht mehr als 60 Prozent des Gesamtumsatzes von gut 90 Milliarden Euro aus.

Wie Bosch bislang reagiert hat

Bereits seit Ende 2023 gibt es bei Bosch eine ganze Reihe von Stellenabbauprogrammen. Vor allem die Zuliefersparte Mobility ist davon betroffen gewesen, aber auch die Hausgeräte-Tochter BSH oder die Werkzeugsparte. Bosch habe seit Anfang vergangenen Jahres einen Abbaubedarf von 9.000 Stellen in Deutschland beim Unternehmensbereich Mobility kommuniziert, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Insgesamt summierte sich der angekündigte Stellenabbau zuletzt auf fast 15.000 Jobs weltweit. 

Warum der Stellenabbau nun verschärft wird

Das wirtschaftliche Umfeld und die Marktbedingungen bei Bosch Mobility seien zuletzt noch deutlich anspruchsvoller geworden, hieß es laut Mitteilung. Demnach gebe es eine Kostenlücke von weltweit jährlich rund 2,5 Milliarden Euro, die es zu schließen gelte. 

«Wir müssen dringend an der Wettbewerbsfähigkeit im Mobility-Bereich arbeiten und unsere Kosten weiter dauerhaft senken. Dazu setzen wir viele Hebel in Bewegung», sagte Arbeitsdirektor Grosch. Und: «Bedauerlicherweise kommen wir dabei auch nicht um einen weiteren Stellenabbau über das bereits kommunizierte Maß herum. Das schmerzt uns sehr, doch es führt leider kein Weg daran vorbei.»

Mit den Arbeitnehmervertretungen wolle Bosch an den einzelnen Standorten rasch über erforderliche Maßnahmen sprechen und möglichst sozialverträgliche Lösungen vereinbaren. «Der Zeitdruck ist groß», sagte Grosch.

Welche Standorte besonders stark betroffen sind

Besonders hart trifft es Mobility-Standorte in Baden-Württemberg. Im Stuttgarter Stadtteil Feuerbach sollen bis Ende 2030 rund 3.500 Stellen abgebaut werden. In Schwieberdingen bei Stuttgart sollen rund 1.750 Stellen bis Ende 2030 wegfallen. In Waiblingen, ebenfalls nicht weit entfernt von Stuttgart, plane das Unternehmen, die Produktion für Verbindungstechnik mit derzeit rund 560 Mitarbeitenden bis Ende 2028 auslaufen zu lassen, hieß es laut Mitteilung. 

Am badischen Standort Bühl/Bühlertal gebe es einen Anpassungsbedarf von 1.550 Stellen bis Ende 2030. Und im saarländischen Homburg plane Bosch den Abbau von rund 1.250 Stellen bis Ende 2030. Hinzu kämen weitere Anpassungen, zum Beispiel auch in der Bosch-Zentrale, sagte Arbeitsdirektor Grosch. 

Wie der Betriebsrat reagiert

«Es steht außer Frage, dass die Situation in der deutschen und europäischen Automobil- und Zulieferindustrie sehr angespannt ist», sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende des Geschäftssektors Mobility, Frank Sell, einer Mitteilung zufolge. «Einen Personalabbau dieser historischen Größenordnung - ohne gleichzeitige Zusagen zur Sicherung unserer Standorte in Deutschland - lehnen wir jedoch entschieden ab!» Bosch verspiele damit Vertrauen und sorge für «einen sozialen Kahlschlag in vielen Regionen», kritisierte Sell.

In einer Pressekonferenz sagte Sell, es stehe ein extrem heißer Herbst bevor. Man werde «kämpfen wie ein Löwe». Der Betriebsrats-Chef gab auch einen Einblick in die Gefühlswelt der Belegschaft. Am Stuttgarter Standort Feuerbach sei es beim Verkünden der Maßnahmen am Donnerstag «mucksmäuschenstill» gewesen. Die Leute seien Sell zufolge «völlig geschockt» gewesen, viele Mitarbeiter hätten geweint. 

Was die IG Metall dazu sagt

Die Gewerkschaft IG Metall reagierte empört. «Nach Ihren jüngsten Ankündigungen würde Robert Bosch im Grab rotieren!», warf Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, dem Management des Unternehmens in einer Mitteilung vor. «Sie treten die Werte mit Füßen, die Bosch erfolgreich gemacht haben: Zuverlässigkeit, Verantwortung und ein faires Miteinander.» 

Die IG Metall kündigte Widerstand gegen die Maßnahmen an. «Wir werden uns als IG Metall wehren. Es geht um viele tausend Beschäftigte von Bosch, die ihren Arbeitsplatz verlieren, es geht um deren Familien und es geht um Regionen, die Perspektive, Kaufkraft und Steuereinnahmen verlieren», sagte Benner. Es gehe aber auch um den Industriestandort als Ganzes.

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25.09.2025 · 16:50 Uhr
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