Investmentweek

116 % Fantasie – Warum Analysten jetzt auf China-Aktien setzen

15. Mai 2025, 12:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Eine überraschende Wende im Zollstreit zwischen den USA und China lässt Anleger wieder zugreifen. Welche Aktien jetzt profitieren – und warum der Optimismus nicht ohne Risiko ist.

Der China-Deal kommt – und mit ihm die Rallye

Erst waren es nur Gerüchte, dann folgte die Bestätigung – und schließlich die Reaktion der Märkte: Der überraschende Kompromiss im Handelskonflikt zwischen den USA und China hat die Börsen weltweit in Bewegung gesetzt.

Vor allem Aktien mit hoher Asien-Exponierung legten zu, Analysten sprechen von einem „Gamechanger“.

Die Zollsenkungen seien „deutlich größer als erwartet“, heißt es von mehreren Investmenthäusern. Und sie kommen schneller als gedacht.

Waffenstillstand auf Zeit – aber mit Wirkung

Konkret geht es um eine 90-tägige Vereinbarung: Die USA senken ihre im April eingeführten Strafzölle auf chinesische Importe von 145 auf 30 Prozent.

Peking revanchiert sich mit einer Reduktion seiner Zölle auf US-Waren von 125 auf zehn Prozent. Ein Zollfrieden auf Zeit – aber mit handfesten Konsequenzen für die Märkte.

Die Aussicht auf wieder funktionierende Lieferketten, steigende Konsumausgaben und einen Rückgang wirtschaftlicher Unsicherheiten sorgt für einen deutlichen Bewertungsaufschlag bei genau jenen Unternehmen, die zwischen den beiden Wirtschaftsmächten sitzen – oder von beiden abhängig sind.

Welche Aktien profitieren am stärksten

Goldman Sachs hat exklusiv für institutionelle Investoren Indizes erstellt, die besonders stark mit China verknüpfte Unternehmen abbilden – in Europa, den USA und Asien. Die InvestmentWeek konnte Einblick nehmen in die aktuellen Modellrechnungen und Analystenbewertungen.

In Europa stehen vor allem Technologie- und Industrieunternehmen ganz oben auf der Liste:

  • ASM International und ASML profitieren von steigenden Investitionen in die Halbleiterproduktion in Asien.
  • Infineon wird vom wieder anziehenden Automarkt in China gestützt.
  • Siemens Healthineers verkauft Medizintechnik nach China – dort steigt die Nachfrage infolge gelockerter Zollbestimmungen.
  • LVMH und Adidas profitieren direkt vom Konsumboom, wenn chinesische Verbraucher wieder mehr westliche Marken nachfragen.
  • BASF als Chemieriese und Rio Tinto im Rohstoffsektor sind indirekte Nutznießer des anziehenden Industriezyklus.

Auch die Beteiligungsgesellschaft Prosus, die an Chinas Internetgiganten Tencent beteiligt ist, wird als Profiteur eingestuft.

Der „GS China Supply Chain Index“ liegt trotz Kurssprung noch 12 % unter dem Jahresanfang – ein Zeichen, dass der Markt der neuen Dynamik nur bedingt traut.

USA: Konsum und Tech vorne

In den USA stehen bekannte Konsummarken und Tech-Unternehmen im Fokus:

  • Nike, Hasbro, Mattel und Western Digital könnten durch günstigere Produktionsbedingungen in Asien und bessere Exportchancen in China profitieren.
  • Der Chip-Zulieferer Applied Materials sowie der Notstromspezialist Generac werden von steigender Investitionsbereitschaft im Infrastruktursektor in Asien gestützt.
  • FedEx, als globaler Logistikdienstleister, gilt als Frühindikator – hier steigen die Erwartungen auf deutlich höhere Volumina im Asiengeschäft.

China-Aktien mit USA-Fantasie

Interessant wird es bei den weniger bekannten chinesischen Firmen mit großem US-Geschäft:

  • Vobile Group, ein Spezialist für Videoanalyse, wird von Analysten mit einem Kurspotenzial von bis zu 116 % geführt – so hoch wie kein anderes Unternehmen im aktuellen Screening.
  • BeiGene, ein Biotechwert, notiert 36 % unter dem von Analysten ermittelten fairen Wert.
  • Samsonite, bekannt für Koffer und Reisegepäck, steht für die Hoffnung auf mehr Reisetätigkeit und Konsum in den USA.
  • Auch AAC Technologies, Sunny Optical, Akeso und Wuxi Biologics zählen zu den Unternehmen mit US-Fokus, die nun wieder als kaufenswert gelten.

Der entscheidende Satz: „Noch nicht eingepreist“

Obwohl viele dieser Aktien seit der Ankündigung des Deals zweistellig gestiegen sind, betonen Analysten: Die Kursniveaus spiegeln die neue geopolitische Lage noch nicht vollständig wider.

Vor allem bei Unternehmen mit hohem China-Anteil lägen die Bewertungen teils noch deutlich unter den Höchstständen von 2021.

„Der Markt hat das Szenario einer dauerhaften Entspannung bislang nicht ernsthaft eingepreist“, sagt Maximilian Uleer von der Deutschen Bank.

Aber: Risiken bleiben – vor allem politisch

Trotz der Euphorie warnen viele Experten vor verfrühter Sorglosigkeit. Stephen Jen von Eurizon SLJ Research mahnt, dass der Waffenstillstand vor allem taktisch motiviert sei – und auf Sand gebaut sein könnte.

„Das strukturelle Handelsdefizit der USA bleibt bestehen“, so Jen. Auch ein erneuter Amtsantritt von Donald Trump im kommenden Jahr würde das fragile Gleichgewicht wieder kippen lassen.

Und: Politische Risiken in China selbst – von regulatorischen Eingriffen bis hin zu Kapitalverkehrskontrollen – sind keineswegs vom Tisch. Gerade ausländische Investoren haben sich in den letzten Jahren massiv zurückgezogen.

Ob die jetzige Entwicklung eine Trendwende einläutet, hängt stark vom weiteren geopolitischen Klima ab.

Ein kurzes Fenster – mit Potenzial

Der neue Deal zwischen Washington und Peking ist mehr als ein symbolischer Handschlag – er verändert das Marktumfeld. Für Anleger öffnet sich ein Zeitfenster, in dem Bewertungen und Realität noch auseinanderliegen. Wer jetzt investiert, setzt auf die Rückkehr eines lange verschmähten Narrativs: China als Chance, nicht als Risiko.

Finanzen / Wirtschaft
[InvestmentWeek] · 15.05.2025 · 12:00 Uhr
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