Wissen, das man im Leben bestimmt nie braucht.

„Mit allem Drum und Dran“
Bedeutung:
Mit allem, was dazugehört, mit allen Extras.

Herkunft: Inhaltlich handelt es sich um eine Tautologie, denn "drum" (= außenrum) und "dran" (daran, außen anhaftend) sind mehr oder weniger gleichbedeutend, was hier als Verstärkung zu deuten ist. Die auf Alliteration basierende Stilfigur (dr...) dürfte zum Erfolg dieses Ausdrucks beigetragen haben. Die Wortverbindung "darumb und daran" findet sich schon im 17. Jahrhundert, die Redensart selbst ist mindestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts belegt. Willibald Alexis schreibt 1852: "Was aber wäre Preußen, wenn Berlin genommen ist, und der Sitz der Regierung, ehe man die Staatsmaschine retten konnte, mit allem darum und daran, dem Feinde in die Hände fiel?".
 
„Drauf und dran sein“
Bedeutung:
Kurz davor / fast so weit sein, etwas zu tun. Im Begriff sein, etwas zu tun, nahe daran sein.

Herkunft: Die Adverbien drauf (darauf) und dran (daran) drücken ursprünglich eine räumliche Nähe aus, die hier allerdings eine gedankliche Nähe beschreiben zum Entschluss, eine Handlung auszuführen bzw. zu der Wahrscheinlichkeit, dass ein gedachtes Ereignis auch eintritt.

Der erste Beleg für diese Zwillingsformel ist im Jahr 1690 zu finden: "... diese Arglist ware deß Abgesandtens Wünsch nach so wohl außgeschlagen / daß der Groß-Hertzog schon drauff und dran ware / mit denen Türcken und Tartaren zu tractiren ...".
 
„Dran sein“
Bedeutung:

1. an der Reihe sein.
2. zur Rechenschaft / Verantwortung gezogen werden, bestraft werden.
3. sterben müssen.

Herkunft: Das Adverb "daran" (= an einer Sache) bezieht sich auf einen Gegenstand, der sich an einem Ort befindet bzw. sich ihm nähert oder eine Angelegenheit, die einer Sache anhaftet, mit ihr als Gegenstand der Beschäftigung oder in sonstiger Weise verknüpft ist.

Die umgangssprachliche Form "dran" kann weitere, übertragene Bedeutungen annehmen. Die Bedeutungen 2 und 3 stellen dabei konkrete, negative Ausgestaltungen von Bedeutung 1 dar (analog zu "fällig" sein)
 
„An etwas ist nichts dran“
Bedeutung:

1. (Sachverhalt) etwas trifft nicht zu; etwas ist unwahr.
2. (Gegenstand) etwas ist in Ordnung, etwas ist noch voll funktionsfähig / nicht kaputt.
3. (Mensch, Tier) jemand ist dünn. Ein Tier hat nur wenig Fleisch.

Herkunft: Das Adverb "daran" (umgangssprachlich "dran") drückt eine direkte Verbindung bzw. Berührung, ein Anhaften aus - auch im übertragenen Sinn. Im hier behandelten Ausdruck ist also gemeint: der Sache haftet nichts Wahres an (ist unwahr) bzw. haftet kein Makel an (ist funktionsfähig).
 
„Mit allem Pipapo“
Bedeutung:
Mit allem, was dazugehört, mit allen Extras.

Herkunft: Die gängige Deutung besagt, es handele sich um eine umgangssprachlich-scherzhafte Weiterbildung aus der Abkürzung "pp.", die sich in der Redewendung „et cetera pp.“ wiederfindet. Die beiden "p" stehen für "perge, perge" (lateinisch für "fahre fort"). Für diese Deutung gibt es aber keine Belege. Küpper bringt eine mögliche Einwirkung von "piepe" (= umgangssprachlich für "egal") ins Spiel. "Pipapo" ist seit dem 19. Jahrhundert nachgewiesen, die Formel "mit allem Pipapo" findet sich allerdings erstmals im Jahr 1930.
 
„Etwas mit Stumpf und Stiel ausrotten / vernichten / ausmerzen / ausreißen“
Bedeutung:
Etwas vollständig / radikal ausrotten; etwas restlos ausreißen.

Herkunft: Die Rodung eines Waldes umfasste das Beseitigen der Wurzelstümpfe und der Baumstämme, wenn eine landwirtschaftliche Nutzung des Geländes geplant war. Waldwirtschaftlich gesehen gab es auch die Möglichkeit, nur die Stämme zu entfernen und neue Laubbäume aus den stehen bleibenden Baumstümpfen wachsen zu lassen. Die Neuanpflanzung kleiner Bäume oder von Stecklingen ist erst eine Erfindung des 18. und 19. Jahrhunderts.

Die Redensart, die eine gründliche, oft auch rigorose und rücksichtslose Vorgehensweise beschreibt, ist schon sehr alt. Schriftliche Belege finden sich bereits im 16. Jahrhundert: "... das sie alle / welche sich zu der reinen lehre des Euangelions bekenneten / mit stumpff vnnd stiel auff den grund solten außrotten".
 
„Die Sache steht und fällt mit ...“
Bedeutung:
Der Erfolg einer Sache ist vollständig abhängig von …

Herkunft: Stehen und Fallen sind die beiden gegensätzlichen Körperhaltungen des siegreichen bzw. sterbenden (gefallenen) Kriegers im Kampf. Im "Don Carlos" schreibt in diesem Sinne Friedrich Schiller: "Granvella war zu Boden gestürzt, aber noch stand sein Anhang." Sprichwörtlich ist das Pauluswort geworden: "Wer stehet, sehe zu, dass er nicht falle!"
 
„Jemanden mit Schimpf und Schande davonjagen / fortjagen / wegjagen“
Bedeutung:
Jemanden unsanft vertreiben.

Herkunft: Eine „Paarformel“. Das Wort "Schimpf" hat eine interessante Bedeutungsentwicklung durchgemacht, wobei für jede Phase eine Formel typisch ist, welche auf die jeweilige Bedeutung verweist. Ursprünglich bezeichnete "Schimpf" den Spaß und Scherz bei Spiel und Kampfspiel; davon zeugt "Schimpf und Scherz". Durch das Aufkommen des Wortes Spaß übernahm "Schimpf" allmählich die Bedeutung "bitterer Scherz", "Hohn"; dies zeigt sich in "Schimpf und Spott". Nachdem der Begriff der Kränkung denjenigen des Scherzes völlig verdrängt hatte, entwickelte sich daraus die heute allgemein übliche Bedeutung "Ehrverletzung", "Schmach" (daher: beschimpfen). Für diese Phase der Bedeutungsentwicklung steht "Schimpf und Schande", wobei die Schande als Folge oder Wirkung des Schimpfs angesehen wird.
 
„Jemanden beiseite schaffen“
Bedeutung:
Jemanden umbringen, jemanden aus dem Weg räumen.

Herkunft: Es handelt es sich um einen verhüllenden Euphemismus (Beschönigung), wenn mit "beiseite" (weg, zur Seite) "tot" im Sinn der Beseitigung eines Hindernisses gemeint ist.
 
„Sich etwas / jemanden vom Hals / Halse schaffen“
Bedeutung:
Etwas / jemanden loswerden. Ssich von etwas befreien, sich einer Sache entledigen.

Herkunft: Viele Redensarten verwenden den Hals sinnbildlich als Objekt der Last und Bürde. Gängige Deutungen zur Herkunft beziehen sich auf das Joch - ein Querholz, das Zugtiere über dem Nacken tragen. Sicherlich spielt auch die Vorstellung der Hundemeute eine Rolle, die bei der Jagd das Beutetier am Hals packt.

Das entsprechende Bild ist jedenfalls schon sehr alt. Bereits in der Lutherbibel finden wir entsprechende Passagen, z. B. in den Klageliedern:
"Meine schweren Sünden sind durch seine Strafe erwacht und in Haufen mir auf den Hals gekommen, daß mir alle meine Kraft vergeht. Der Herr hat mich also zugerichtet, daß ich nicht aufkommen kann".
Hier finden wir auch die Verknüpfung mit dem Joch an mehreren Stellen.

Die entsprechende Metapher, die die Befreiung von einer Last zum Thema hat, ist ebenfalls bei Luther schriftlich belegt - hier ein Beispiel für die Variante "vom Hals bringen":
"Das ist der rechte mülstein / den man nimmer kan vom hals bringen".

Für die Redensart "vom Hals schaffen" finden wir viele literarische Belege, so in Schillers "Kabale und Liebe" oder Mozarts "Entführung aus dem Serail": "Wen man durch Wohltun nicht für sich gewinnen kann, den muss man sich vom Halse schaffen".
 
„Sich die Kehle aus dem Hals schreien“
Bedeutung:
Anhaltend so laut schreien, wie man kann.

Herkunft: In der Redensart gilt die Kehle als Sitz der Stimme, die man durch anhaltendes Schreien auch (vorübergehend) "verlieren" kann.
 
„Die Kuh vom Eis holen / ziehen / schieben / kriegen / führen / bringen“
Bedeutung:
Sich aus einer unangenehmen Situation befreien, eine schwierige Lage entschärfen. Eine Lösung finden.

Herkunft: Jeder kann sich vorstellen, wie schwierig es sein mag, eine Kuh, die sich aufs Eis verirrt hat, wieder sicher auf festen Boden zu bringen. Schließlich kann eine Kuh bis zu 800 kg schwer werden und die Gefahr, dass das Tier einbricht und ertrinkt, ist groß. Die Redensart ist ca. 1965 entstanden.
 
„Sich vom Saulus zum Paulus wandeln“
Bedeutung:
Sich völlig verändern. Sich vom Gegner zum Befürworter einer Sache werden. Bekehrt werden. Sich vom Schlechten abkehren und zum guten Menschen werden.

Herkunft: Die Redewendung geht zurück auf den Christenverfolger Saulus, der sich bekehren ließ und zum Apostel Paulus wurde. Berichtet wird darüber in der Apostelgeschichte in der Bibel. Dort trägt die Hauptfigur sowohl den Namen Saulus als auch Paulus. So hatte er schon immer neben Saulus, seinem jüdischen Namen, auch den (römischen) Namen Paulus geführt. Die beiden Namen lassen sich daher nicht - wie die Redewendung nahelegt - mit seinem Berufungserlebnis vor Damaskus in Verbindung bringen. Wahrscheinlich hatte er beide Namen von Kindheit an. Woher diese Redewendung stammt, ist unbekannt.
 
„Sich etwas / jeden Bissen vom Mund / Munde absparen“
Bedeutung:
Sich äußerst einschränken, um zu sparen.

Herkunft: Die erweiterte Bedeutung von "sparen, indem man weniger / schlechter isst"

Gerade zur jetzigen Zeit nachvollziehbar! Nach Corona, dem Ukraine-Krieg und den explodierenden Preisen müssen die meisten Bürger „Sich jeden Bissen vom Mund absparen“!
 
Warum heißt es eigentlich „Fensterladen“??
Bedeutung:

Das englische Wort für Fenster, „window“, leitet sich vom keltischen und germanischen „Windauge“ ab. Das deutsche „Fenster“ stammt vom lateinischen „fenestra“ und bedeutet so viel wie Wandöffnung (hat also eigentlich nichts mit Glas zu tun).

"Der Fensterladen":
Ein Fensterladen ist eine bewegliche Vorrichtung zum Verschließen einer Fensteröffnung, die meist als drehbare Klappe am Gebäude oft außen und seltener innen neben dem Fenster angebracht wird. Der Fensterladen soll die Fensterscheibe vor Unwetter (Sturm, Hagel ...) schützen.

Früher im Mittelalter hatten einfache Leute einfach keine Glasfenster. Obwohl das Glas bereits im römischen Reich bekannt war ging diese Fähigkeit mit dem Ende des römischen Reichs verloren. Erst im Mittelalter erfand man das Glas als Gefäß und als „Fenster“ wieder neu. (Venedig)

Oft hatten im frühen Mittelalter die Hütten oder Häuser im frühen Mittelalter nicht einmal Öffnungen, um das Licht hereinkommen zu lassen. Lediglich ein Abzug für den Rauch und die Tür waren vorhanden.

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Wenn überhaupt jemand ein kleines „Windauge“ in der Wand hatte, um das Wetter aus dem Haus herauszuhalten – und das Licht herein zu lassen wurde meist das „Windauge“ einfach mit Stroh, Holzplanken oder anderen zur Verfügung stehenden Mitteln verstopft, damit das Wetter, die Kälte und wilde Tiere nicht in das Haus konnten. Damit nicht der erste Windstoß oder der Sturm nicht das Stroh einfach aus dem Fenster herausreißen konnte wurden bald das Stroh oder die Zweige mit einer Klappe – dem heutigen Fensterladen gesichert.

Sehr bald wurde aus dem Schutz der Stroh-Verschlüsse ein verbessernder Ersatz für das Stroh. Ein hölzerner "Fensterladen" - eine Platte oder eine aus Holzplanken zusammengeschusterte Abdeckung ersetzte die primitiven Stroh-Verschlüsse. Zunächst als einfacher passender abnehmbarer Verschluß - später fest montiert und klappbar (wie eine Tür).

Auch, als später das Glas zur Normalität wurde verwendete man Fenterläden, die verhindern sollten, daß das Wetter, Stürme, Regen, Hagel das empfindliche und teure Glas zerschmettern konnten.

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In vereinzelten Regionen Deutschlands wird er Klappladen (Bayern und Baden-Württemberg), Schlagladen (in Nord- und Westdeutschland) oder Drehladen (neue Bundesländer), in Österreich Fensterbalken genannt.

Die Herkunft des Namens „Fensterladen“:
Eigentlich dürfte es ja nicht Fensterladen, Klappladen, Schlagladen, Drehladen heißen. Die Häuser sind doch keine Läden, keine Geschäfte! Selbst die meisten Geschäfte besitzen keine "Fensterläden"! Die hier verwendeten Schaufenster sollen schließlich auch Nachts Werbung für das Geschäft und die Waren machen.
(Nur bei Unwetter und bei Unruhen werden die Schaufenster stärker geschützt, indem man Holzplatten provisorisch vor das Schaufenster anbringt.)
So müßte es doch eigentlich „Fensterklappen“ oder „Fensterschutz“ … lauten.

Aber der Name kommt aus einer Zeit, als die Geschäfte im Mittelalter kein Publikumsverkehr hatten. Der Kunde hatte nichts im Haus zu suchen. Die Ware wurde direkt aus dem Haus auf die Straße verkauft. Das Geschäft war eben ein „Fenster-Laden“. Zum Verkauf klappte man die „Fensterläden“ auf – und hatte so auch gleich mit dem unteren Fensterladen eine Ablagefläche für die Ware und das Geld.

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Verkauf aus dem Fenster:
Siehe auch „Eisdiehle“:
(Das Blaue „Wissen, das man im Leben bestimmt nie braucht.“ anklicken – und der Link führt zum richtigen Beitrag)
 
„Jemandem das Wort im Munde / Mund herumdrehen / umdrehen / verdrehen“
Bedeutung:
Etwas absichtlich missverstehen. Jemandes Aussage so verändern, daß sie zum eigenen Vorteil gereicht. Jemandes Meinung verfälscht wiedergeben. Jemandes Aussage ins Gegenteil verkehren.

Herkunft: Die Redewendung wird wörtlich seit dem 16. Jahrhundert verwendet.
 
„Sich um jeden Dreck kümmern“
Bedeutung:
Sich um alles kümmern. Sich um jede Kleinigkeit sorgen

Herkunft: Der "Dreck" steht hier abwertend für etwas Unbedeutendes und Nichtswürdiges, das gleichzeitig aber reichlich vorhanden ist. Gelegentlich meint die Redensart auch, dass man sich um Dinge kümmert, die einen nichts angehen.

Den ersten Beleg finden wir 1842 in einem Schmähgedicht über "den Diplomaten": "O seh't ihn dort auf seinem Fleck! / Er kümmert sich um jeden Dreck".
 
„Jemandem läuft das Wasser im Mund / Munde zusammen“
Bedeutung:
Jemand bekommt großen Appetit.

Herkunft: Diese Redewendung bezieht sich darauf, dass der Speichelfluss angeregt wird, wenn man sich auf die bevorstehende Mahlzeit freut.

Eine Variante, die heute - wenn überhaupt - allenfalls scherzhaft verwendet wird, ist der semantische Bezug auf das Sexuelle, den wir 1777 bei Wieland finden: "Wer sie sah, dem wässerte der Mund".
 
„Jemandem nach dem Mund / Munde / Maul reden“
Bedeutung:
Etwas sagen, was der andere gerne hört. Allzu bereitwillige, opportunistische Anpassung an die Meinung eines anderen zeigen. Jemandem immer zustimmen.

Herkunft: Die Redensart ist sehr alt und findet sich in der Variante bereits mit "Maul" in einem Buch von Joachim Magdeburgius aus dem Jahr 1567.