Wissen, das man im Leben bestimmt nie braucht.

„Jemandem rutscht / fällt / sinkt das Herz in die Hose“
Bedeutung:
Jemand bekommt plötzlich große Angst / einen großen Schreck. Jemand ist aufgeregt, jemand spürt Nervenkitzel.

Herkunft: Das Herz ist in dieser Redensart das Sinnbild des Mutes. Sein Abrutschen in die Hose hängt mit der volkstümlichen Vorstellung von Feigheit und von Durchfall beschmutzten Hosenbeinen zusammen.
 
„Jemandem ans Herz gewachsen sein“
Bedeutung:
Jemandem sehr lieb geworden sein.

Herkunft: Die Vorstellung des Herzens als Sitz der Gefühle hat zu unzähligen Redewendungen geführt. Diese lebt von dem Gedanken, dass die lieb gewonnene Person oder Sache sozusagen Bestandteil des eigenen Herzens geworden ist (ohne sexuelle Komponente). Sie ist mindestens seit dem 17. Jahrhundert schriftlich belegt und öfter im Perfekt ("ans Herz gewachsen") als im Präsens ("ans Herz wachsen") zu finden, die jedoch auch allgemein geläufig ist.
 
„Jemandem etwas ans Herz legen“
Bedeutung:
Jemandem etwas empfehlen / nahelegen / anraten. Jemandem etwas zur Beherzigung sagen. Jemanden bitten, sich um eine Sache zu kümmern. Jemandem etwas anvertrauen. Jemandem etwas seiner Fürsorge übergeben.

Herkunft: Sehr schön und prägnant erklärt die Redensart das Wörterbuch der Brüder Grimm: "einem etwas ans Herz legen, machen, das einem etwas am Herzen liegt".

Sie läßt sich seit dem 17. Jahrhundert belegen. So heißt es in einem religiösen Buch aus dem Jahr 1698: "Er spricht ihm tröstlich und freudig zu, und durch solches innerliche Einsprechen eignet er ihnen die Gnaden-Verheissungen Gottes zu, legt ihm die Macht-Sprüche der Schrifft ans Herz". .

Ähnlich in Sinnbild und Bedeutung ist die Redewendung "jemandem etwas auf die Seele binden", die heute allerdings kaum noch verwendet wird.
 
„Etwas greift jemandem ans Herz“
Bedeutung:
Etwas löst tiefe innere Empfindungen aus. Etwas erschüttert / rührt jemanden. Etwas macht jemanden traurig.

Herkunft: Der Griff ans Herz - nach alter Vorstellung Sitz der Emotionen und des Gemüts - wird hier als Angriff ausgelegt und löst Empfindungen aus, die sich um Rührung, Ergriffenheit, Pathos, Erschütterung und innere Anteilnahme ranken.

Wir finden diese Redewendung schon 1626 bei Simon Gedik in einem Text über die Opferung Isaaks: "Denn da kömpt Gott der Herr / vnd greifft beyden Eheleuten erst recht ans Hertz / in dem er dem Abraham befehl thut / Er sol seinen Sohn Jsaac nehmen / vnd jhn hinführen an einen Ort / den er jhm selber zeigen wolle / da sol er jhn schlachten vnd auffopffern".
 
„Kühl bis ans Herz (hinan)“
Bedeutung:
Gefühllos, emotionslos, kaltblütig, abweisend, distanziert sein.

Herkunft: Diese Redewendung stammt aus Goethes Ballade "Der Fischer", die mit den Versen beginnt: "Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll, Ein Fischer saß daran, Sah nach dem Angel ruhevoll, Kühl bis ans Herz hinan." Das Adverb "hinan" (hinauf) ist heute veraltet und wird heute höchstens noch in gehoben-pathetischer Stilebene oder ironisch verwendet.
 
„Jemandem schlägt / klopft das Herz bis zum Hals“
„Jemandes Herz schlägt / klopft bis zum Hals“
Bedeutung:
Jemand ist sehr aufgeregt / angespannt / freudig erregt / nervös.

Herkunft: Bei starker Aufregung steigt der Blutdruck und der Puls, und man spürt den Herzschlag in den Halsschlagadern.

Trotz dieses einfachen Sachverhalts ist die Redensart erst spät entstanden. Den ersten literarischen Beleg finden wir 1888 bei Theodor Fontane: "Und wenn ich nun gar mein altes Dragonerblau wiedersehe, da schlägt mir das Herz bis in den Hals hinein".

Geläufig wurde die Redewendung wohl erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

 
Jetzt gerade –passend zum Sommer:
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Der Name „Eisdiehle“:
Woher kommt das Wort Eisdiehle?
Als "Diele" wurde früher im norddeutschen Raum nämlich auch der größte Raum im Bauern- oder Bürgerhaus bezeichnet. Der wurde häufig als Wohnzimmer, Werkstatt und auch Verkaufsraum genutzt. Daher könnte die Eisdiehle also ihren Namen haben, schließlich handelt es sich dabei auch um einen Raum, in dem etwas verkauft wird.

Im er niederdeutschen Sprache steht das Wort „Diehle“ für den Raum hinter dem Eingang, also der Hausflur. In einer zweiten Bedeutung stammt der Begriff „Eisdiehle“ aus Wien. Dort soll es Händlern ohne ein Geschäft – also auf der Straße - verboten gewesen sein, Eis zu verkaufen. Die kreative Lösung: Sie verkauften das Eis direkt aus dem Fenster ihrer Diele. Und so war die Eisdiele geboren. Das klingt gut, aber dagegen spricht, dass es in Wien wie im Rest Österreichs gar nicht Eisdiele, sondern Eissalon heißt. (Das man das Eis also in dem „Salon“ [einem großen "Saal"] verkaufte.)

Die dritte Theorie: Diehle heißt im niederdeutschen neben dem Raum hinter dem Eingang auch „Brett, das man auf den Boden legt“. In der Nachkriegszeit verkaufte man aus Wohnungsfenstern heraus das Eis. Damit kleine Kinder auch die angebotenen Sorten begutachten konnten, legte man vor das Fenster Bretter, also Dielen, auf die die Kinder stiegen und so in die Fenster schauen konnten.
 
„Vom Scheitel bis zur Sohle / bis zu den Sohlen“
Bedeutung:
Vollständig, durch und durch. Mit Leib und Seele. Den gesamten Körper betreffend.

Herkunft: Das von "scheiden" (trennen) abgeleitete Wort "Scheitel" bezeichnet den oberen, Sohle den unteren Begrenzungspunkt des menschlichen Körpers. Schon seit Jahrhunderten werden diese beiden Extrempunkte dazu verwendet, den ganzen Menschen - auch im Sinne seiner geistig / moralischen Eigenschaften - zu symbolisieren.

Dichterisch gewendet schreibt Goethe im Hymnus "Grenzen der Menschheit" über den Menschen:
"Hebt er sich aufwärts
und berührt
mit dem Scheitel die Sterne
nirgends haften dann
die unsicheren Sohlen."


Die Wendung wird auch mehrmals in der Bibel erwähnt. In 2. Samuel 14,25 z. B. heißt es: "Es war aber in ganz Israel kein Mann so schön wie Absalom und er hatte dieses Lob vor allen; von der Fußsohle bis zum Scheitel war nicht ein Fehl an ihm"

 
„Sich die Klinke / Türklinke in die Hand geben / drücken“
Bedeutung:
Kurz hintereinander erscheinen. In großer Zahl erscheinen. Viele Leute, die einen Ort aufsuchen.

Herkunft: Die Redewendung ist leicht nachzuvollziehen: Wenn bei einem unablässigen Besucherstrom kurz hintereinander Leute durch eine Tür gehen, dann geben sie sich wörtlich gegenseitig die Klinke in die Hand.

Die Redensart ist seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts schriftlich belegt, so etwa 1872 bei Moritz Jókai: "Die wandernden Musikanten zählen sein Haus unter die glücklichen Asyle, welche auch die Musikbanden der benachbarten Städte aufzusuchen pflegen und eine Bande gibt der andern die Thürklinke in die Hand"

 
„Die Früchte seiner Arbeit ernten“
Bedeutung:
Den Lohn für die Arbeit erhalten.

Herkunft: Die Frucht-Metapher wird in vielen Sprachen als Sinnbild für gute (süße Früchte) oder schlechte (bittere Früchte) Folgen des menschlichen Tuns gebraucht.
 
„Die Lorbeeren ernten“
Bedeutung:
Gelobt werden. Erfolg haben. „Die Früchte der Arbeit ernten“.

Herkunft: Mit Kränzen aus Zweigen des dem Apoll geweihten Lorbeerstrauchs wurden in der Antike Wettkampfsieger, siegreiche Feldherren und berühmte Dichter (poeta laureatus) bekrönt. Als Ruhm- und Siegessymbol ist der Lorbeer auch heute noch bekannt.
 
„Sich auf seinen Lorbeeren ausruhen“
Bedeutung:
Nach einer Leistung träge werden.

Herkunft: Das Pathos des Lorbeerkranzes ist schon in der deutschen Klassik belächelt worden.

In einem Brief von Carl Friedrich Reinhard an Johann Wolfgang von Göthe vom 05. März 1813 wird diese Redewendung bereits erwähnt.
 
„Vorschusslorbeeren ernten“
Bedeutung:
Bereits vor einem Erfolg gelobt werden.

Herkunft: Der Begriff Vorschußlorbeeren kommt aus der Wortschöpfungen "jemandem Geld vorschießen" (jemandem Lohn geben, bevor er erarbeitet ist) und "Lorbeeren ernten". Als "Erfinder" gilt Heinrich Heine. In dem Gedicht "Planetiden" aus der Gedichtsammlung "Der Romancero" (1851) rühmt er das Verhalten der großen Dichter (Lessing, Goethe, Schiller usw.) mit den Worten: "Wollten keine Ovationen / Von dem Publico auf Pump, / Keine Vorschuß-Lorbeerkronen, / Rühmten sich nicht keck und plump.
 
„Wer ernten will, muss säen“
Bedeutung:
Wer etwas erreichen will, muss etwas dafür tun. Wer etwas bekommen will, muss die Voraussetzungen dafür schaffen.

Herkunft: Ein Spruch aus dem Leben gegriffen: „ohne Moos nichts los“. Wer etwas haben will, wer Komfort haben will – der bekommt seinen Lohn nur dann, wenn er vorher gearbeitet hat, etwas getan hat.
 
„Schießen Sie los!“ / „Schieß los!“
Bedeutung:
Los, reden Sie! Rede! Fang an zu erzählen! Fangen Sie an zu erzählen!

Herkunft: Mit „Losschießen" wird ausgedrückt: Fang schnell an zu erzählen. Als Gesprächsfloskel ist "Schieß los!" eigentlich nicht aggressiv gemeint, sondern drückt nur die Spannung des Zuhörers aus.

Die Wortschöpfung ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts geläufig.
 
„Moos“
Bedeutung:
neben der Pflanze steht "Moos" auch für Geld.

Herkunft: Moos für Geld geht auf das hebräische Wort für Münze (ma'oth) zurück. Ursprünglich wurde es nur in der Gaunersprache (Rotwelsch) verwendet und später in die Studentensprache übernommen.
(Ohne "Moos" nix los)
 
„Wer A sagt, muss auch B sagen“
Bedeutung:
Begonnenes muß man fortsetzen. Wer eine Sache anfängt muß sie auch vollenden. Man muß mit den Konsequenzen leben, die aus den eigenen Handlungen entstehen.

Herkunft: Sprichwort; Das Sprichwort mit dem leicht verständlichen Sinnbild ist schon in der Sammlung von Lehmann (1630) zu finden.
Christophorus Lehmann: Florilegium politicum - Politischer Blumengarten, 1630, S. 19

Von diesem Spruch gibt es noch die Verballhornung „Wer a sagt muß auch bezahlen“.
 
„Wer austeilt / austeilen kann, muss auch einstecken können“
Bedeutung:
Wer gerne andere kritisiert muß auch Kritik ertragen können. Wer andere zurechtweist muß auch Zurechtweisung hinnehmen können. Wer sich über andere lustig macht muß auch selber damit rechnen, „veräppelt“ zu werden.

Herkunft: Dieser Spruch hat eine doppelte Bedeutung: die Wörter "austeilen" und "einstecken" spielt: (etwas) austeilen = 1. etwas verteilen / ausgeben, 2. andere kritisieren / zurechtweisen; (etwas) einstecken = 1. etwas in die Tasche stecken, 2. Kritik / Zurechtweisung / Schläge ertragen müssen.
 
„(Gerne / nur) Austeilen, aber nicht einstecken können“
Bedeutung:
Andere kritisieren, selbst aber keine Kritik ertragen können. Andere zurechtweisen, selbst aber keine Zurechtweisung ertragen können.

Herkunft: „Austeilen“ bedeutet zunächst "unter mehreren verteilen; ausgeben": Der Lehrer teilt die Hefte aus. Früher wurde das Verb weiter gefaßt und auch in Fällen verwendet, für die man heute eher "ausbreiten; sich verteilen" und "aufteilen" benutzen würde, so z. B. 1624 bei Martin Opitz: "... als bey den Thurnieren auch das Adeliche Frawenzimmer den Danck oder Preiß vnder den obsiegern außgetheilet".

Die Verwendung im übertragenen Sinn finden wir, wenn das Objekt keinen Gegenstand mehr darstellt. Im Jahr 1610 z. B. bezieht es Johann Arndt auf die Liebe: "Die vrsache warumb die Liebe (s)ich mit dem geliebten vereinigt ist diese / denn der Liebe Natur vnd Wesen ist / daß sie sich selbst mittheilet / außtheilet vnnd schenckt". Und natürlich konnte man auch Prügel, Schläge usw. austeilen: "... gebrauchte sich des Schildes / und verseumete nicht / wann er gute und wirkende Schläge austeilen kunte".

Im 19. Jahrhundert finden wir „einstecken“ und „austeilen“ im Sinne der hier behandelten Redewendung, jedoch noch mit den jeweiligen Objekten: (Das Geschöpf, das) "wol Beleidigungen austheilen, aber nicht Strafeeinstecken mag ...". Seit dem 20. Jahrhundert kann man das Objekt auch weglassen, wobei dieses dann als "Kritik, Vorwürfe, Zurechtweisung" o. ä. zu denken ist: Wenn man sagt "er kann ganz schön austeilen", dann heißt das in der Regel "er spart nicht mit Kritik, Vorwürfen, Zurechtweisungen".