Was mich viel mehr ärgert, ist, dass die Grünen anscheinend nicht bedenken, dass man eben gerade in jungen Jahren Geld braucht, denn das ist die Zeit, wo man von zu Hause auszieht, unabhängig werden möchte und sich seine Lebensgrundlage aufbaut. Man zieht in seine erste (Miet-)Wohnung oder sein erstes Eigenheim, macht seinen Führerschein, kauft sich ein KFZ, gründet eine Familie, will Kapital fürs Alter ansparen usw.
Das alles macht man mit Anfang 20, wenns hoch kommt vllt mit Ende 20 und fängt damit nicht mit 40 oder 50 oder kurz vor der Rente an... und braucht dafür Geld.

Das wird im Endeffekt aber eine Milchmädchenrechnung.

Üblicherweise läuft es doch so, dass man sein Azubigehalt bekommt, und nach dem Abschluss ein entsprechendes Facharbeitergehalt.
Dieses Facharbeitergehalt unterliegt, sofern vorhanden, tariflichen Regelungen.
Das sieht dann wie folgt aus:
Bei uns gibt es Tarifgruppen von 1 bis 13, jede nochmal in a, b und c unterteilt.
Sagen wir mal, der Ex-Azubi steigt bei 5a ein, dann wird er nach einem Jahr auf 5b hochgestuft.
Der Aufstieg in 5c sowie ein Wechsel in die 6a sowie das Thema Leistungszulage sind mit dem Vorgesetzten auszuhandeln. (Es sei denn man steigt auf ne andere Stelle bzw. höhere Position um.)
Was würde jetzt wohl passieren, wenn man als Azubi den Mindestlohn bekommt?
Die Firmen werden interne (natürlich nirgends dokumentierte) Richtlinien erlassen, nach denen ein übernommener Azubi erst nach X Jahren in eine höhere Tarifklasse wechseln kann, bzw. man bei ehemaligen Azubis sparsamer mit der Leistungszulage umgeht.

Das dürfte über die Zeit dann unterm Strich sich sogar negativ auf die Gehaltshöhe auswirken.

gruss kelle!
 
[...] Wenn jemand weniger braucht, dann ältere Menschen die kurz vor der Rente stehen und sich ihre Lebensgrundlage (in den meisten Fällen) bereits aufgebaut haben und allerhöchstens nur noch kleinere Summen für den Lebensabend zum bereits vorhandenen Kapitalstock dazu geben...
So würde ich aber nicht rechnen. Eine Rente muss immer so hoch sein, dass ein Mensch davon leben kann. Und zwar gut leben kann und nicht im Obdachlosenheim oder in einer "Alten-WG".

Der angesparte Kapitalstock (sofern vorhanden) ist sicher eine schöne Sache und gibt Sicherheit (sofern es nicht zu viel ist und die Verwandtschaft Arsen ins Essen mischt). Aber ich selbst kenne einfach zu viele Leute, die zahlen Ewigkeiten an irgendwas ab oder leben gar von der Hand in den Mund (besonders Handwerker). Die kommen gar nicht dazu, einen nennenswerten "Kapitalstamm" aufzubauen, gehen aber seit dem 17. Lebensjahr arbeiten.

Und auch wer ein Haus bis zur Rente abzahlt will es ganz sicher nicht dann verkaufen (müssen), weil man sonst keinen Groschen auf der Kante hat oder die Rücklagen für notwendige Reparaturarbeiten in der Zukunft aufbrauchen.

Oder wer einmal richtig Pech mit Geldanlagen hatte (so wie ich :D), der fängt halt mit 40 fast nochmal von vorne an, weil die Alternative (ein schöner Strick an einer alten Eiche) nicht so prall ist. Nix mit riesigiem Kapitalstamm wenn ich alt bin - sofern die Verbrecher, die mit meinem Geld die Nutten und Hotels bezahlt haben, mir nicht doch noch meine Einlage (gern auch ohne Zinsen) zurück überweisen. Aber irgendwann werde ich einfach auch gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können, scheißegal ob ich es will oder nicht.

Oder schau Dich mal in Europa um. Wie weit entfernt ist denn tatsächlich das Szenario, dass 10% oder mehr von jedem Euro über X tausend staatlich beschlagnahmt wird? Oder dass es ein Goldverbot gibt? Man glaubt das alles nicht, weil wir die Nachkriegsgeneration sind, die bereits in Überfluss und Luxus geboren wurde. Aber ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt uns immer wieder, dass NICHTS auf dieser Welt wirklich sicher ist.

Was ich sagen will: Im Leben kann so viel Scheiße passieren, die man selbst verschuldet oder auch nicht, aber die man dennoch ausbaden muss. Aber völlig egal was passiert - an die Rente zu gehen ist das unmoralischste, das ich mir denken kann. Denn die Leute haben keine Wahl mehr, sie sind von der Gesellschaft abhängig. Sie können nicht mehr umschulen, studieren, Firmen gründen, sonstwas machen. Sie bekommen häufig nicht mal mehr Kredite. Auswandern auch nur, wenn es gesundheitlich noch halbwegs geht und dann sind die anderen Länder auch nur heiß auf reiche Rentner.

Insofern ist eine Mindestrente genauso wichtig wie der Mindestlohn. Mal schauen, wann das auch in der Politik ankommt...
 
Zuletzt bearbeitet:
So würde ich aber nicht rechnen. Eine Rente muss immer so hoch sein, dass ein Mensch davon leben kann. Und zwar gut leben kann und nicht im Obdachlosenheim oder in einer "Alten-WG".

[...]

Insofern ist eine Mindestrente genauso wichtig wie der Mindestlohn. Mal schauen, wann das auch in der Politik ankommt...

Ich möchte noch mal klar formulieren, mir ging es nicht darum, dass man als alter Menschen/Rentner weniger braucht, auch wenn man weniger bekommt, denn kaum eine Rente ist so hoch wie der letzte bezogene Lohn. Und mir ging es auch nicht um Mindestrente und um Mindestlohn nur im Kontext der News.
Mir ging es um die Aussage der Grünen, dass junge Menschen weniger bekommen sollten.
Und da habe ich mich einfach gefragt, Warum? Denn gerade in der Altersstufe um die es hier ging, bauen sich die jungen Menschen ihr Leben auf, gründen Familien, kaufen Immobilien, Fortbewegungsmittel, müssen ihre erste Wohnung einrichten usw.
Der Start ins Leben erfordert höhere Ausgaben, als alles danach kommende, denn dann hat man bereits einen Grundstock. Es ist für mich also absurd, zu fordern jüngere Arbeitnehmer sollten weniger bekommen, denn diese brauchen, eben weil sie meist noch nichts haben, doch eher mehr Geld als der "Alte", der bereits sein Haus abbezahlt hat, sein Auto in der Garage stehen hat usw.

Arbeitnehmer sollten ganz generell einen Mindestlohn bekommen und ansonsten anhand von Leistung und Qualifizierung bezahlt werden, nicht aufgrund des Alters.
 
Ich möchte noch mal klar formulieren, mir ging es nicht darum, dass man als alter Menschen/Rentner weniger braucht, auch wenn man weniger bekommt, denn kaum eine Rente ist so hoch wie der letzte bezogene Lohn. Und mir ging es auch nicht um Mindestrente und um Mindestlohn nur im Kontext der News.
Ok, verstehe.

Mir ging es um die Aussage der Grünen, dass junge Menschen weniger bekommen sollten.
Die Frage ist hierbei, ob das nun automatisch gesetzlich geregelt werden sollte. Dass man in jungen Jahren weniger bekommt, halte ich persönlich für "pädagogisch wertvoll".

Wenn man mal auf die Generation der Leute schaut, die den Krieg und vor allem die direkte Nachkriegszeit erlebt haben, dann sieht man schon, dass die oft viel besser mit Ressourcen auskommen als wir. Sie sind im Allgemeinen sparsamer und unterliegen nicht diesem Konsumzwang (und Markenzwang) wie die meisten ab 1960 geborenen. Und da nehme ich mich selbst gar nicht aus.

Ich muss auch sagen, dass ich nach der Schule nur mürrisch eine Ausbildung für damals noch 180 DM im ersten Lehrjahr angefangen habe. Hätte ich ein gutes Jobangebot bekommen, hätte ich lieber gearbeitet und die eine oder andere Perle lieber mit Geld beeindruckt. Heute bin ich allerdings sehr zufrieden, dass ich kein ungelernter Fratz bin. Aber das ist für mich eine Erziehungssache der Eltern und des Umfeldes. Ich glaube nicht, ob sich die Politik da einmischen muss.

Sie wollen eben verhindern, dass junge Leute heute einen Hilfsjob annehmen statt eine Ausbildung zu machen. Aber da ich dem deutschen Staat (eigentlich gar keinem Staat der Welt) es abkaufe, dass sie sich ernsthaft Sorgen um den Lebenslauf ihrer Leute machen, sondern nur das erhöhte Einkommenssteueraufkommen im Falle einer besser bezahlten Stelle im Auge haben, bin ich ebenfalls total dagegen. Aus meiner Sicht ist und bleibt es die Freiheit des Einzelnen zu entscheiden, was er aus seinem Leben macht.

Es ist für mich also absurd, zu fordern jüngere Arbeitnehmer sollten weniger bekommen, denn diese brauchen, eben weil sie meist noch nichts haben, doch eher mehr Geld als der "Alte", der bereits sein Haus abbezahlt hat, sein Auto in der Garage stehen hat usw.
Wie gesagt: Ich bin zwar Deiner Meinung, aber aus anderen Gründen. Die Argumentation, dass ein junger Mensch automatisch mehr Geld braucht als ein alter Mensch, halte ich für falsch. Und ich kann die Gedanken der Grünen nachvollziehen, halte sie aber für katastrophal.
 
Zeitung: *Essanelle erwartet Gewinnrückgang durch Mindestlohn

Folgende News wurde am 09.02.2014 um 02:58:05 Uhr veröffentlicht:
Zeitung: *Essanelle erwartet Gewinnrückgang durch Mindestlohn
Finanznews

Düsseldorf (dpa) - Die Friseurkette Essanelle erwartet deutliche Gewinneinbußen durch die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns von 8,50 Euro ab 2015. Schon jetzt zeigten sich die Auswirkungen von Lohnerhöhungen, die in den vergangenen Monaten durch branchenweite Lohnuntergrenzen notwendig geworden seien. Das sagte Vorstandschef Achim Mansen der «Welt am Sonntag». «Wir gehen von rund einer Million Euro Gewinn weniger im laufenden Geschäftsjahr aus», sagte Mansen. Arbeitgeberverbands-Präsident Ingo Kramer, forderte von der Bundesregierung eine Korrektur der Mindestlohn-Pläne.
 
Essanelle konnte in den letzten Jahren stetig den Gewinn steigern, wobei die Preise auch angehoben wurden: von 10 Euro pro Dienstleistung auf inzwischen 14 Euro pro Dienstleistung. Allein in den ersten 9 Monaten 2013 ist das Vorsteuerergebnis von 3,0 Mio Euro auf 3,7 Mio gestiegen. Und trotzdem kann es sich diese Kette angeblich nicht leisten, ihren Leuten einen Stundenlohn von 8,50 Euro zu bezahlen?

Was ist wohl wichtiger: Dass die Angestellten wenigstens einigermaßen von ihrem Vollzeit-Job leben können oder dass sich Aktionäre und Vorstände die Taschen vollschaufeln?
 
Allein in den ersten 9 Monaten 2013 ist das Vorsteuerergebnis von 3,0 Mio Euro auf 3,7 Mio gestiegen. Und trotzdem kann es sich diese Kette angeblich nicht leisten, ihren Leuten einen Stundenlohn von 8,50 Euro zu bezahlen?
Was ist wohl wichtiger: Dass die Angestellten wenigstens einigermaßen von ihrem Vollzeit-Job leben können oder dass sich Aktionäre und Vorstände die Taschen vollschaufeln?

Natürlich kann man sich den höheren Lohn leisten, steht doch da. Das man sich Unternehmer/Teilhaber/Vorstand eine Million zusätzlich nicht ohne Widerstand abnehmen lässt ist doch aber auch klar.
Wenn man sich als Arbeiter für Hungerlöhne zur Arbeit treiben lässt muss man aber entweder 1. Spaß dran haben oder Sinn drin sehen 2. an die Systemlügen glauben oder 3. dumm sein. Mehrfachantworten möglich...
 
Was ist wohl wichtiger: Dass die Angestellten wenigstens einigermaßen von ihrem Vollzeit-Job leben können oder dass sich Aktionäre und Vorstände die Taschen vollschaufeln?

Beides. Grundsätzlich ist Gewinn doch nicht verwerflich, schließlich tragen die Aktionäre auch das unternehmerische Risiko. Bei welchem Verhältnis von Gewinn zu Umsatz/Fixkosten fängt denn eigentlich Maßlosigkeit an?
Ist der Konsument eigentlich auch bereit seinem Friseur einen anständigen Lohn zu bezahlen, oder wieso rennt er in Salons mit Dumpingpreisen?
 
@ aessitt
Ziel jedes Unternehmens ist es, Gewinn zu erwirtschaften. Verwerflich wird das nur dann, wenn er durch Ausbeutung der Arbeitnehmer erzielt wird, d.h. wenn die Arbeitnehmer von dem Lohn, der ihnen für einen Vollzeit-Job gezahlt wird, nicht ihren Lebensunterhalt bestreiten können, obwohl das Unternehmen selbst grosse Gewinne erzielt. Bei uns hat es sich leider in einigen Branchen etabliert, dass die Unternehmen teilweise grosse Gewinne erzielen, der Staat aber die Arbeitnehmer mit Hartz IV "subventionieren" muß. Das kann so einfach nicht sein.

Ich gehe selbst zu "Essanelle", weil es der einzige Friseur in unserem Ort ist, bei dem ich mit EC-Karte zahlen kann. Ich trage ungern viel Bargeld mit mir herum. Ausserdem gebe ich jedesmal Trinkgeld, wenn ich mit der Friseurin zufrieden war. Ich hoffe, dass sie es behalten darf.
 
obwohl das Unternehmen selbst grosse Gewinne erzielt.
Definiere "große Gewinne". Sind ~4 Mio Gewinn bei ~30 Mio Mieten/Mietnebenkosten für ~700 Filialen tatsächlich viel?
Ich gehe selbst zu "Essanelle", weil es der einzige Friseur in unserem Ort ist, bei dem ich mit EC-Karte zahlen kann. Ich trage ungern viel Bargeld mit mir herum.
Ja, klar. Das Sicherheitsgefühl 10€ weniger in der Tasche zu haben rechtfertigt natürlich ausgebeutete Dienstleister inanspruch zu nehmen ungemein. DAS wird bei einer repräsentativen Umfrage sicher auch der Hauptgrund vieler Friseur-Kunden sein.
 
Wenn man sich als Arbeiter für Hungerlöhne zur Arbeit treiben lässt muss man aber entweder 1. Spaß dran haben oder Sinn drin sehen 2. an die Systemlügen glauben oder 3. dumm sein. Mehrfachantworten möglich...
Wie hoch ist denn der Lohn bei Essanelle? Also in der Branche ist doch bei dem Überangebot - vor allem durch Kleinunternehmerinnen - die Lohnsituation desaströs. Ich schließe es nicht aus, dass bei dieser Kette die Bezahlung zwar unter dem anvisierten Mindestlohn ist, aber immer noch teils deutlich besser als in den vielen kleinen Friseurläden. Und ohne den Leuten jetzt all zu nah zu treten, die Chancen in anderen Branchen, wo die Bezahlung besser ist, Fuss zu fassen, ist für die große Mehrheit unrealistisch.

Aber natürlich ist dieses Argument gegen den Mindestlohn unverschämt. Und fraglich auch, ob es überhaupt stimmt. Mittelfristig dürfte diese Lohnsteigerung zu einer Bereinigung des Marktes führen. Und davon dürften vor allem Ketten.
 
[...] Bei welchem Verhältnis von Gewinn zu Umsatz/Fixkosten fängt denn eigentlich Maßlosigkeit an? [...]
[...] Verwerflich wird das nur dann, wenn er durch Ausbeutung der Arbeitnehmer erzielt wird, d.h. wenn die Arbeitnehmer von dem Lohn, der ihnen für einen Vollzeit-Job gezahlt wird, nicht ihren Lebensunterhalt bestreiten können, obwohl das Unternehmen selbst grosse Gewinne erzielt. [...]
Ich finde den Punkt gerade interessant. Also wenn es keine Gier gäbe, dann gäbe es heute keine Konzerne. Was auch nicht weiter schlimm wäre, dann wäre die Natur wenigstens noch in Ordnung und ich müsste mir kein Werbefernsehen anschauen. Aber ab wann es "verwerflich" wird, ist interessant.

Also ich stehe ja nach wie vor auf dem Standpunkt, dass es gerade in Deutschland furchtbar einfach wäre, einen Mindestlohn ganz ohne Gesetz durchzudrücken. Sogar trotz dieser ekelerregenden EU und den Billiglöhnern aus dem Osten und Süden. Wir haben ein vorzügliches soziales Netz, zumindest noch. Jeder könnte theoretisch sagen, dass er nicht unter X Euro arbeiten gehen will und kann, weil das weniger wäre, als er jetzt hat, wenn er 16 Stunden am Tag die Plauze in die Sonne hält. So wäre jede Firma gezwungen, einen branchenüblichen Mindestlohn zu zahlen, damit sie überhaupt jemanden finden, der die Arbeit macht. Ganz ohne Arbeiter geht es nunmal noch nicht. Und man kann auch nicht alles für einen Appel und ein Ei im Ausland produzieren lassen und dann den Arbeitslosen in Deutschland für einen horrenden Preis verkaufen.

Dass ein Mindestlohn überhaupt nötig ist, hat sich das Volk doch selbst zuzuschreiben. Klingt hart, ist aber so. Denn wenn es nicht diese Kasper gäbe für ein paar Pimperlinge Vollzeit schuften gehen würden, dann würden automatisch gute Löhne und Gehälter gezahlt werden.

Ok, ich habe erst letztens mit einem Hartzi gesprochen. Der hatte keine Ausbildung, war auch sonst nicht die hellste Kerze auf der Torte und seit 15 Jahren arbeitslos. Der sagte zu mir, dass er durchaus bereit wäre, für 3000 Euro arbeiten zu gehen. Netto. Also in Steuerklasse 1 sind das so um 5000+ Euro brutto. Das ist nun wieder das andere Extrem. Gibt es auch. Aber so irre und realitätsfern werden wohl nicht alle sein.

Als Firma versucht man doch auch nur, das beste Preis-Leistungsverhältnis zu bekommen. Wenn sich mir jemand anbietet, der die offene Stelle gut besetzen kann und dafür lächerlich wenig Geld haben will, dann bin ich doch froh. Genauso froh wäre doch auch der Lehrling, der mehr Geld verdient, als sein Meister. Ist das verwerflich?

Wenn etwas verwerflich ist, dann ist es das, was der Staat mit seinen Wählern tut: Sie in Hungerlöhne hinein zwingt. Den Firmen kann man keinen Vorwurf machen, dass sie für sich das beste Preis-Leistungverhältnis auszuhandeln versuchen. Man kann aber den Leuten den Vorwurf machen, dass sie für diesen Lohn arbeiten gehen und dem Staat, dass er seine Bürger misshandelt.
 
Ja, klar. Das Sicherheitsgefühl 10€ weniger in der Tasche zu haben rechtfertigt natürlich ausgebeutete Dienstleister inanspruch zu nehmen ungemein.

Hast Du schon mal an der Friseurkasse gestanden und hattest nicht genug Geld dabei, weil Du annahmst, Du könntest mit EC-Karte bezahlen? Mir ist das das einzige Mal passiert, als ich den anderen Friseur ausprobiert habe. Preismäßig sind beide übrigens etwa identisch.

Was würde wohl passieren, wenn ich nicht mehr zu "Essanelle" ginge? Gar nichts - ausser dass die Friseurin, die mit bedient, auf 2 x 5 Euro Trinkgeld im Jahr verzichten müßte. Würde wohl auch keinen Unterschied machen. Ich hoffe allerdings, dass der Mindeslohn dort umgesetzt wird. Mir wäre es recht, 2 oder 3 Euro pro Dienstleistung mehr zu bezahlen, wenn es an die Friseurinnen weitergegeben würde.
 
Mir wäre es recht, 2 oder 3 Euro pro Dienstleistung mehr zu bezahlen, wenn es an die Friseurinnen weitergegeben würde.

Also von 100 Euro die bei meinen Kunden auf der Rechnung stehen (reine Dienstleistung, keine Materialkosten, angestellt) kommen bei mir 27 Euro netto an, wüßte nicht warum Deine 2-3 Euro komplett ankommen sollten. Außer Du gibst sie als Trinkgeld und daran hindert Dich ja auch jetzt keiner.

Wie hoch ist denn der Lohn bei Essanelle? Also in der Branche ist doch bei dem Überangebot - vor allem durch Kleinunternehmerinnen - die Lohnsituation desaströs. Ich schließe es nicht aus, dass bei dieser Kette die Bezahlung zwar unter dem anvisierten Mindestlohn ist, aber immer noch teils deutlich besser als in den vielen kleinen Friseurläden. Und ohne den Leuten jetzt all zu nah zu treten, die Chancen in anderen Branchen, wo die Bezahlung besser ist, Fuss zu fassen, ist für die große Mehrheit unrealistisch.
Keine Ahnung wie hoch der Lohn da ist, ist auch egal 8,50 Euro/h sollten für jeden drin sein. Ich glaub nicht das die große Mehrheit der Friseure nicht mehr verdienen kann als das ...dafür kenne ich zu viele Menschen die nicht sonderlich helle sind aber mindestens 3000 Euro brutto/Monat holen. Vermutlich gibt es genug Friseure die meine Beispiele in Sachen Problemlösungskompetenz übertreffen.
 
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Also von 100 Euro die bei meinen Kunden auf der Rechnung stehen (reine Dienstleistung, keine Materialkosten, angestellt) kommen bei mir 27 Euro netto an, wüßte nicht warum Deine 2-3 Euro komplett ankommen sollten. Außer Du gibst sie als Trinkgeld und daran hindert Dich ja auch jetzt keiner.

Als "Essanelle" in unserem Einkaufszentrum vor 6 oder 7 Jahren anfing, wurden pro Dienstleistung 10 Euro berechnet: Waschen, Schneiden, Fönen = 30 Euro.

Inzwischen werden 14 Euro berechnet: Waschen, Schneiden, Fönen: 42 Euro

Würden noch mal 2 Euro drauf kommen, wären wir bei insgesamt 48 Euro. Daran würde auch keiner zugrunde gehen, wenn davon ein Teil an die Friseure weiter gegeben würde.

Ich habe bereits gesagt, dass ich 5 Euro Trinkgeld gebe. Allerdings gehe ich nur 2 - 3 x pro Jahr zum Friseur.


Edit: Gehaltsvergleich Friseure https://www.gehaltsvergleich.com/gehalt/Friseur-Friseurin.html
 
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Bei einer Verzinsung des eingesetzten Kapitals, das deutlich über dem vergleichbarer Anlagen mit gleichem Risiko geht. Bei einem Umsatz von 126 Mio. ein Nachsteuerergebnis von 4 Mio ist jetzt nicht so "masslos", wie man meinen könnte. Bei 4.000 Beschäftigen wären das, würde man den Gesamtgewinn auf die Mitarbeiter verteilen, 80 Euro pro Monat pro Mitarbeiter.

Ja, klar. Das Sicherheitsgefühl 10€ weniger in der Tasche zu haben rechtfertigt natürlich ausgebeutete Dienstleister inanspruch zu nehmen ungemein.
Puh, schwierig. Woher weiß ich denn, bei welchem Friseur die Mitarbeiter ausgebeutet werden oder nicht. Meine Frisörin ist selbstständig, da belibt jeder Euro bei ihr, Angestellte hat sie keine. Aber wenn sie welche hätte, müsste ich dann erst fragen, was sie denen bezahlt?

Am Preis kann ich das auch nicht ablesen. Ich zahle 19,50 Euro für meine Haarschnitt, ich könnte auch nur 6 Euro zahlen... Woher weiß ich nun, wieviel der bekommt, der tatsächlich schneidet?

Den Kunden ins Boot zu nehmen ist schwierig. Ich vermute, Männer gehen da eher nach dem Preis, Frauen eher nach Qualität (die war schon immer gut, da geh ich weiter hin). Wenn jetzt alle mehr verdienen, steigen bei allen eben die Preise, am Verhalten des Kunden ändert sich da nichts.

Marty
 
Zuletzt bearbeitet:
Puh, schwierig. Woher weiß ich denn, bei welchem Friseur die Mitarbeiter ausgebeutet werden oder nicht.
Will der Kunde das überhaupt wissen? Oder ist ihm nicht vielmehr egal wieviel sein Friseur verdient, oder wo sein T-Shirt herkommt, selbst wenn diese Information verfügbar ist?
Am Preis kann ich das auch nicht ablesen.
Es mag nicht immer zuverlässig sein, aber ich denke schon, dass man ein grundsätzliches Gefühl dafür kriegen kann, dass bei einem vergleichsweise niedrigen Preis für ein Produkt, Erscheinungsbild des Ladens/der Mitarbeiter, Qualität der Arbeit/des Produkts/des Service (nicht ausschließlich auf den Friseurbesuch bezogen) womöglich etwas nicht stimmen kann.
Ich verdränge das Gefühl jedenfalls regelmäßig weshalb ich nicht glaube, dass man als Kunde völlig frei von Verantwortung sein kann.
 
Will der Kunde das überhaupt wissen? Oder ist ihm nicht vielmehr egal wieviel sein Friseur verdient, oder wo sein T-Shirt herkommt, selbst wenn diese Information verfügbar ist?
Nein, der Kunde will das nicht wissen. Weil er dann vorher Informationen sammeln muss über Frisöre, Supermärkte, Bäckereiketten etc., nur um "sozial" einkaufen zu gehen und Dienstleistungen zu nutzen. Die Arbeit macht sich kaum jemand.

Ist es jetzt besser, beim Lidl, Netto, Aldi, Kaufland etc... ich weiß es nicht.

Ich verdränge das Gefühl jedenfalls regelmäßig weshalb ich nicht glaube, dass man als Kunde völlig frei von Verantwortung sein kann.
Ist der Kunde auch nicht. Der Kunde ist einer der Verursacher mit seinem Nutzungsverhalten.

Eine Lösung muss ihm aber einfach gemacht werden. Die Gewerkschaften könnten jedem Betrieb, der tarifgebunden bezahlt, eine Plakette für an die Tür geben... Dann hätte der Kunde schon mal einen Ansatz.

Marty
 
...

Das Konsumentenverhalten wird mit Sicherheit nicht viel an den Problemen ändern, denn der Mensch ist nun mal von Natur aus egoistisch. Nur mal ganz einfach gesagt, wir alle haben PC, Handy und viel Spaß mit diversen meißtens nicht kostenlosen Hobbies. In der Zwischenzeit verhungern Menschen überall auf der Welt. Stört uns das wirklich? Mal kurz vielleicht, aber dann wird mal zu Weihnachten etwas gespendet oder wie ich es gemacht habe eine Patenschaft für ein Kind in Afrika übernommen. Ausgaben für die Patenschaft:28 Euro, Ausgaben für Hobbies... etwa 10 mal so viel. Ergo auch ich bin Egoist.

Wenn wir wirklich eine gerechtere Welt wollen dürfen wir uns nicht auf den Verstand der Masse verlassen. Da brauchen wir eine Regierung, die es für uns regelt.

Lange Zeit war ich gegen Mindestlohn. Ich dachte auch, der Preis ergibt sich aus Angebot und Nachfrage. Aber hier liegt das Problem. Mit der EU und der Personenfreizügigkeit ist das Angebot an Arbeitskraft praktisch nahezu unbegrenzt. Dummerweise funktioniert das Prinzip der Preisfindung so nicht. Der Arbeitgeber kann also den Preis frei bestimmen oder hat zumindestens einen übermäßig großen Einfluß darauf. Der Gedanke, für den Preis arbeitet ein Deutscher nicht schreckt ihn da wenig, denn es gibt ja genügend ausländische Arbeitskräfte. Und nun schaue man sich mal um im Bereich der Niedriglöhner, welch ein Ausländeranteil dort herrscht. Das ist die Schattenseite der EU, unser System ist nicht auf Freizügigkeit in einer derart heterogenen Gemeinschaft ausgelegt. Jeglicher Versuch, durch nationale Gesetzgebung den Verwerfungen entgegenzuwirken wird als europafeindlich angesehen.

Wenn man dieses erkennt, kann man auch den Weg aus dieser Krise erahnen. Zunächst einmal, solange sich ein Preis der Arbeit nicht angemessen auf dem Markt ergeben kann (also ein Marktversagen vorliegt) muß dieser auf anderem Wege festgelegt werden. Allerdings sollte hier nicht nach Bedarf, sondern nach Höhe der Wertschöpfung entschieden werden. Desweiteren muß die EU-Erweiterung möglichst sofort gestoppt werden. Zunächst müssen die großen Unterschiede in der derzeitigen EU ausgeglichen werden. Erst dann ist die EU stabil genug, weiter zu expandieren. Außerdem ist die Freizügigkeit zu beschränken. Jeder Staat verkraftet nur ein begrenztes Maß an Zuwanderung, dieses Maß aber kann nur der jeweilige Staat bestimmen. Die Freizügigkeit ist dabei zwar als Ideal zu sehen, aber muß den Bedürfnissen angepaßt werden, genauso wie wir alle die Grundfreiheitm genießen und diese dennoch bei Bedarf eingeschränkt werden können.