Ökonomen streiten über Wirkung der EZB-Beschlüsse

Folgende News wurde am 06.06.2014 um 14:27:58 Uhr veröffentlicht:
Ökonomen streiten über Wirkung der EZB-Beschlüsse
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Berlin (dts) - Über die Wirkung des Antikrisenpakets der Europäischen Zentralbank (EZB) ist unter Ökonomen ein heftiger Streit entbrannt: Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, verteidigte die EZB-Niedrigzinspolitik mit dem Hinweis, dass der rigide Sparkurs der Euro-Länder "nicht etwa, wie beabsichtigt, die Schuldenstände gesenkt, sondern erhöht" habe, weil die betroffenen Länder in teilweise "dramatische Krisen" gestürzt wurden. Zwar scheine jetzt ein Bodensatz erreicht, aber mit dem zu erwartenden minimalen Wachstum lasse sich eine Umkehr in der Schuldenentwicklung nicht erzielen, sagte Horn "Handelsblatt-Online". Aus diesem Grund müsse ein "Strategiewechsel" eingeleitet werden, sagte Horn weiter. Der erfordere neben niedrigen Zinsen, "die das Investieren und Konsumieren billig machen, auch investive Impulse seitens der Finanzpolitik, um ein hinreichend hohes Wachstum zu erzeugen". All dies seien Anreize zu mehr Ausgaben und nicht zu mehr Sparen, was ein weiteres Argument für niedrige Zinsen sei."Die Interessen der Sparer", so Horn, "sind eben derzeit nicht die gesamtwirtschaftlichen Interessen des Euro-Raums." Der IMK-Chef glaubt denn auch, dass die wirtschaftliche Lage im Euro-Raum "auf längere Sicht extrem niedrige Zinsen" erfordere: "Sie sind gleichsam das Denkmal einer gescheiterten Austeritätspolitik." Widerspruch kommt vom Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer."Die Nullzinspolitik der EZB ist das Denkmal eines Reformunwillens in Teilen der Krisenländer, insbesondere in Italien", sagte Krämer "Handelsblatt-Online". Er erinnerte daran, dass in den Krisenländern des Südens eine Schuldenblase geplatzt sei. Konsumenten und Unternehmen müssten sich daher beim Ausgeben zurückhalten, um ihre während der Boomjahre zu stark gestiegenen Schulden abzubauen."Diese Bilanzreparatur dauert erfahrungsgemäß einige Jahre und geht unvermeidlich mit starken wirtschaftlichen Problemen einher", sagte der Volkswirt. Daran ändern nach Einschätzung Krämers auch die EZB-Beschlüsse nichts."Niemand, der zu hoch verschuldet ist, lässt sich durch niedrige Zinsen oder ein staatliches Konjunkturprogramm dazu verführen, mehr Geld auszugeben und die Konjunktur anzukurbeln", sagte er."Weder eine expansive Geldpolitik, noch Konjunkturprogramme wirken in einer solchen Situation nachhaltig." Krämer warnte, dass dadurch allenfalls ein "kurzfristiges Strohfeuer" entfacht werden könne, an dessen Ende die Staaten noch höher verschuldet seien als zuvor."Konjunkturprogramme auf Pump sind das letzte, was die hochverschuldeten Krisenländer brauchen", betonte der Commerzbank-Chefvolkswirt."Stattdessen brauchen sie mutige Reformen, wie sie beispielsweise Spanien am Arbeitsmarkt ergriffen hat. Das schlägt sich dort bereits in steigenden Weltmarktanteilen nieder."
 
Wie man sieht ist die EZB total verzweifelt und weiß nicht mehr was sie tun soll. Tatsächlich kann man die Wirtschaft nicht über das Geld steuern, wie es die EZB hier versucht. Es wirken hier ganz andere Mechanismen.
Die Austeritätspolitik war eine Reaktion der Staaten auf ihre eigene vorhergehende Aufschuldung. Ansonsten stimme ich Krämer zu - der Aufschuldung ist die Puste ausgegangen und nun muss erst mal zurückgezahlt werden. Die Sparer müssen jetzt für die Unfähigkeit der Politik bezahlen.
Horn kann man getrost vergessen, weil er noch nicht verstanden hat, dass Politiker immer die Verschuldung erhöhen und das gar nichts mit dem verordneten Sparkurs zu tun hat. Allerdings ist die Idee die Steuern zu senken um das Investieren und Konsumieren zu verbilligen bestechend.
 
Weidmann hat unrecht wenn er davon ausgeht, dass diese Beschlüsse eine (wie hier genannte) Wirkung haben werden. Deshalb braucht auch nicht wirklich über weitere EZB-Maßnahmen diskutieren.
 
wenn wir währenddessen einen Krieg mit Russland haben, um davon abzulenken.
Was meinst warum die so viele Flüchtlinge und Kriminelle herein holen?! :ugly:
Ein Krieg gegen Russland ist zwar nicht ausgeschlossen, aber extrem unwahrscheinlich, weil die entsprechende Rüstung gar nicht da ist.

Ich hätte jetzt gedacht, dass die Zinsen angehoben werden, weil doch die Wirtschaft so gut läuft. :evil:
 
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Ich hätte jetzt gedacht, dass die Zinsen angehoben werden, weil doch die Wirtschaft so gut läuft. :evil:

Lese ich in diesem Satz etwa einen ironischen Unterton? :D

Die Krise ist vorbei, der Aufschwung ist da, die Violinen spielen wieder und die ganzen Hartz 4 Empfänger fahren alle mit einem Ferrari herum, weil die sich vor lauter Vermögen gar nicht mehr retten können...


Es sieht nicht so rosig aus, wie die Meldungen es in den Medien immer verkünden. Es hat sich nur ein wenig beruhigt. Die nächste Panik kommt ganz bestimmt und was dann ist?

Die EZB kann so viel Geld drucken wie sie will, sie wird es nicht schaffen die Deflation zu verhindern.
Also mit geldpolitischen Maßnahmen lässt sich das nicht lösen. Wenn nichts mehr investiert wird, geht der "Wohlstand" dahin. Alle wollen sparen, der Staat, Unternehmen, Banken, Privatpersonen.

Man muss die Löhne erhöhen und zwar kräftig gestreckt über 10 Jahre 4-6 % pro Jahr. Dann löst sich die Eurokrise in Luft auf.
Da man das aber nicht will, um die Wettbewerbsfähigkeit nicht zu schaden, wird die wettbewerbsstärkste Volkswirtschaft (Deutschland) am Ende der Verlierer sein.
Deutschland muss seine Leistungsbilanzüberschüsse abbauen und in die Binnenkonjunktur massiv investieren. Die Bürger brauchen mehr Geld in der Tasche, dann wird auch die Inflation angeheizt.
Außerdem muss die Arbeit verknappt werden in Deutschland durch eine 30 Stunden Woche bei vollem Lohnausgleich.

Übrigens sagt das auch die Bundesbank:
https://www.klamm.de/news/bundesban...n-32N200901011406069902223.html?sparte=finanz
 
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Man muss die Löhne erhöhen und zwar kräftig gestreckt über 10 Jahre 4-6 % pro Jahr. Dann löst sich die Eurokrise in Luft auf.
Da man das aber nicht will, um die Wettbewerbsfähigkeit nicht zu schaden, wird die wettbewerbsstärkste Volkswirtschaft (Deutschland) am Ende der Verlierer sein.
Deutschland muss seine Leistungsbilanzüberschüsse abbauen und in die Binnenkonjunktur massiv investieren. Die Bürger brauchen mehr Geld in der Tasche, dann wird auch die Inflation angeheizt.
Außerdem muss die Arbeit verknappt werden in Deutschland durch eine 30 Stunden Woche bei vollem Lohnausgleich.
Genau so haben die Südstaaten ihre Wirtschaft vernichtet und das Fundament der Schuldenkrise gelegt.
 
Außerdem muss die Arbeit verknappt werden in Deutschland durch eine 30 Stunden Woche bei vollem Lohnausgleich.

Warum nicht gleich eine 20- oder 10-Stundenwoche bei Verdoppelung der Einkommen? Wenn man die Schraube lang genug weiterdreht sind wir früher oder später ein Volk von nichtstuenden Millionären. Klingt ja gar nicht so schlecht, aber (um mal bei den 30h zu bleiben) durch die Verkürzung der Arbeitszeit bleibt grob geschätzt ein Viertel davon unerledigt liegen, "knapp" wird Arbeit dadurch nicht gerade... :ugly:
 
Genau so haben die Südstaaten ihre Wirtschaft vernichtet und das Fundament der Schuldenkrise gelegt.

Das stimmt. Wir haben hier eine gute Industrie die die anderen eigentlich nicht mehr haben...

Allerdings wenn das so weiter geht, zahlen wir am Ende alles. Wenn Großbritannien, Griechenland, Italien oder Frankreich aus dem Euro und/oder aus der EU aussteigt, wird die Bürgschaft fällig das heißt dann zahlen wir!

Wir können nur unsere Leistungsfähigkeit an denen der anderen Länder anpassen und das geht nur über Lohnerhöhungen. Als erstes muss aber die Arbeitszeit verknappt werden, weil wir ein Überangebot an Arbeit haben und das senkt die Löhne eher noch.

Durch den Mindestlohn wird ja schon versucht gegenzusteuern allerdings ist das auch wieder eine Mogelpackung, denn es gibt dort einfach zu viele Ausnahmen.

Die EZB will Inflation, koste es was es wolle. Sie allein schafft es nicht, egal wie viel die druckt.

Wenn Deutschland den Euro erhalten will, muss Deutschland die Löhne anheben und zwar sich dem Niveau der anderen annähern. Die anderen Länder müssen das andersherum machen Lohnsenkungen. Das hat man ja auch in Griechenland gemacht aber das verursachte Volksaufstände und Massenarbeitslosigkeit, die bis heute andauern. Wenn die anderen sich nicht unserer Leistungsfähigkeit anpassen, müssen wir uns an ihnen annähern um den Preis der Inflation.

Eine Deflation wäre wesentlich brutaler für alle. Darauf gehe ich jetzt aber nicht weiter ein.

Warum nicht gleich eine 20- oder 10-Stundenwoche bei Verdoppelung der Einkommen? Wenn man die Schraube lang genug weiterdreht sind wir früher oder später ein Volk von nichtstuenden Millionären. Klingt ja gar nicht so schlecht, aber (um mal bei den 30h zu bleiben) durch die Verkürzung der Arbeitszeit bleibt grob geschätzt ein Viertel davon unerledigt liegen, "knapp" wird Arbeit dadurch nicht gerade... :ugly:

Wir können so weitermachen wie jetzt, dann bleibt die Währungsunion noch bis 2017 bestehen und wird dann von Frau Präsidentin Marine Le Pen aus Frankreich beendet und durch Premiermenister Nigel Farrage.

Also man muss das kleinere Übel wählen. Die Leistungsbilanzen der Länder sind nicht ausgeglichen. Deutschland hat zu viel Leistungsbilanzüberschüsse und überflutet alle mit ihren Produkten, die anderen haben zu viele Leistungsbilanzdefizite.

Man muss also die Leistungsbilanzüberschüsse verringern und die pleiteländer müssen sich selber helfen, auch wenn es unpopulär ist.

Es geht nicht lange gut, wenn der eine immer nur Waren und Dienstleistungen liefert und der andere ständig sich verschuldet und einen Buchwert gutschreibt mit der Absicht, den später wieder zurückzuzahlen.

Wir können dann gleich alle Produkte denen schenken, weil das Geld sehen wir nicht wieder.
 
Die Deflation kommt sowieso sie ist der Vorläufer von dem was dannach kommt der Hyperinflation, ich schätze die aktuelle Deflation wird nicht so wild ausfallen, wenn man betrachtet wie die Geldmenge aufgebläht wird. Ich persönlich warte nur noch auf den Crash an den Aktienbörsen und wenn das passiert, ist die Deflation zu ende und es beginnt die Inflation, denn wo wollen die Schafe hinrennen ? Hier wird absolut nichts mehr gerettet der Zug ist abgefahren "Alles was wir brauchen ist die eine große Krise" Und die wird kommen. Und dann wäre noch die Derivate Bombe die im Hintergrund tickt und wenn die hochgeht ist eh ruhe. Denn das Volumen ist das 10 fache der Weltwirtschaftsleistung.
 
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Es kann auch gar nichts passieren, so wie in den 70er Jahren.

Krise bedeutet ja nur die Rückführung auf normale Verhältnisse d. h. ein ruckartiger Abverkauf an der Börse. Also ist das ja nichts schlimmes, quasi eine Schrumpfung auf den wirklichen Wert.

Es kann auch sein, dass wir nun eine ganz lange Phase haben von Deflation so wie in Japan.
Eigentlich kann es in beide Richtungen kippen sowohl in die Ecke der Inflation als auch in der Deflation, die wir derzeit in der Realwirtschaft haben, sonst würde die EZB nicht den Leitzins so mikrig machen, wenn wir nicht in der Deflation wären.
 
Es kann auch sein, dass wir nun eine ganz lange Phase haben von Deflation so wie in Japan.
Japan hat sich nur durch Exporte halten können.
Die Deflation kommt weil die Wirtschaft auf Kredit Überkapazitäten aufbaut und die vielen Produkte dann nicht mehr los wird. Manche bezeichnen einen Börsencrash auch schon als Deflation oder das was mit den Staatsanleihen passiert ist - tatsächlich sind das alles nur Blasen, die auf billigem Kredit fußen.
Man braucht also neue Märkte und neue Schuldner.

Man muss also die Leistungsbilanzüberschüsse verringern
Dazu müsste man nur nur mehr importieren, was vielleicht auch wieder Arbeitsplätze kostet.
 
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Samaras: Griechenland benötigt keine neuen Hilfskredite

Folgende News wurde am 26.06.2014 um 15:07:36 Uhr veröffentlicht:
Samaras: Griechenland benötigt keine neuen Hilfskredite
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Athen (dts) - Griechenland benötigt nach den Worten von Ministerpräsident Andonis Samaras nach dem Auslaufen der EU-Hilfszahlungen in diesem Jahr kein drittes Rettungspaket. Er sehe in den nächsten zwei Jahren keine Finanzlücke, die weitere Hilfskredite erforderlich machen, sagte Samaras in einem Interview mit der digitalen Tageszeitung "Handelsblatt Live" (Donnerstag)."Wir setzen auf die Konjunktur", unterstrich Samaras. Der Premier erwartet, dass sein Land die Rezession hinter sich lässt. Auch beim Schuldenabbau sieht der griechische Premier Fortschritte. Griechenland werde, wie mit den Gläubigern vereinbart, seine Schuldenquote von aktuell 175 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung bis 2022 unter 110 Prozent drücken – "vorausgesetzt, dass sich alle Beteiligten an ihre Verpflichtungen halten". Für Griechenland bedeute das, weiter an den Strukturreformen zu arbeiten und seine erfolgreiche Haushaltspolitik fortzusetzen. Im Gegenzug müssten die Gläubiger ihre Zusage einlösen, über Schuldenerleichterungen zu reden."Vorstellbar wären niedrigere Zinsen, längere Kreditlaufzeiten und zusätzliche tilgungsfreie Jahre", erläuterte Samaras. Zur aktuellen Diskussion um eine mögliche Lockerung des Stabilitätspakts sagte Samaras: "Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum gehören zusammen, ich sehe das nicht als Dilemma." Der griechische Premier sprach sich dafür aus, die Grundstrukturen des Stabilitätspakts beizubehalten.
 
GR braucht also schon wieder ein "Hilfspaket". In GR wachsen nur der Bergbau und die Staatsschulden, alles andere ist am schrumpfen.
 
Naja Marty. Man muss auch fair bleiben.

Die Sorge vor einer Staatsinsolvenz ist durchaus richtig.

Steigt der Leitzins nur um 2 % an, haben wir die Staatspleite in wenigen Jahren, weil dann die kurzfristigen Zinsen für die Staatsanleihen ansteigen und dann bekommen wir ein unlösbares Problem was die Zinslasten angeht.

Außerdem ist der Staat schon bis über die Halskrause verschuldet. Viel mehr kann man der Bevölkerung nicht mehr zumuten. Auch die Steuerschraube kann nicht unbegrenzt angehoben werden und den Hartz 4 Empfängern kannst du nix mehr wegnehmen, da ist nix zu holen. Außerdem wenn du Hartz 4 ganz streichst, hast du morgen hier Volksaufstände. Also da ist nix zu holen.

Außerdem wenn Frankreich 2017 aus dem Euro mit Marine Le Pen als Präsidentin den Euro verlässt, dann war es das auch mit dem Euro. Das was dann auf uns zukommt, kann Deutschland nicht leisten. Bei aller Euro-Romantik. Man muss wieder zurückkommen zu normalen Verhältnissen.
Das kann auch mit etwas unbequemen Anpassungen verbunden sein aber irgend eine Regierung wird dies auch tun müssen. Den Reformwillen sehe ich bei dieser Regierung aber nicht.

Ich bin mir sicher, dass die vergangenen Anpassungen noch nicht das Ende der Fahnenstange waren, denn kein Problem ist ja wirklich gelöst. Jetzt gehts noch einmal aufwärts und was kommt dann wenn die Konjunktur im Herbst wieder abwärts geht und die Arbeitslosen mehr werden? Was kommt dann?

Jetzt gibts Menschen, die sagen, das wird alles schon gut gehen und diese Befürchtungen sind alle völlig überzogen und man sei ein Schwarzseher oder was auch immer. Das sind aber Fragen, die durchaus gestellt werden sollten.

Jetzt redet Herr Schäuble von einer Neuverschuldung von Null. Klasse! Das wird aber auch nur wenige Jahre so sein. Außerdem wandern die Schulden nur von Deutschland zur EZB. Die EZB kann auch nicht unbegrenzt drucken. Irgendwann stößt die Ausweitung der Geldmenge auch an ihre Grenzen, denn so viel wie der Finanzmarkt bräuchte, da wäre die EZB noch Jahrzehnte mit dem Drucken beschäftigt. Kurzum: die Realwirtschaft kann das nicht leisten, was der Finanzsektor fordert! Deshalb wird es zu weiteren Gläubigerverzicht kommen. Das prognostiziere ich!
 
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Naja Marty. Man muss auch fair bleiben.
Verstehe ich nicht. Was meinst Du. Stell Dir vor, wir würden in einer Kneipe nebeneinander sitzen und diskutieren. Und statt einer eigenen Meinung, gebe ich Dir auf jedes Deiner Argumente mein Handy in die Hand und spiele ein 2-stündiges Youtube Video ab. Wieviel Lust auf diese Diskussion hättest Du?

Die Sorge vor einer Staatsinsolvenz ist durchaus richtig.
In Deutschland? Die sehe ich, ganz ehrlich, gar nicht.

Steigt der Leitzins nur um 2 % an, haben wir die Staatspleite in wenigen Jahren, weil dann die kurzfristigen Zinsen für die Staatsanleihen ansteigen und dann bekommen wir ein unlösbares Problem was die Zinslasten angeht.
Der Staat hat auch schon 9% Zinsen verkraftet ohne dass er in Insolvenz gegangen ist. Wichtig ist, dass die Inflationsrate auf ähnlichem Niveau liegt. Wenn die realen Schulden um exakt soviel entwertet werden, wie Zinsen gezahlt werden, dann ist alles verkraftbar.

Außerdem ist der Staat schon bis über die Halskrause verschuldet. Viel mehr kann man der Bevölkerung nicht mehr zumuten.
Wieso nicht. Setze doch mal die Schulden des Staates in Relation zum Vermögen (nur Barvermögen, also Konten, Aktien, Anleihen) der reichsten 10% des Staates...

Auch die Steuerschraube kann nicht unbegrenzt angehoben werden und den Hartz 4 Empfängern kannst du nix mehr wegnehmen, da ist nix zu holen.
Die Steuern sinken doch seit 25 Jahren, welche Schraube dreht denn da nach oben?

Außerdem wenn Frankreich 2017 aus dem Euro mit Marine Le Pen als Präsidentin den Euro verlässt, dann war es das auch mit dem Euro.
Dann wäre ein Sorgenkind ausgeschieden.

Das was dann auf uns zukommt, kann Deutschland nicht leisten. Bei aller Euro-Romantik. Man muss wieder zurückkommen zu normalen Verhältnissen.
Das wäre dann Vor 1914? Oder wann waren die Zeiten mal anders und nicht geprägt von Luxusleben auf Neuverschuldung?

Das kann auch mit etwas unbequemen Anpassungen verbunden sein aber irgend eine Regierung wird dies auch tun müssen. Den Reformwillen sehe ich bei dieser Regierung aber nicht.
Was jetzt? Unbequeme Anpassungen aber bei Hartz IV und den Renten geht nichts? Steuern erhöhen geht auch nicht? Welche unbequemen Anpassungen, die dreistellige Milliardenbeträge bringen, schweben denn im Raum?

Jetzt gibts Menschen, die sagen, das wird alles schon gut gehen und diese Befürchtungen sind alle völlig überzogen und man sei ein Schwarzseher oder was auch immer. Das sind aber Fragen, die durchaus gestellt werden sollten.
Klar darf man die stellen. Aber dann sollte man auch mal darüber diskutieren, was das im Einzelfall heisst -> Renten runter, Pensionen auf Rentenniveau kürzen, Staat reduzieren, Steuern rauf -> der deutsche Michel wird bei der nächsten Wahl schon dafür sorgen, dass das nicht passiert.

Wir müssen endlich verstehen, dass wir seit 50 Jahren im Schlaraffenland leben, das wir auf Pump finanzieren. Und sobald jemand kommt und sagt, dann müssen wir abspecken, wird gejammert, dass das ja nicht geht.

"Ich kann doch nicht auf mein 160qm Haus verzichten, ich habe doch drei Kinder. Zwei Autos brauchen wir auch, immerhin müssen die Kinder ja in die staatsfinazierte Ganztagsversorgung. Bildung hat gefälligst kostenlos, also staatsfinanziert, zu sein. Hartz IV muss erhöht werde, der derzeitige Satz ermöglicht kein menschenwürdiges Leben. Die Steuern sind viel zu hoch."

Das sind doch die Meinungen, die man hört am Stammtisch und in der Pekip-Gruppe.

Als absolut einziges Argument, wo gespart werden kann, kommt: Bei den Politikern!!!!!
 
Krisen entstehen dadurch ja erst, weil keiner mehr damit rechnet.

Ein Mensch der immer wieder von Krise redet, wird irgendwann nicht mehr ernst genommen und belächelt oder verspottet. Meistens entsteht eine Krise nicht dann, wenn alle Welt von Krise redet, sondern immer dann, wenn kaum noch darüber geredet wird. Eigentlich gibts aber keine Krisen, sondern nur die Rückführung auf normale, realistische Verhältnisse.

Dieser ganze aberwitzige Geldberg der gedruckt wird, kann ja jederzeit eingelöst werden. Das wird aber offensichtlich nicht getan und es wird kaum etwas investiert. Das führt von ganz alleine irgendwann zum Gläubigerverzicht. Wenn die die viel Geld besitzen nichts investieren, dann ist deren Geld langfristig durch Deflation und den dann einsetzenden Insolvenzen gefährdet, weil dann kann ja das ganze Geld nicht mehr in dem Umfang in der Realwirtschaft realisiert werden (wenn nichts mehr produziert wird, ist das Geld wertlos, weil es ja nicht mehr eingelöst werden kann).

Du hast recht: es geht der arbeitenden Bevölkerung so gut wie nie aber es wird uns auch nie wieder sogut gehen können. Wahrscheinlich müssen wir uns darauf einstellen, dass das was Japan in den 80er Jahren angefangen hat nun für uns zutrifft: eine ganz lange Zeit der Deflation und 0-Wachstum.
 
Du hast recht: es geht der arbeitenden Bevölkerung so gut wie nie aber es wird uns auch nie wieder sogut gehen können. Wahrscheinlich müssen wir uns darauf einstellen, dass das was Japan in den 80er Jahren angefangen hat nun für uns zutrifft: eine ganz lange Zeit der Deflation und 0-Wachstum.
Und ich befürchte, dass das leider nicht alle treffen wird. Es wird den Euroraum treffen und zwar besonders die "armen", unproduktiveren Länder. Und wir Deutschen werden unser "Leid" auf deren Kosten abfedern.

Wir leben gerade auf Kosten von spanischen, griechischen und italienischen Jugendlichen. Und wir haben nicht einen Zentimeter Willen, daran etwas zu ändern.

Marty
 
Wir leben gerade auf Kosten von spanischen, griechischen und italienischen Jugendlichen. Und wir haben nicht einen Zentimeter Willen, daran etwas zu ändern.
Wer ist denn wir? Ich hätte schon den Willen steigende Löhne entsprechend der deutschen Produktivität zu erhalten und dafür Arbeitsplätze im Euroraum umzuverteilen. Die Finanz-Eliten die diesen Staat offensichtlich mehr regieren als das Volk wahrscheinlich weniger.