Facebook - Wahl-Farce bei Facebook: Lediglich 0,05 Prozent Wahlbeteiligung bei versteckter Abstimmung über neue Nutzungsbedingungen
10. Juni 2012, 15:40 Uhr · Quelle: onlinewelten.com

Mehr Mitbestimmungsrecht für die Nutzer, mehr Transparenz - mit diesen fundamentalen Versprechen stemmten sich die Facebook-Macher kürzlich gegen den Vorwurf, ihre Social-Network-Plattform zur digitalen Diktatur auszubauen, und riefen als Zeichen des guten Willens eine Abstimmung ins Leben, in deren Zuge theoretisch jeder Facebook-Nutzer die Möglichkeit bekommen sollte, seiner Zustimmung oder Ablehnung hinsichtlich der neuen und vielfach kritisierten Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien des Social-Networks Ausdruck zu verleihen.
So weit, so gut. Doch was sich in der Theorie noch als wohlwollende und großzügige Einbeziehung aller bei Facebook angemeldeten Nutzer gerierte, entwickelte sich in der Praxis schnell zur absoluten Farce. Über die Abstimmungsmöglichkeit informierte Facebook nämlich nicht, wie es wohl angebracht gewesen wäre, seine komplette Nutzerschaft, sondern lediglich all jene, die die interne Seite 'Facebook Site Governance' abonniert hatten. Und das sind gerade einmal 2,1 Millionen der insgesamt über 900 Millionen Facebook-Nutzer. Wie auf diesem Weg jemals die von den Verantwortlichen bei Facebook geforderten über 270 Millionen Stimmen für ein bindendes Ergebnis zusammen kommen sollten, bleibt wohl das Geheimnis der Initiatoren der Abstimmung. Kritiker mögen gar behaupten, das Ganze sei volle Absicht gewesen, um das Abstimmungs-Ergebnis auch ja nicht als bindend betrachten zu müssen.
Am Ende kam es dann, wie es kommen musste: Mit Ablauf der Abstimmungs-Frist am vergangenen Freitag, den 8. Juni 2012 gaben lediglich 0,05 Prozent (gefordert waren 30 Prozent für ein bindendes Ergebnis) der Facebook-Nutzer, also rund 350.000 Menschen, ihre Stimme ab. Rund 85 Prozent der Teilnehmer lehnten die geänderte Erklärung der Rechte und Pflichten sowie die Datenverwendungsrichtlinie ab.
Für Facebook hat das Ergebnis aber nun ohnehin nur beratenden Charakter. An echter Mitbestimmung seiner Nutzer hat der Internet-Konzern offenbar kein Interesse. Ein abschließendes Statement der Verantwortlichen klingt da schon fast wie glatter Hohn:
"Trotz unserer umfangreichen Bemühungen stellt die Anzahl der Personen, die abgestimmt haben, einen sehr kleinen und nicht maßgeblichen Prozentsatz unserer Gemeinschaft dar. Wir haben bedeutende Anstrengungen unternommen, um die Abstimmung leicht und zugänglich zu gestalten – unter anderem haben wir die Dokumente und die Abstimmungsanwendung in einige der verbreitetsten Sprachen der Welt übersetzt und umfangreiche Hinweise in den Neuigkeiten von Nutzern sowie durch Desktop- und Handywerbung verbreitet. Zudem wurde unser Abstimmungsprozess von den Medien aufgegriffen und war Teil umfangreicher Berichterstattung."

