Zwischen Wahltaktik und Voodoo-Ökonomie: Die TV-Debatte der Kanzlerkandidaten
In einem spannungsgeladenen TV-Format präsentierten die Kanzlerkandidaten der SPD, Grünen, Union und AfD eine Woche vor der Bundestagswahl ihre Positionen. Friedrich Merz von der Union ergriff die Gelegenheit, potenzielle Allianzoptionen mit SPD und Grünen zu sondieren, während er ein Bündnis mit der FDP skeptisch betrachtete. Trotz seiner klaren Absage an eine Zusammenarbeit mit der AfD betonte Merz seine Zuversicht hinsichtlich zukünftiger konstruktiver Gespräche nach den Wahlen.
Die Diskussion, die von RTL und ntv organisiert wurde, brachte Merz gemäß einer Forsa-Blitzumfrage in eine Führungsrolle: 32 Prozent der Zuschauer sahen ihn vorn, während Kanzler Scholz von der SPD 25 Prozent erreichte. Bei der Frage der Sympathiewerte punktete jedoch Robert Habeck von den Grünen mit 34 Prozent, während Scholz und Merz hinter ihm folgten. Interessanterweise zeigte sich, dass die Debatte kaum Einfluss auf die Wahlentscheidung der Zuschauer hatte, was die Relevanz solcher Events in Frage stellt.
Inhaltlich bot die Viererrunde wenig Überraschungen. Die bekannten Debatten um Migration, Wirtschaft und Energiethemen wurden lebhaft diskutiert. Besonders polemisch wurde es, als Habeck der Union und der AfD eine nicht nachhaltige Steuerpolitik vorwarf, woraufhin Merz und Weidel die Verantwortung für die wirtschaftliche Lage wiederum Scholz und Habeck zuschoben. Bei der Unterstützung der Ukraine zeigten Scholz, Merz und Habeck Einigkeit, während Weidel von der AfD eine kontroverse Position einnahm.
Ein unerwartet unterhaltsames Element brachte die Frage nach dem Dschungelcamp ins Spiel, bei dem sich alle Kandidaten einig zeigten, das Reality-Format zu meiden. Eine Quiz-Frage im Stil von 'Wer wird Millionär?' zu Beamten im Ruhestand sorgte für heitere Verwirrung unter den Politikern und endete mit einem humorvollen Schlagabtausch zwischen den Moderatoren und Scholz.
Zum Abschluss sorgte ein Fauxpas mit dem berühmten 'Bierdeckel' des Jahres 2003 für Aufsehen, als Moderator Günther Jauch nachlässig das historische Exemplar fallen ließ. Doch der Zwischenfall blieb ohne Folgen, was ein Schmunzeln in der Runde hervorrief.

