Zwischen Preisdruck und Marktchancen: Landwirtschaftliche Balanceakte in Deutschland
Bundesernährungsminister Alois Rainer äußert sich angesichts steigender Lebensmittelkosten kritisch zu weiteren staatlichen Preisaufschlägen. Seit 2020 hätten die Lebensmittelpreise um mehr als 30 Prozent zugelegt, bemerkte der CSU-Politiker im Vorfeld der Berliner Agrarmesse Grüne Woche. Zusätzliche steuerliche Belastungen durch eine Tierwohlabgabe oder eine Zuckersteuer seien aus seiner Sicht nicht vertretbar. Rainer betont, dass gute, gesunde und hochwertige Lebensmittel für alle erschwinglich bleiben sollten. Gleichzeitig müsse auch das Einkommen in der Landwirtschaft gesichert sein, ohne dass staatliche Eingriffe den Markt verzerren.
Schon lange wird eine Tierwohlabgabe in Betracht gezogen, um den Umbau der Tierhaltung hin zu besseren Standards zu fördern — konkrete Vorschläge belaufen sich auf rund 40 Cent pro Kilogramm Fleisch. Auch die Idee einer Zuckersteuer steht im Raum, unterstützt von Medizinern und Verbraucherschützern. Beide Maßnahmen sind umstritten, da sie den Preisdruck auf Verbraucher erhöhen könnten. Rainer argumentiert, dass viele Menschen nicht bereit sind, für höhere Standards tiefer in die Tasche zu greifen, und so zu günstigeren Produkten greifen könnten.
Die Grüne Woche widmet sich intensiv der Problematik der Lebensmittelpreise. Derzeitig sinkende Erzeugerpreise setzen Landwirte unter Druck. Rainer hebt staatliche Maßnahmen zur Entlastung hervor, wie die Wiedereinführung der vollen Agrardieselrückerstattung und die Reduzierung der Stromsteuer. Ein verstärkter Abbau bürokratischer Hürden wird angestrebt.
Darüber hinaus stellt Rainer eine neue Agrarexportstrategie vor, die in geopolitisch unruhigen Zeiten neue Absatzmärkte erschließen soll — zum Vorteil der heimischen Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft. Auch das Geschäft mit Bio-Lebensmitteln zeigt Chancen, mit einem Wachstum von acht Prozent bis 2025. Doch bleibt der Ausbau der ökologisch bewirtschafteten Flächen hinter den Erwartungen zurück. Die Ziele der Ampel-Koalition, einen Bio-Anteil von 30 Prozent bis 2030 zu erreichen, wirken mit einem aktuellen Anteil von 11,5 Prozent ambitioniert.
Minister Rainer betont die Notwendigkeit marktorientierten Wachstums, um wirtschaftlich tragfähig zu bleiben. Die regionale Bio-Wertschöpfungskette spielt dabei eine zentrale Rolle. Der Bio-Erzeugung sollte es in den kommenden Jahren gelingen, sich stärker am Markt zu orientieren und die Produktion in Einklang mit der Nachfrage zu bringen.

