Zukunft für HKM: Salzgitter übernimmt Zepter, 2.000 Jobs auf der Kippe
Im Herzen der Stahlindustrie bahnt sich eine bedeutende Neuordnung an. Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM), bislang in einem Dreigespann aus Thyssenkrupp, Salzgitter und Vallourec geführt, sollen künftig unter alleiniger Flagge von Salzgitter segeln. Ein Fertigmachen der Verhandlungen scheint nun in greifbarer Nähe zu sein, auch wenn letzte Absegnungen noch ausstehen.
Mehr als nur ein Personalumbau ist geplant: Von den derzeit 3.000 Beschäftigten sollen künftig nur noch 1.000 im Einsatz sein. Stilllegen heißt es für die althergebrachten Hochöfen, Platz schaffen für einen zukunftsweisenden Elektrolichtbogenofen, der jährlich bis zu 2,5 Millionen Tonnen Stahl produzieren könnte. Unterfüttert wird dieser Plan durch öffentliche Fördermittel von beachtlichen 200 Millionen Euro.
Für Thyssenkrupp Steel Europe markiert dieser Schritt zugleich einen Meilenstein auf einem Weg der Erneuerung. Im Rahmen der Vereinbarung sollen deren Gesellschaftsanteile an Salzgitter übertragen werden, wobei die Lieferbeziehungen bis 2028 sukzessive auslaufen sollen. Es ist ein fast strategisches Rückzugsgefecht, das bereits erste positive Noten aus der Politik erhielt.
Während Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Mona Neubaur die Vereinbarung als einen Hoffnungsschimmer für Duisburg und seine Beschäftigen würdigt, tut es ihr Hendrik Wüst mit nüchterner Gelassenheit gleich. Es sei ein notwendiger Schritt, um Deutschland als Industriestandort zu stärken, urteilt der nordrhein-westfälische Ministerpräsident. Trotzt des unabwendbaren Stellenabbaus gibt es auch mutmachende Stimmen.
IG Metall und führende politische Vertreter betonen die positiven Aspekte der Einigung und ihre potenzielle Auswirkungen für eine CO2-reduzierte Stahlerzeugung. Bis zur endgültigen Ausführung gilt es jedoch, geduldig auf den positiven Ausgang eines weiteren ausstehenden Fortführungsgutachtens zu warten. Die bevorstehende Herausforderung, alle Interessen unter einen Hut zu bringen, wird umfangreiche Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Unternehmen erfordern. Ein Standort mit Tradition steht vor einer Neuerfindung, begleitet von Hoffnungen, die bis weit über Duisburg hinausklingen.

