Dutzende Tote

Zugunglück schockt Spanien - Auch Deutsche betroffen

19. Januar 2026, 20:40 Uhr · Quelle: dpa
Tote bei Zugunglück in Spanien - Adamuz
Foto: -/Guardia Civil via AP/dpa
Bei einem der schwersten Zugunglücke in der Geschichte Spaniens gab es Dutzende Tote und viele Verletzte.
Ein Zugunglück in Spanien hat mindestens 40 Tote und über 170 Verletzte gefordert, darunter Deutsche, und führt zu einer dreitägigen Staatstrauer.

Adamuz/Madrid (dpa) - Nach dem schweren Zugunglück in Spanien mit Dutzenden Todesopfern steht das Land unter Schock. Mindestens 40 Menschen kamen ums Leben und mehr als 170 wurden verletzt – davon 24 schwer und 5 sehr schwer. Die Behörden fürchten, dass noch weitere hinzukommen. Die Ursache des Unfalls in Andalusien blieb zunächst unklar, die Tragödie gibt Rätsel auf. Menschliches Versagen wurde aber ausgeschlossen. Regierungschef Pedro Sánchez rief eine dreitägige Staatstrauer aus. 

Auch Deutsche sind unter den Opfern, wie es aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß. «Leider müssen wir davon ausgehen, dass sich auch deutsche Staatsangehörige unter den Betroffenen befinden. Über die Anzahl gibt es derzeit noch keine verlässlichen Angaben.» Man stehe mit den Behörden im engen Austausch, um Aufklärung zu betreiben. 

Der regionale Regierungschef Andalusiens, Juanma Moreno, schloss nicht aus, dass in den «Trümmerhaufen aus Metall» weitere Leichen liegen. Unterdessen rätselten Experten über die möglichen Ursachen der Katastrophe, deren Klärung voraussichtlich Wochen und Monate in Anspruch nehmen werde. Zur Identität und Herkunft der Opfer wurden zunächst keine Angaben gemacht.

Die Tragödie hatte sich am Sonntagabend ereignet. Gegen 19.40 Uhr waren die beiden letzten Waggons eines Iryo-Hochgeschwindigkeitszuges der italienischen Gesellschaft Trenitalia nahe der Gemeinde Adamuz in der Provinz Córdoba bei einem Tempo von etwas mehr als 200 Kilometern pro Stunde entgleist und in das benachbarte Gleis geraten, wie die spanische Bahngesellschaft Renfe mitteilte. Der tragische Zufall wollte es, dass just zu dem Zeitpunkt ein entgegenkommender Hochgeschwindigkeitszug von Renfe mit ähnlicher Geschwindigkeit vorbeifuhr, frontal mit den entgleisten Waggons kollidierte und aus den Schienen geworfen wurde.

«Schreie, weinende Kinder, Blut»

«Der Aufprall war so heftig, dass die beiden vorderen Wagen des Renfe-Zuges infolgedessen aus den Gleisen geschleudert wurden», sagte Verkehrsminister Óscar Puente. Diese Waggons stürzten eine vier Meter hohe Böschung hinunter und wurden weitgehend zerstört.

Der Iryo-Zug war mit mehr als 300 Menschen an Bord von Málaga nach Madrid unterwegs. Der in Madrid gestartete Renfe-Zug fuhr mit rund 200 Passagieren nach Huelva. 

Der Verkehr auf der wichtigen Strecke zwischen Madrid und Andalusien werde für längere Zeit unterbrochen bleiben, hieß es. Viele Menschen, die in verschiedenen Städten von Zugausfällen betroffen waren, verbrachten die Nacht in Bahnhöfen.

Eine junge Frau kämpfte im Interview des TV-Senders RTVE mit den Tränen, als sie den Alptraum beschrieb, den sie im Iryo-Unglückszug erlebte. «Es gab eine Vollbremsung, es wurde stockdunkel. Ich fiel kopfüber aus dem Sitz. Menschen und Gepäck flogen durch die Luft, es gab Schreie, weinende Kinder, Blut. Ich fühle mich, als wäre ich neu geboren.» Ein anderer Passagier, der Journalist Salvador Jiménez, sagte: «Es war wie ein Erdbeben.» 

Königshaus, Papst und Merz sprechen Beileid aus

Unter den Todesopfern ist den amtlichen Angaben zufolge der Lokführer des Renfe-Zuges. Zahlreiche Fahrgäste waren stundenlang in den Zügen eingeschlossen. Feuerwehrleiter Paco Carmona sprach von einem sehr schwierigen Einsatz: «Es ist ein schwer zugängliches Gebiet. Das Ausmaß der Zerstörung war zudem groß. Chaos, offene Brüche.»

Ministerpräsident Pedro Sánchez sicherte schnelle Hilfe zu, sagte alle Termine ab und machte sich von Madrid aus auf zum Unglücksort. Dort kündigte er eine dreitägige Staatstrauer von Dienstag bis Donnerstag an und versprach, man werde «die Wahrheit (über die Ursache) ans Licht bringen». Der Sozialist, der eine gelbe Warnweste des Schienennetzbetreibers Adif trug, sprach erneut - wie zuvor auf der Plattform X - von einer «Nacht tiefen Schmerzes für unser Land». Sánchez werde nicht wie vorgesehen am Dienstag am Weltwirtschaftsforum in Davos teilnehmen, teilte die Regierung mit.

König Felipe VI. und seine Frau, Königin Letizia, sprachen von Griechenland aus den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus und wünschten allen Verletzten eine schnelle und vollständige Genesung. Sie kündigten an, dass sie nach der Beisetzung von Irene von Griechenland, der Schwester von Altkönigin Sofía, vorzeitig in die Heimat zurückkehren. Felipe wurde am Dienstag in Adamuz erwartet. 

Beileidsbekundungen trafen aus aller Welt ein. «Der Bundeskanzler und mit ihm die ganze Bundesregierung sind erschüttert angesichts der Nachricht vom schweren Zugunglück. Unsere Gedanken sind bei den Familien und den Angehörigen der Opfer. Ihnen gilt unser aufrichtiges Beileid», sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius. Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, andere EU-Spitzen, Papst Leo XIV., Spaniens Tennis-Ikone Rafael Nadal und sogar die Regierung Thailands, wo sich vergangene Woche ebenfalls ein schweres Zugunglück ereignet hatte, drückten ihr Mitgefühl aus. 

Tragödie wirft Fragen auf

Die Ursache des Unfalls gibt Rätsel auf. «Das ist schon ein extrem ungewöhnlicher Unfall», sagte Minister Puente. «Gerade Strecke, ein ziemlich neuer Zug, ein erst jüngst mit einer Investition von 700 Millionen Euro renovierter Streckenteil.» Man müsse nun das Ergebnis der Ermittlungen abwarten. Der Iryo-Zug war 2022 in Dienst gestellt worden und erst am Donnerstag einer technischen Prüfung unterzogen worden, wie RTVE unter Berufung auf die Bahngesellschaft berichtete. 

Der Bahn-Experte Joan Carlos Salmerón betonte im Fernsehen, es könne einen Schaden am Gleis, einen Gegenstand auf den Schienen oder einen Fehler beim Zug selbst gegeben haben. Auf Luftaufnahmen waren die beiden verunglückten Züge zu sehen, die etwa 500 Meter voneinander entfernt zum Stehen gekommen waren.

Menschliches Versagen wurde ausgeschlossen. Auf dem Streckenabschnitt sei eine Höchstgeschwindigkeit von 250 erlaubt gewesen. Die Zugführer hätten bei mehr als 200 Kilometern pro Stunde keine Möglichkeit gehabt, rechtzeitig zu reagieren. Nur etwa 20 Sekunden nach dem Entgleisen der beiden Waggons sei der entgegenkommende Zug bereits in die Wagen gekracht. Im Fernsehen waren Unfallexperten zu sehen, die jedes Detail der Trümmer und der Gleise fotografierten und markierten.

Erinnerungen an ein anderes schweres Zugunglück

In ganz Spanien, vor allem aber in Galicien wurden Erinnerungen an ein anderes schlimmes Unglück vom 24. Juli 2013 wach. Ein Zug entgleiste damals in Angrois wenige Kilometer vor Santiago de Compostela mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit an einer Kurve. 80 Menschen kamen ums Leben.

Unfälle / Bahn / Notfall / Spanien / Zugunglück / Andalusien / Deutsche Opfer
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