ZEW-Stimmungsaufschwung: Merz-Regierung und Zoll-Entspannung geben Märkten Hoffnung – Unsicherheit bleibt
Der ZEW-Index zur Konjunkturerwartung ist im Mai überraschend kräftig gestiegen – ein Signal, dass sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft spürbar aufhellt. Der Indexwert sprang um 39,2 Punkte auf 25,2, während Ökonomen im Schnitt lediglich mit 16,4 gerechnet hatten. Befragt wurden 191 Analysten und institutionelle Investoren.
Auslöser für den Stimmungsumschwung sind die Einsetzung der neuen Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz und Anzeichen für eine Entspannung im transatlantischen Zollkonflikt. Präsident Trump hatte zunächst Strafzölle von bis zu 20 % auf EU-Güter angekündigt, sie dann aber für 90 Tage ausgesetzt. Ein Basistarif von 10 % sowie sektorale Zölle auf Autos, Stahl und Aluminium bleiben indes bestehen.
Insbesondere Branchen mit hoher Exportabhängigkeit, etwa Automobil, Maschinenbau und Chemie, verzeichneten laut ZEW-Präsident Achim Wambach spürbare Erwartungszuwächse. Auch die Banken profitieren von den Signalen für eine mögliche Lockerung der Finanzpolitik und weiteren Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank.
Mit dem Regierungswechsel sind Maßnahmen zur fiskalischen Belebung in Aussicht gestellt – höhere Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung dürften zusätzliche Impulse setzen. Dennoch: Der Index liegt weiterhin unter dem Niveau vom März, nachdem die Stimmung im April nach Trumps „Liberation Day“-Rede eingebrochen war.
Das Stimmungsbild bleibt damit ambivalent. Großunternehmen wie Bayer kündigen weiterhin Arbeitsplatzabbau an. Mercedes-Benz hatte bereits im April seine Jahresprognose zurückgezogen – zu groß ist die Unsicherheit über den weiteren Verlauf internationaler Handelskonflikte. Der ZEW-Index erfasst Erwartungen – die Realität ist komplizierter.

