Zentralbanken der Schwellenländer im Wettstreit gegen Spekulationsattacken
Die Zentralbanken der Schwellenländer stehen verstärkt im Fokus, da sie versuchen, ihre lokalen Währungen gegen spekulative Attacken und fiskalische Defizite zu verteidigen. Besonders in Lateinamerika zeigt der jüngste Eingriff der Zentralbanken im Währungsmarkt, dass der Kampf gegen volatiles Kapital wohl anhalten wird, bis die Regierungen ihre Ausgaben im Zaum halten können. Parallel dazu rüstet sich die chinesische Zentralbank (PBoC) mit neuen Instrumenten zur Verteidigung des Yuan, um schwaches Wachstum und drohende US-Zölle entgegenzuwirken.
Hierbei ist die Intervention der Zentralbanken lediglich eine temporäre Maßnahme, um die Währungen zu stabilisieren. Eine Rückkehr zu fiskalischer Disziplin wäre langfristig die effektivere Lösung, so Brendan McKenna von Wells Fargo Securities. Die robuste US-Wirtschaft und die Aussicht auf weniger Zinssenkungen durch die Federal Reserve setzen zusätzlichen Druck auf die globalen Zentralbanken, ihre Währungen zu schützen und Kapitalabflüsse zu verhindern.
Brasiliens Notenbank führte kürzlich eine historische Intervention durch, um den Real zu verteidigen, nachdem dieser im Vergleich zum Dollar auf ein Rekordtief gefallen war. Die Zentralbank von Indonesien plant ebenfalls, der Regierung bei der Refinanzierung von Schulden zu helfen, die während der Pandemie entstanden sind. Trotz dieser Bemühungen bleibt die Stabilität der Währungen fraglich, solange keine signifikante Verbesserung der wirtschaftlichen Grundlagen seitens der Fiskalpolitik erfolgt.
In Asien ist der Kampf der PBoC gegen Spekulanten besonders beachtenswert. Jüngst setzte die PBoC den Kauf von Staatsanleihen aus, um einen Rückgang der Anleiherenditen und des Yuan zu verhindern. Ungeachtet dessen warten Währungshändler angespannt auf mögliche Zollmaßnahmen des neuen US-Präsidenten. Strategen, darunter Homin Lee von Lombard Odier, erwarten gegebenenfalls eine einmalige Abwertung des Yuan, um die Flexibilität für geldpolitische Maßnahmen zu erhöhen, die das Wirtschaftswachstum unterstützen sollen.
Der fiskale Druck in Brasilien erhöhte zuletzt die Inflationsprognosen für 2025, was die Maßnahmen der Zentralbanken zusätzlich erschwert. Auch in Mexiko und Kolumbien könnten steigende Budgetdefizite inflationsfördernd wirken, obwohl die Preise bisher nur moderat gestiegen sind. Die Erfahrungen aus der Lateinamerika-Schuldenkrise in den 1980er Jahren und der Asienkrise in den 1990er Jahren haben die Reaktionsfähigkeit der Schwellenländer-Politiker jedoch verbessert, was zu proaktiven Zinserhöhungen seitens der lateinamerikanischen Zentralbanken seit 2021 führte.
In vielerlei Hinsicht steht die Fiskaldominanz mittlerweile im Zentrum der Diskussion unter Investoren und Zentralbanken in Schwellenländern, die mit steigenden Schuldenquoten konfrontiert sind. Länder wie China, Thailand und Chile haben in den letzten Jahren ähnlichen Druck erlebt, was die wachsende Bedeutung eines soliden fiskalischen Fundaments unterstreicht.

