Wohnungsmarkt-Krise: Baulücke weitet sich, Mieten explodieren

Der Wohnungsbau in Deutschland hinkt dringend benötigten Zahlen weiterhin hinterher. Laut dem aktuellen Frühjahrsgutachten des Zentralen Immobilien Ausschusses ZIA wurden im letzten Jahr lediglich rund 235.000 Wohnungen fertiggestellt. Für 2026 werden nur noch 215.000 Neubauten erwartet, obwohl jährlich fast 258.000 Wohnungen bis 2040 benötigt werden. Ralph Henger vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft, der am Gutachten mitgearbeitet hat, sieht in dieser Diskrepanz eine besorgniserregende Entwicklung, die insbesondere in großen Städten zu einer Verschärfung der Lage führen könnte. Hoffnung bieten hingegen die Baugenehmigungen: Im Jahr 2025 wurden 235.000 Genehmigungen erteilt—ein Anstieg von 10,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch dieser Zuwachs kompensiert nicht die Rückgänge der davorliegenden Jahre, so Henger.
Die Mieten sind im Verlauf des Jahres weiter gestiegen, was das Gutachten ebenfalls festhält. Im Schnitt lagen die Mieten im vierten Quartal 2025 um 4,1 Prozent höher als im Vorjahr. Köln verzeichnete mit einem Durchschnittspreis von 15,00 Euro pro Quadratmeter die stärkste Preissteigerung von 7,6 Prozent. Hamburg und München folgten mit Anstiegen von 5,4 Prozent auf 14,41 Euro und 4,6 Prozent auf einem hohen Niveau von 22,62 Euro je Quadratmeter. In Frankfurt am Main zahlte man durchschnittlich 17,19 Euro und in Berlin 15,78 Euro pro Quadratmeter. Für 2026 sind weitere Mietsteigerungen prognostiziert.
Ein besonders eklatanter Mangel herrscht bei Angeboten für Seniorenwohnungen. Der Bericht weist darauf hin, dass aktuell 400.000 bis 500.000 Wohneinheiten in diesem Segment fehlen. Im Bereich von barrierearmen Wohnungen könnte die Lücke bis 2035 auf 3,7 Millionen anwachsen. Fehlende Investitionen bremsen den Bau in diesem Bereich, was die Engpässe weiter verschärft.

