Wirtschaftliche Spannungen durch Zollstreit: Europas Märkte unter Druck
Die jüngste Einigung im Zollstreit zwischen der Europäischen Union und den USA brachte den Anlegern nur einen kurzen Hoffnungsschimmer. Obwohl die wichtigen Aktienmärkte Europas am Montagvormittag zunächst Gewinne verbuchten, genügten wenige Stunden, um die Stimmung zu kippen und die Kurse ins Minus zu drücken. Der EuroStoxx 50, ein bedeutender Leitindex, fiel am Ende des Handelstages um 0,27 Prozent und schloss bei 5.337,58 Punkten. Noch zu Beginn des Tages hatte der Index ein Plus von über einem Prozent verzeichnet.
Laut Nicola Mai, Ökonom beim Vermögensverwalter Pimco, könnte das jüngst geschlossene Abkommen das Wirtschaftswachstum der Eurozone erheblich bremsen. Die Aussichten seien düster, da der Deal hauptsächlich die USA begünstige, was laut Analyst Maximilian Wienke von Etoro zu einer erheblichen Wettbewerbsverzerrung führe. Die neuen Zollregelungen, die für europäische Exporte in die USA gelten – insbesondere für Autos –, werden als extreme Belastung empfunden.
Während sich Technologiewerte europaweit mit einem Zuwachs von 0,6 Prozent als krisenresistent erwiesen, profitierten vor allem die Aktien von ASML und AMS-Osram. Die Übereinkunft über Zollfreiheiten für Zulieferer in der Chipindustrie und ein milliardenschweres Abkommen zwischen Samsung und Tesla beflügelten die Kurse der Halbleiterunternehmen. Samsung wurde damit beauftragt, den zukünftigen KI-Chip für Tesla zu produzieren – ein Auftrag im Wert von 16,5 Milliarden US-Dollar.
Die Pharmabranche zeigte sich relativ unberührt von den Turbulenzen auf den Märkten. Die Aktien von Schwergewichten wie Novartis, Roche und Sanofi notierten im Plus. Experten wie Richard Vosser von JPMorgan und Florent Cespedes von Bernstein sehen die Risiken durch die neuen Zölle als bewältigbar.
Ein bemerkenswertes Highlight bot der italienische Medienkonzern MediaForEurope (MFE), dessen Aktien nach einem erhöhten Übernahmeangebot für ProSiebenSat.1 an der Mailänder Börse um sechs Prozent einbrachen. Im Gegensatz dazu schossen die Aktien von ProSiebenSat.1 um fast 12 Prozent in die Höhe, was den Anlegern in Deutschland Grund zur Freude verschaffte.

