Wirtschaft Österreich: Aufschwung trotz hoher Inflation
Wirtschaftsforscher sehen „Licht am Ende des Tunnels“
Die beiden führenden Institute Wifo und IHS haben ihre Konjunkturprognosen für 2025 leicht nach oben korrigiert. Statt weiterer Stagnation rechnen sie nun mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von rund 0,5 Prozent. Die Österreichische Nationalbank ist mit 0,6 Prozent sogar noch etwas optimistischer.
Wifo-Chef Gabriel Felbermayr spricht von einem Stimmungsumschwung nach Monaten tiefen Pessimismus. Österreich war zeitweise konjunkturelles Schlusslicht der EU, nun deute sich eine nachhaltige Erholung an. Für die Jahre 2026 und 2027 erwarten die Institute Wachstumsraten von rund einem Prozent – leicht über dem Durchschnitt des Euroraums.
Staatsausgaben stützen die Konjunktur
Nach einem schwachen ersten Halbjahr hat sich die wirtschaftliche Dynamik zuletzt spürbar verbessert. Treiber sind höhere Unternehmensinvestitionen, eine allmähliche Erholung der Industrie und ein moderat anziehender Konsum. Eine zentrale Rolle spielt jedoch der Staat.
Die öffentlichen Ausgaben liegen inzwischen bei über 55 Prozent des BIP. Seit 2019 ist der Staatskonsum um mehr als 16 Prozent gestiegen, während das reale BIP lediglich um 3,5 Prozent zulegte. Diese Entwicklung erklärt einen großen Teil des hohen Haushaltsdefizits von 4,6 Prozent, das Österreich ins EU-Defizitverfahren geführt hat.
Auch für die kommenden Jahre erwarten Wifo und IHS keine rasche Entspannung. Trotz des angekündigten Sparkurses dürfte das Defizit weiterhin klar über den Maastricht-Grenzen liegen.
Regierung setzt Ziele – und verfehlt ausgerechnet die Inflation
Seit März regiert Bundeskanzler Christian Stocker ein Dreierbündnis aus ÖVP, SPÖ und Neos. Stocker hatte mit seinem „2-1-0“-Ziel Maßstäbe gesetzt: Inflation unter zwei Prozent, Wachstum von einem Prozent, null Toleranz gegenüber Extremismus.
Während das Wachstumsziel realistischer erscheint, dürfte die Regierung ausgerechnet bei der Inflation scheitern. Für 2025 liegt sie bei rund 3,5 Prozent – einer der höchsten Werte in der EU. Hauptgrund ist das Auslaufen der Strompreisbremse Ende 2024. Laut Nationalbank wird die Teuerung selbst bis 2028 über der Zwei-Prozent-Marke bleiben.
Sinkende Reallöhne dämpfen den Aufschwung
Ein strukturelles Problem bleibt die nahezu automatische Inflationsanpassung der Löhne. Sie hat die Arbeitskosten stark steigen lassen, die Wettbewerbsfähigkeit belastet und Dienstleistungen spürbar verteuert. Die Regierung reagierte mit einem ungewöhnlichen Schritt: Der bereits vereinbarte Beamtenabschluss wurde neu verhandelt.
Das Ergebnis sind Lohnerhöhungen unterhalb der Inflationsrate – nicht nur im öffentlichen Dienst, sondern auch in der Metallindustrie und weiteren Branchen. Mittelfristig dürfte das die Teuerung bremsen, kurzfristig aber sinken die Reallöhne. Die Kaufkraft der Haushalte leidet, der private Konsum bleibt ein schwacher Erholungsfaktor.
„Der Staat selbst heizt die Inflation an“
Felbermayr warnt zudem vor einem unterschätzten Inflationstreiber: dem Staat selbst. Höhere Gebühren und Abgaben bei Bund, Ländern und Gemeinden hätten zuletzt 0,7 bis 0,8 Prozentpunkte zur Inflation beigetragen. Der fiskalische Spardruck verschärft damit ausgerechnet das Problem, das politisch am sensibelsten ist.
Österreich findet zwar zurück auf den Wachstumspfad. Doch der Aufschwung bleibt fragil – getragen vom Staat, gebremst von Inflation und sinkender Kaufkraft. Für Politik und Wirtschaft ist das weniger eine Erfolgsmeldung als ein Auftrag: Die Rezession ist vorbei, die strukturellen Probleme nicht.


