Krieg in der Ukraine

Putin wirft Kiew Angriff auf Residenz vor - Selenskyj: Lüge

29. Dezember 2025, 21:06 Uhr · Quelle: dpa
Donald Trump und Wladimir Putin haben telefoniert
Foto: Mikhail Metzel/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Kremlchef Wladimir Putin und sein US-Kollege Donald Trump (r) haben ein weiteres Telefongespräch zur Lage im Ukraine-Krieg geführt. (Archivbild)
Putin wirft der Ukraine einen Angriff auf seine Residenz vor, was Russlands Position in den Friedensgesprächen mit den USA verändern könnte.

Moskau/Kiew (dpa) - Der russische Präsident Wladimir Putin will seine Position bei den Verhandlungen mit US-Präsident Donald Trump über ein Kriegsende in der Ukraine nach Kremlangaben wegen eines angeblichen Terroranschlags Kiews überarbeiten. Der Kremlchef habe Trump darüber bei einem Telefonat informiert, nachdem es einen versuchten Drohnenangriff der Ukraine gegen seine Präsidentenresidenz im Gebiet Nowgorod gegeben habe, sagte Putins außenpolitischer Berater, Juri Uschakow. Der Kreml hoffe auf Verständnis der USA, dass Russland nun seine Position bei den Verhandlungen überdenke. 

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wies die Anschuldigungen Russlands, die Ukraine habe Putins Residenz angegriffen, gleich in mehreren Posts in den sozialen Netzwerken als Lüge zurück. 

Laut russischen Medien handelt es sich um Putins Waldai-Residenz, die im Gebiet Nowgorod zwischen Moskau und St. Petersburg liegt. Dort soll Putin oft seine Wochenenden mit der Familie verbringen. Sein Privatleben aber hütet der Kreml wie ein Staatsgeheimnis. Uschakow nannte weder den Namen der Residenz noch machte er Angaben dazu, ob sich Putin dort aufgehalten hatte in der Nacht zum Montag.

Für den russischen Präsidenten stehen in vielen Teilen des flächenmäßig größten Landes der Erde Residenzen zur Verfügung. Außerhalb Moskaus hält sich Putin etwa immer wieder auch in St. Petersburg auf und in Sotschi am Schwarzen Meer.

Angeblich 91 Drohnen auf dem Weg zur Residenz zerstört

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte zuerst am Montag den versuchten «Terroranschlag» öffentlich gemacht. Er sprach von 91 ukrainischen Drohnen mit größerer Reichweite, die Russlands Flugabwehr abgeschossen habe. Über Schäden oder Verletzte war nach Darstellung Lawrows nichts bekannt. Lawrow kündigte aber auch Vergeltungsschläge Moskaus in Kiew an. Details nannte er nicht.

Das russische Verteidigungsministerium teilte am Abend mit, dass die Drohnen über den Gebieten Brjansk, Smolensk und Nowgorod «neutralisiert» worden seien. Die Angaben waren von unabhängiger Seite nicht überprüfbar.

Trump sei «schockiert» gewesen von den Schilderungen Putins, behauptete Uschakow. «Angesichts des von Kiew ausgeübten Staatsterrorismus kann die russische Seite nicht anders handeln», betonte er mit Blick auf die Erklärung, dass Russland nun seine Position bei den Friedensverhandlungen auf den Prüfstand stelle. «Dies wurde sehr deutlich zum Ausdruck gebracht», sagte Uschakow. Zugleich habe Putin betont, «dass die russische Seite weiterhin eng und fruchtbar mit den amerikanischen Partnern zusammenarbeiten will, um Wege zum Frieden zu finden».

Trump: «Das ist nicht gut»

Trump bestätigte vor Journalisten, dass Putin ihn über den angeblichen Drohnenangriff informiert habe. Zunächst sagte der US-Präsident, er wisse darüber nichts, er habe aber davon gehört. «Das wäre sehr schade. Das wäre nicht gut.» Kurz darauf konkretisierte Trump erneut darauf angesprochen, dass Putin ihm am Morgen (US-Ortszeit) gesagt habe, er sei angegriffen worden. «Das ist nicht gut.»

Trump verwies in dem Zusammenhang darauf, dass er im Oktober keine Freigabe von Tomahawk-Waffen erteilt hatte, die die Ukraine erbeten hatte. Der Marschflugkörper hat eine hohe Reichweite und hätte die Ukraine in die Lage versetzen können, ihn bis tief in das russische Hinterland abzufeuern. Der US-Präsident sagte: Es sei eine Sache, offensiv zu sein, weil sie (Russland) offensiv gewesen seien. «Aber es ist eine andere Sache, sein Haus anzugreifen.» 

Selenskyj spricht mit Merz und wirft Russland Falschnachrichten vor

Selenskyj bezeichnete den von Putin behaupteten Drohnenangriff als Vorwand Moskaus, den Krieg fortsetzen und erneut auch Regierungsgebäude in Kiew angreifen zu wollen. 

Selenskyj hatte am Sonntag mit Trump in den USA über eine Beendigung des Krieges verhandelt, ohne greifbares Ergebnis. «Es ist klar, dass wir gestern ein Treffen mit Trump hatten, und es ist klar, dass es für die Russen ein Misserfolg ist, wenn es keinen Skandal zwischen uns und Amerika gibt, sondern wir Fortschritte erzielen. Sie wollen diesen Krieg nicht beenden», sagte Selenskyj. Er forderte erneut Druck auf Russland, den Krieg zu beenden.

Er habe auch mit Kanzler Friedrich Merz (CDU) über die Verhandlungen in den USA gesprochen - und auch über die russischen Falschnachrichten von einem Drohnenangriff auf «irgendeine Residenz» Putins. «Putin muss sich daran gewöhnen, dass er den Krieg, die Angriffe und das Blutvergießen beenden muss. Die Ukraine tut alles, um Frieden zu schaffen», teilte Selenskyj nach seinem Telefonat mit Merz mit. 

Die Ukraine wehrt sich immer wieder auch mit Drohnenangriffen auf russische Ziele gegen den Angriffskrieg Moskaus, der seit fast vier Jahren andauert. Der ukrainische Präsident hatte mit seiner Weihnachtsansprache in Russland Kritik ausgelöst mit einer Formulierung, dass die Ukrainer «seinen» Tod wünschten. Auch in der Ukraine hatten das viele so verstanden, dass Putin damit gemeint ist. Namentlich erwähnt hatte Selenskyj ihn aber nicht. 

Kreml: Trump informierte Putin über Gespräch mit Selenskyj

Nach Darstellung Uschakows informierte Trump Putin über die Gespräche mit Selenskyj am Sonntag; die US-Seite habe Selenskyj darauf hingewiesen, dass «Kiew konkrete Schritte zur endgültigen Beilegung des Konflikts unternehmen müsse, anstatt sich hinter Forderungen nach einem vorübergehenden Waffenstillstand zu verstecken», sagte Uschakow. Russland lehnt einen Waffenstillstand ab, weil es nach eigenen Angaben verhindern will, dass die ukrainische Armee sich neu aufstellt und bewaffnet.

Selenskyj sei laut Trump empfohlen worden, «nicht einmal zu versuchen, eine Atempause für seine Streitkräfte zu erreichen, sondern sich auf das Erreichen einer umfassenden Vereinbarung zu konzentrieren, die zu einer wirklichen Beendigung des bewaffneten Konflikts führen würde», sagte Uschakow. Er kündigte an, dass Putin und Trump im Gespräch bleiben wollten.

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29.12.2025 · 21:06 Uhr
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