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Wenn Algorithmen Fonds steuern – wie viel Mensch bleibt beim Investieren übrig?

15. Oktober 2025, 11:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Wenn Algorithmen Fonds steuern – wie viel Mensch bleibt beim Investieren übrig?
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Maschine statt Manager: KI-Fonds erzielten laut Scope-Studie über fünf Jahre geringere Renditen, hielten in Krisenzeiten jedoch besser stand – ein Beweis, dass Algorithmen oft vorsichtiger agieren als Menschen.
Algorithmen übernehmen bei Fonds wie bei LAIC die Entscheidungen und analysieren Millionen Daten. Ist der Mensch noch notwendig oder ergänzt KI nur?

Das Rechenzentrum statt der Chefetage

Bei der Hamburger Vermögensverwaltung LAIC fällt kein Fondsmanager mehr emotionale Entscheidungen. Kein Bauchgefühl, keine Lieblingsaktien, keine spontanen Eingebungen. Stattdessen analysiert eine KI täglich 125 Millionen Datenpunkte für 5000 Aktien – und entscheidet, ob gekauft oder verworfen wird. „Zwischen ja und nein gibt es nichts“, sagt Geschäftsführer Christian Sievers.

Der Mensch hat damit symbolisch abgedankt – zumindest an der Oberfläche. Denn auch wenn neuronale Netze längst Investmententscheidungen treffen, sitzt im Hintergrund noch immer ein Team aus IT- und Finanzspezialisten, das die Maschine beobachtet, justiert, schützt.

KI-Fonds gegen klassische Quants

Die Idee, Maschinen Börsenmuster erkennen zu lassen, ist nicht neu. Doch der Unterschied ist entscheidend: Quant-Fonds arbeiten nach festen mathematischen Regeln – sie filtern etwa nach Bewertung, Volatilität oder Momentum. KI-Fonds dagegen lernen selbst, welche Faktoren relevant sind. Sie imitieren menschliches Denken – nur ohne Müdigkeit, Emotion oder Geduldverlust.

Die Frage, welche Methode besser ist, spaltet die Branche. Selbst Giganten wie AQR Capital Management experimentieren inzwischen mit KI-gestützten Strategien, die über 10.000 Indikatoren auswerten. Kritiker warnen vor „Überoptimierung“, also dem Zurechtbiegen von Daten, bis sie in die Theorie passen. Doch AQR hält dagegen: Zu simple Modelle übersehen zu viele Muster.

Was hier verhandelt wird, ist mehr als nur eine technische Debatte – es ist ein Machtkampf zwischen menschlicher Erfahrung und algorithmischem Instinkt.

Vorsicht statt Wagemut

Interessant ist, dass ausgerechnet die Künstliche Intelligenz, die als Inbegriff des Fortschritts gilt, derzeit konservativer agiert als viele Fondsmanager. Eine Studie der Ratingagentur Scope zeigt: KI-gemanagte Fonds erzielten in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt niedrigere Renditen als klassische Fonds – aber auch deutlich geringere Verluste in Krisenzeiten.

„KI ist in Stressphasen stark“, sagt Analyst László Harsány. Sie habe gelernt, Risiken früh zu erkennen und zu vermeiden. So senkte die KI von LAIC etwa im Frühjahr 2025 die Aktienquote deutlich, als Donald Trump neue Strafzölle ankündigte – und erhöhte sie erst wieder, als sich die Märkte stabilisierten.

Ein menschlicher Fondsmanager hätte diesen Schwenk wohl zögerlicher vollzogen – oder erklären müssen. Die Maschine handelt einfach.

Wenn Maschinen lernen, geduldig zu sein

Während Anleger in Feierlaune sind und Indizes Rekorde brechen, scheint die KI nüchtern zu bleiben. Sie rechnet, nicht träumt. Ihre Entscheidungen orientieren sich an historischen Stressmomenten, an Crashs, an Verlustserien – an dem, was Menschen gerne verdrängen.

Der Nachteil: In Bullenmärkten wirkt sie manchmal zu zaghaft. Anleger, die auf kurzfristige Gewinne hoffen, fühlen sich ausgebremst. Doch in Zeiten wachsender geopolitischer Unsicherheit ist genau das vielleicht ihre größte Stärke: Sie kennt keine Euphorie.

Mensch gegen Maschine – oder miteinander?

Trotz aller Erfolge wollen die meisten Fondsanbieter die KI noch nicht völlig frei agieren lassen. Beim AI-Enhanced Eurozone Equities ETF von Ultramarin darf sie nur leicht vom Index abweichen. „Sie hat keine Glaskugel“, sagt Geschäftsführer Julien Jensen. Doch selbst kleine Abweichungen können Wirkung zeigen: Schon 2024 empfahl die KI, Novo Nordisk zu untergewichten – kurz bevor die Aktie um über 50 % fiel.

Andere Anbieter wie Ampega oder Robeco lassen die KI zwar analysieren, aber nicht entscheiden. Menschen überprüfen ihre Vorschläge. „Die besten Ergebnisse entstehen, wenn Intuition und Rechenleistung zusammenwirken“, sagt Jensen.

Die Grenzen der Intelligenz

Der KI-Boom hat auch Verlierer hervorgebracht. Mehrere ambitionierte Fondsprojekte – darunter der DWS Concept ESG Arabesque AI Global Equity – wurden wieder eingestellt, weil sie weder genug Investoren fanden noch überzeugende Renditen lieferten. Der „Quant-Winter“ von 2019, als viele datengetriebene Strategien versagten, ist der Branche noch in Erinnerung.

Auch die KI ist nicht unfehlbar. Sie kennt keine Zukunft, sondern nur Muster der Vergangenheit. Wer sich blind auf sie verlässt, riskiert, die nächste Krise genauso zu verpassen wie die letzte.

Eine neue Arbeitsteilung an den Märkten

Vielleicht liegt die Zukunft nicht im Entweder-oder, sondern im Zusammenspiel. Die KI rechnet, der Mensch interpretiert. Sie filtert das Rauschen, er bewertet das Risiko.

Bei LAIC in Hamburg arbeiten heute 20 Spezialisten daran, dass die Maschine läuft – und sich nicht verrechnet. Noch braucht sie menschliche Kontrolle. Aber der Trend ist klar: Die Entscheidungsmacht an den Kapitalmärkten verschiebt sich leise – vom Bauchgefühl zur Berechnung.

Was das für Anleger bedeutet? Dass sie künftig mit Systemen konkurrieren, die keine Emotion kennen. Und vielleicht lernen müssen, in Zahlen zu denken, bevor sie fühlen.

Finanzen / Börse / KI / Fonds / Algorithmen
[InvestmentWeek] · 15.10.2025 · 11:00 Uhr
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