Weltsparen-Macher Raisin verdient Millionen und baut die Bank um
Für Raisin war 2024 ein Jahr, das selbst intern kaum jemand in dieser Größenordnung erwartet hatte. Der Betreiber der bekannten Zinsplattform Weltsparen hat seinen Nettogewinn massiv gesteigert – und damit bewiesen, dass das Geschäftsmodell auch jenseits des Niedrigzinsumfelds hochprofitabel sein kann. Laut Konzernabschluss, der im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde, verdiente Raisin im vergangenen Jahr rund 30 Millionen Euro netto. Im Jahr zuvor lag der Gewinn noch bei weniger als einer Million Euro.
Die Zahl ist mehr als ein Achtungserfolg. Sie markiert einen Wendepunkt für eines der bekanntesten deutschen Fintechs, das lange als Wachstums-, aber nicht als Gewinnmaschine galt. Nun zeigt sich: Vermittlung von Tages- und Festgeld kann bei höheren Zinsen ein hochskalierbares, margenträchtiges Geschäft sein.
Plattformgeschäft treibt den Gewinn
Der Gewinnsprung ist vor allem dem Kerngeschäft zu verdanken: der europaweiten Vermittlung von Spareinlagen an Partnerbanken. Raisin bringt Sparer und Banken zusammen, kassiert Provisionen und trägt selbst kaum Zins- oder Kreditrisiken. Dieses Plattformmodell hat sich 2024 als außerordentlich robust erwiesen.
Mit dem Zinsanstieg in Europa kehrten Millionen Privatanleger zurück auf die Suche nach attraktiven Einlagenangeboten. Raisin profitierte davon gleich doppelt: durch steigende Kundenzahlen und höhere Provisionserträge je vermitteltem Euro. Das Ergebnis ist ein Geschäftsmodell, das mit vergleichsweise niedrigen Fixkosten stark mitwächst.
CEO Tamaz Georgadze, der Raisin 2012 mitgegründet hat, kann damit einen lange gehegten Anspruch einlösen: Wachstum und Profitabilität miteinander zu verbinden – ohne Abhängigkeit von immer neuen Finanzierungsrunden.
Die Kehrseite: Millionenverluste bei der Raisin Bank
Doch der Blick in den Konzernabschluss zeigt auch eine Schwachstelle, die zunehmend ins Gewicht fällt: die hauseigene Raisin Bank. Während das Plattformgeschäft hohe Überschüsse erwirtschaftet, schreibt die Bank weiterhin deutliche Verluste in zweistelliger Millionenhöhe.
Die Bank erfüllt für Raisin vor allem eine infrastrukturelle Funktion. Sie übernimmt regulatorische Aufgaben, stellt Konten bereit und fungiert als technisches Rückgrat für Teile des Angebots. Wirtschaftlich ist sie bislang jedoch ein Bremsklotz. Hohe regulatorische Kosten, IT-Investitionen und ein komplexes Geschäftsmodell belasten das Ergebnis.
Der Kontrast könnte kaum größer sein: Auf der einen Seite ein hochprofitables, leicht skalierbares Plattformgeschäft. Auf der anderen Seite eine klassische Bank, die unter denselben strukturellen Problemen leidet wie viele Institute in Europa.
Konzern reagiert mit Umstrukturierung
Raisin zieht daraus nun Konsequenzen. Die Bank soll umstrukturiert werden, um Kosten zu senken und ihre Rolle im Konzern klarer zu definieren. Ziel ist es, die Bank stärker als Dienstleister für das Plattformgeschäft auszurichten – und weniger als eigenständige Ertragseinheit.
Intern gilt die Bank schon länger als notwendiges Übel: regulatorisch unverzichtbar, wirtschaftlich aber schwer zu optimieren. Mit der Umstrukturierung will das Management verhindern, dass die Verluste der Bank den Erfolg des restlichen Konzerns verwässern.
Ob das langfristig gelingt, bleibt offen. Denn Banken lassen sich nicht beliebig verschlanken, ohne regulatorische Risiken einzugehen.
Vom Fintech-Hoffnungsträger zum profitablen Marktführer
Der Gewinnsprung verändert auch die strategische Position von Raisin. Das Unternehmen ist nicht mehr nur ein schnell wachsendes Fintech, sondern ein hochprofitabler Marktführer im europäischen Zinsvermittlungsgeschäft. Das verschafft Handlungsspielraum – etwa für Investitionen, Internationalisierung oder mögliche Zukäufe.
Zugleich erhöht sich der Erwartungsdruck. Ein Konzern, der fast 30 Millionen Euro verdient, wird anders bewertet als ein Start-up im Dauer-Investitionsmodus. Die Frage lautet nun nicht mehr, ob Raisin profitabel werden kann – sondern wie nachhaltig dieses Gewinnniveau ist, insbesondere in einem Umfeld sinkender Zinsen.
Zinsen als Chance – und als Risiko
Der Erfolg von Raisin ist eng mit dem Zinsniveau verknüpft. Hohe Zinsen beleben das Einlagengeschäft, erhöhen die Attraktivität von Vergleichsplattformen und steigern die Provisionsbasis. Sollten die Leitzinsen in den kommenden Jahren wieder deutlich fallen, dürfte sich das Wachstum verlangsamen.
Gleichzeitig hat Raisin bewiesen, dass sein Modell auch bei moderaten Zinsen funktioniert – sofern Volumen und internationale Reichweite weiter steigen. Genau darauf setzt Georgadze: mehr Länder, mehr Banken, mehr Kunden.
Ein Rekordjahr mit strategischem Nachhall
2024 dürfte bei Raisin als Jahr in Erinnerung bleiben, in dem aus dem Vorzeige-Fintech ein hochprofitables Unternehmen wurde. Doch der Konzernabschluss zeigt auch: Der Erfolg ist ungleich verteilt. Während das Plattformgeschäft glänzt, bleibt die eigene Bank ein Sanierungsfall.
Für Georgadze ist das die nächste Bewährungsprobe. Er muss beweisen, dass Raisin nicht nur hohe Gewinne erzielen, sondern auch strukturelle Altlasten in den Griff bekommen kann. Das Rekordergebnis ist dafür ein starkes Argument – aber noch kein Selbstläufer.


