Manipulation bei Anzügen

«Watsche» und geheime Bilder: Skisprung-Streit tobt weiter

13. März 2025, 18:56 Uhr · Quelle: dpa
Die Suspendierung von Norwegens Skisprung-Weltmeistern Lindvik und Forfang hat nur kurzzeitig Druck von der Fis genommen. Ein deutscher Olympiasieger ist stinksauer.

Oslo (dpa) - Skisprung-Boss Sandro Pertile saß mit zersaustem Haar auf dem Pressepodium am Holmenkollen und kämpfte um das Image seiner Sportart. Insgesamt acht Norweger - darunter die Weltmeister Marius Lindvik und Johann André Forfang - hat der Weltverband Fis im Skandal um vorsätzlich manipulierte Anzüge in gerade einmal 24 Stunden suspendiert. 

Doch das dürfte nur der Anfang einer möglicherweise jahrelangen Aufarbeitung sein. «Der Schaden ist bereits enorm», gestand Pertile. Sein Verband, der in den vergangenen Tagen kein gutes Bild abgab, steht von allen Seiten massiv unter Druck: Medial werden nach dem per Video dokumentierten Betrug des WM-Gastgebers schnelle Lösungen gefordert, von den anderen Teams eine umfassende Aufarbeitung - und nebenbei läuft der Weltcup weiter.

Wenig Klarheit nach Pressekonferenz

Einen Tag nach den ersten fünf Suspendierungen legte die Fis nach: Nach den Top-Athleten Lindvik, Forfang und Trainer Magnus Brevig und zwei weiteren Offiziellen werden nun auch Kristoffer Eriksen Sundal, Robert Johansson und Robin Pedersen vorläufig gesperrt. Besonders skurril: Diese drei Athleten hatten nur wenige Minuten zuvor noch beim offiziellen Training in Oslo Sprünge absolviert.

Bei anderen Fragen verwiesen Pertile und Fis-Generalsekretär Michel Vion auf die laufenden Untersuchungen. Viel Klarheit brachte die Runde nicht. Es wird eine Menge Zeit brauchen, um alle Fragen zu beantworten. Die Auswertung der konfiszierten Anzüge habe immerhin gegeben, dass es bei den Skispringerinnen und den beiden Teams der Nordischen Kombination keinerlei Auffälligkeiten an der Sprungkleidung gebe.

Hannawald beklagt «Dreistigkeit» der Norweger

Doch nicht nur die Fis steht verbal unter Beschuss, sondern auch und vor allem Norwegens Skispringer. Die Version von Lindvik und Forfang, wonach sie von all den Betrugsmaschen nichts gewusst haben wollen, stößt vielen Rivalen und Experten sehr sauer auf. 

Besonders laut schimpfte die deutsche Skisprung-Legende Sven Hannawald. «Wie kann man so dreist sein und uns alle irgendwie gefühlt verarschen, indem man sagt, ich konnte nichts dafür? Wenn das so sein soll, dann sind es die zwei blindesten Springer auf der ganzen Welt», sagte Hannawald.

Der WM-Gastgeber hatte bei Anzügen ein illegales steifes Band angebracht, das für mehr Stabilität nach dem Absprung sorgen soll. Dass es sich wie geschildert um Einzelfälle bei lediglich einem Wettbewerb handelt, glaubt in der Szene fast niemand. «Die Art der Dreistigkeit, die da an den Tag gelegt wird, die übersteigt jegliche Vorstellungen», schimpfte Hannawald im Sportschau-Podcast der ARD. Für alle anderen Springer sei dies «eine Watsche ins Gesicht».

Geheime Bilder aus dem Aufwärmraum

So sieht es auch Olympiasieger Severin Freund, der an Norwegens Darstellung des einmaligen Betrugs zweifelt. «Es ist erstens nicht glaubwürdig, weil du es im Vorfeld testen musst. Es ist routiniert, und man weiß haargenau, was man tut. Warum würde man das machen, wenn man auf der Kleinschanze schon eine Goldmedaille gemacht hat? Das macht absolut keinen Sinn», sagte Freund im ZDF.

Als wäre die Situation für die Fis und alle Nationen nicht bereits kompliziert genug, tauchten am späten Mittwochabend erneut geheim aufgenommene Bilder auf. Anders als bei den Norwegern, die in einer abgeklebten Stadion-Loge Anzüge manipuliert haben, ist diesmal nicht der Inhalt des Materials besonders heikel, sondern der Ort der Aufnahmen.

Jakub Balcerski vom Portal «sport.pl» teilte die ihm aus anonymer Quelle zugespielten Fotos von Athleten aus Österreich im Aufwärmraum an der Skisprungschanze von Trondheim. In diesen Bereich der Anlage kommen nur sehr wenige ausgewählte Menschen. Das Filmen, Fotografieren und Veröffentlichen in und aus diesen Bereichen ist vom Weltverband Fis streng untersagt. Der Österreichische Skiverband (ÖSV) wollte die geheim aufgenommenen Fotos auf Anfrage nicht kommentieren.

Restliche Saison hat für Weltverband hohe Priorität

Der Autor weist zwar auf Auffälligkeiten bei Handschuhen, Schuhen und dem oberen Teil des Anzugs hin, räumt aber selbst ein, dass es keine Beweise oder echte Indizien für einen Betrug gebe. Österreich hat am vergangenen Samstag als eine der ersten Nationen Protest gegen den Start der Norweger eingelegt und von der Fis in der Folge gefordert, alle WM-Ergebnisse des Gastgebers zu annullieren.

Doch die WM-Konsequenzen stehen derzeit noch nicht im Fokus der Fis. Der Weltverband will die Saison ordentlich beenden und plant dies - neben den acht Suspendierungen - vor allem mit einem temporär verschärften Regelwerk.

Fis übernimmt Kontrolle über die Anzüge

Ab sofort dürfen die Athleten bis zum Saisonfinale Ende März nur noch mit einem Sprunganzug antreten. Dabei muss es sich um einen Anzug handeln, der in diesem Winter bereits mit einem Identifikations-Chip ausgestattet wurde. Ein zweiter Anzug kann als Backup zur Verfügung stehen, falls der erste kaputtgeht.

Jeder ausgewählte Anzug soll vor dem heutigen Weltcup am Holmenkollen in Oslo zusammen mit den Sportlern kontrolliert werden. Die Sprunganzüge werden nach dem Wettkampf von Offiziellen der Fis eingesammelt. Rund 30 Minuten vor dem nächsten Training oder Wettbewerb sollen sie erneut ausgegeben werden.

Das Weltcup-Springen in der norwegischen Hauptstadt gewann der Japaner Ryoyu Kobayashi. Am Holmenkollen siegte der Olympiasieger von 2022 nach Sprüngen auf 129,5 und 127 Meter klar vor Jan Hörl aus Österreich und dem Deutschen Karl Geiger. Andreas Wellinger fiel im zweiten Durchgang noch von Rang zwei auf Platz sieben zurück. Philipp Raimund belegte Rang fünf und komplettierte ein im Weltcup lange nicht mehr erlebtes starkes deutsches Teamergebnis.

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13.03.2025 · 18:56 Uhr
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