Verteidigung

Was beim Wehrdienst geplant ist und worüber gestritten wird

16. Oktober 2025, 04:20 Uhr · Quelle: dpa
Die Bundeswehr plant Änderungen am Wehrdienst, um mehr Soldaten zu gewinnen. Debatten über Musterung und Losverfahren halten die Politik in Atem.

Berlin (dpa) - Ab dem kommenden Jahr soll sich beim Wehrdienst vieles ändern. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte neue Regeln in einen Gesetzentwurf gegossen, dem im August auch das Bundeskabinett zustimmte. Doch die Unionsfraktion ist unzufrieden und Fachpolitiker der Koalition im Bundestag sind es auch. Deren Änderungsvorschläge gefallen wiederum Pistorius nicht. Es geht um die Musterung und auch um mögliche Losverfahren. 

Es kam schließlich zum Knall, eine Einigung wurde abgeblasen. Nun wird der ursprüngliche Entwurf in erster Lesung im Parlament beraten. Bis zur Verabschiedung im Bundestag dürfte sich wie bei jedem Gesetz und besonders mit Blick auf die nicht ausgeräumten Meinungsverschiedenheiten hier aber noch einiges ändern. Ein Überblick über die Konfliktlinien.

Warum soll der Wehrdienst überhaupt neu geregelt werden?

Die Bundeswehr soll wachsen. Als Begründung wird eine massive «Verschärfung der Bedrohungslage in Europa infolge des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine» genannt. «Die Aufgaben der unmittelbaren Landesverteidigung im Rahmen der nationalen und Nato-Verteidigungsplanung erfordern einen deutlich höheren Friedensumfang an aktiven Soldatinnen und Soldaten», heißt es weiter im Gesetzentwurf.

Um welche Zahlen geht es dabei?

Gebraucht werden laut Entwurf 460.000 Soldaten, rund 260.000 in der stehenden Truppe und 200.000 Reservisten. Aktuell gibt es rund 183.000 aktive Soldaten und laut Jahresbericht der Wehrbeauftragten rund 50.000 beorderte Reservisten, also Reservisten, die auf einem bestimmten Dienstposten eingeplant sind.

Was soll sich ändern?

Die Wehrpflicht gibt es noch, sie ist aber seit 2011 ausgesetzt. Es gibt seitdem einen freiwilligen Wehrdienst. Dabei soll es, wenn möglich, bleiben, hier ist man sich einig. Um mehr Freiwillige zu gewinnen, soll die sogenannte Wehrerfassung reformiert werden. Ziel ist es, ein besseres Lagebild darüber zu bekommen, wie viele pro Jahrgang für einen Dienst in der Truppe überhaupt infrage kommen. Erklärtes Ziel ist es auch, dass allein schon dadurch, dass sich junge Menschen künftig mit dem Thema direkt beschäftigen müssen, die Zahl der Freiwilligen steigt. Außerdem soll es größere Anreize für den Dienst geben.

Wie soll das nach den bisherigen Plänen erreicht werden?

Wer nach dem 1. Januar 2026 volljährig wird, bekommt – so der Plan von Pistorius – irgendwann nach dem 18. Geburtstag einen Brief mit einem QR-Code, der zu einem Online-Fragebogen führt. Dort werden persönliche Daten wie der Bildungsabschluss, Körpergröße, Gewicht und eine mögliche Bereitschaft zum Wehrdienst abgefragt.

Junge Frauen müssen diesen Bogen nicht ausfüllen, junge Männer schon. Gerechnet wird mit rund 300.000 bis 350.000, die das pro Jahr betrifft. Wer den Fragebogen ignoriert oder darin falsche Angaben macht, begeht laut Gesetzentwurf eine Ordnungswidrigkeit, die mit Bußgeld bedroht ist. 

Und alle jungen Männer müssen wieder zur Musterung? 

Das ist einer der Knackpunkte. Pistorius will das. Er hat noch einmal betont, dass er eine flächendeckende Musterung für notwendig hält. Ab 1. Juli 2027 soll sie nach den bisherigen Plänen in Deutschland wieder aufgenommen werden – 2027, weil die Strukturen dafür erst wieder aufgebaut werden müssen. Die Verteidigungsexperten von Union und SPD schlagen dagegen vor, nur dann zur Musterung zu laden, wenn sich in Schritt eins zu wenig Freiwillige melden. Über eine Zufallsauswahl (Losverfahren) würden dann weitere junge Männer zu einer verpflichtenden Musterung eingeladen. Der Wehrdienst bliebe aber auch für sie freiwillig.

Ab wann könnte die ganze Freiwilligkeit kippen?

Das ist der zweite Knackpunkt und auch hier geht es um ein mögliches Losverfahren. In Pistorius' Gesetzentwurf ist die Option vorgesehen, dass die Bundesregierung anordnen darf, Ungediente einzuziehen, «wenn die verteidigungspolitische Lage einen schnellen Aufwuchs der Streitkräfte zwingend erfordert, der auf freiwilliger Grundlage nicht erreichbar ist». Eine solche Verordnung bräuchte zwar noch die Bestätigung des Bundestages.

Die Verteidigungsexperten der Koalition wollen solche Entscheidungen aber lieber direkt in die Hand des Bundestages legen und dies außerdem konkreter regeln. Falls nicht genügend Freiwillige zusammenkommen, soll nach ihrem Vorschlag der Bundestag beschließen, eine Einberufung zu ermöglichen, die sich aber nach dem zahlenmäßigen Bedarf richtet, den die Bundeswehr hat. Eingezogen würden dann durch ein Zufallsverfahren (Losverfahren) nur so viele junge Männer wie gebraucht würden. Wer verweigert, müsste einen Ersatzdienst leisten.

Aber wäre Auslosen nicht ungerecht und damit verfassungswidrig? 

Das ist die schwierige Frage. Kann die Wehrpflicht auf einen militärisch notwendigen Personalbedarf begrenzt und ausgelost werden oder lässt das Grundgesetz aus Gründen der Wehrgerechtigkeit nur die allgemeine Wehrpflicht für alle zu? Der frühere Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio kommt in einem Gutachten für die Unionsfraktion zu dem Schluss, dass eine «Kontingentwehrpflicht» und ein Losverfahren zulässig wären. 

«Ein ordnungsgemäßes Losverfahren stellt keine Ausformung von Willkür, sondern unter der Verwendung bestimmter Variablen und Verfahrensgrundsätze die Gewährleistung eines gerechten Zufallsverfahrens dar, innerhalb dessen der Zufall als eine objektive Konstante fungiert», schreibt er. Im Zweifel entscheidet das Bundesverfassungsgericht. Klagen gegen eine solche Regelung, wenn sie denn kommt, dürfte es geben.

Welche Anreize sind geplant, damit mehr Freiwillige kommen? 

Die Bezahlung soll deutlich besser werden. Wehrdienstleistende sollen dem bisherigen Entwurf zufolge künftig wie Zeitsoldaten, die sich länger verpflichten, behandelt werden. Das bedeutet einem Sprecher des Verteidigungsministeriums zufolge künftig etwa 2.300 Euro netto Startgehalt statt wie bisher 1.600 bis 1.700 Euro.

Zudem soll es einen saftigen Zuschuss von bis zu 3.500 Euro für den Autoführerschein geben, allerdings nur für diejenigen, die mindestens zwölf Monate Wehrdienst leisten. Der Führerschein müsste zudem im Zeitraum von einem Jahr vor und einem Jahr nach dem Wehrdienst gemacht werden.

Verteidigung / Bundestag / Deutschland / Fragen & Antworten
16.10.2025 · 04:20 Uhr
[0 Kommentare]
marienkäfer, insekt, glücksbringer, punkte, blüte, bestäubung, frühling, farbe, blätter, pollen
Hohe Temperaturen und Quellwolken im Süden Der Pfingstmontag verläuft sonnig und trocken. Über den Bergen im Süden entstehen einige Quellwolken, während es insgesamt meist trocken bleibt. Die Höchstwerte erreichen 19 Grad an der nordfriesischen Küste und bis zu 33 Grad am Oberrhein. Klare Nacht mit lokalem Nebel In der Nacht zum Dienstag zeigt sich der Himmel […] (04)
vor 7 Minuten
Ireland Baldwin
(BANG) - Ireland Baldwin hat bekannt gegeben, dass sie ihr zweites Kind mit ihrem langjährigen Partner RAC erwartet. Drei Jahre nachdem das Paar Tochter Holland willkommen hieß, teilte die 30-Jährige die Neuigkeit in einem verspielten Social-Media-Video. Gemeinsam mit RAC – mit bürgerlichem Namen André Allen Anjos – veröffentlichte sie den […] (00)
vor 1 Stunde
2CV-Comeback: Legendäre Ente kehrt als Stromer für unter 15.000 Euro zurück
Sie soll, wie früher, ein echtes »Volksauto sein, »gemacht für den Alltag« – und nun die Elektromobilität demokratisieren: Citroën-Chef Xavier Chardo hegt mit dem Comeback der Ente große Pläne. Der legendäre, kurvige Kleinwagen habe, so Chardo, 1948 »Millionen Menschen die Freiheit der Mobilität geschenkt«. Zeit also, den Gedanken auf moderne Art neu zu […] (11)
Samstag um 16:09
Destiny 3 liegt laut Bloomberg-Report auf Eis – Bungie plant wohl massiven Stellenabbau
Was Bungie-Fans bereits befürchtet haben, zeichnet sich jetzt als düstere Realität ab: Destiny 3 befindet sich nicht in Entwicklung. Stattdessen will das Studio einem Bericht von Bloomberg-Journalist Jason Schreier zufolge eine „signifikante Anzahl“ an Mitarbeitern entlassen. Die Nachricht kommt keine drei Wochen vor dem endgültigen Support-Ende von […] (00)
vor 1 Stunde
«The Rookie» beendet achte Staffel mit Rekordreichweite
Das Finale der ABC-Serie erreichte plattformübergreifend mehr als neun Millionen Zuschauer und stellte Streaming-Bestwerte auf. ABC kann sich über starke Zahlen für das Finale der achten Staffel von The Rookie freuen. Wie der Sender mitteilte, erreichte die letzte Episode der Season nach sieben Tagen plattformübergreifend insgesamt 9,25 Millionen Zuschauer. Damit lag das Finale sowohl über dem […] (00)
vor 1 Stunde
Formel 1 - Großer Preis von Kanada - Rennen
Montréal (dpa) - Bei der Frage nach den Ratschlägen für Wunder-Teenager Kimi Antonelli im Titelkampf der Formel 1 hörte die Freundschaft bei Lewis Hamilton dann doch kurzzeitig auf. «Ich glaube, du vergisst, dass wir Konkurrenten sind», antworte der 41 Jahre alte siebenmalige Champion einem Reporter: «Er macht seine Sache bereits großartig. Ich werde […] (00)
vor 57 Minuten
Die Fragmentierung des globalen Internets und ihre wirtschaftlichen Folgen
In seiner wöchentlichen Kolumne analysiert Michael C. Jakob die großen Kräfte hinter Kapital, Technologie und geopolitischer Macht. Statt kurzfristiger Schlagzeilen stehen langfristige Entwicklungen im Fokus: neue Industrien, verschiebende Machtzentren, aufstrebende Technologien und die Frage, wie Vermögen im 21. Jahrhundert tatsächlich entsteht. […] (00)
vor 28 Minuten
Die Türklingel – klein im Format, groß in der Wirkung | KNOBLOCH
Döbeln, 25.05.2026 (PresseBox) - Die Türklingel gehört zu den meistgenutzten Elementen am Hauseingang. Sie ist der erste Berührungspunkt für Besucher, Zusteller und Dienstleister und beeinflusst den Eindruck des Eingangsbereichs unmittelbar. Eine gut sichtbare Klingelplatte mit eindeutig zugeordnetem Taster erleichtert die Orientierung und sorgt für […] (00)
vor 4 Stunden
 
Zwei Frauen mit Kinderwagen (Archiv)
Berlin - SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese fordert Familienministerin Karin […] (05)
Vereinte Nationen (Archiv)
Stockholm - Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri sieht die Zukunft […] (00)
UN-Friedenstruppen im Libanon
Stockholm (dpa) - Sie sind weltweit im Einsatz, oft unter gefährlichen Bedingungen: […] (04)
Prozess gegen Ex-RAF-Terroristin Klette
Verden (dpa) - Die mutmaßliche Serienräuberin und ehemalige RAF-Terroristin Daniela […] (02)
Hitzestau? Sonys körpernahe mobile Klimaanlage kühlt dich ab!
Eine Klimaanlage als Wearable? Ja, die gibt’s wirklich, und das schon seit 2019. […] (02)
VfL Wolfsburg - SC Paderborn 07
Wolfsburg (dpa) - Wolfsburgs Sportdirektor Pirmin Schwegler hatte es schon vor dem […] (02)
Capcom schwört auf menschliche Kunst – doch hinter den Kulissen brummen schon die KI-Server
Ein Statement, das wie eine Kampfansage klingt: Capcom werde niemals generative KI […] (00)
Apple dominiert Smartphone-Weltmarkt im ersten Quartal 2026
Im ersten Quartal 2026 hat Apple mit dem iPhone die Führung auf dem […] (01)
 
 
Suchbegriff