Investmentweek

Während Kiew erfriert: Selenskyj nutzt die Katastrophe für die finale Abrechnung mit Klitschko

15. Januar 2026, 13:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Während Kiew erfriert: Selenskyj nutzt die Katastrophe für die finale Abrechnung mit Klitschko
Foto: InvestmentWeek
Infrastruktur-Kollaps in der Ukraine: Die Regierung ruft den Notstand aus und kritisiert die Kiewer Stadtverwaltung scharf.
Russische Angriffe verursachen in Kiew Strom- und Heizungsausfälle, Präsident Selenskyj kritisiert die lokale Führung und übernimmt Kontrolle.

Die ukrainische Hauptstadt ist in weiten Teilen unbewohnbar geworden. Was wie eine Übertreibung klingt, ist die nüchterne Bestandsaufnahme einer Stadt, die bei minus 18 Grad Celsius ums Überleben kämpft. Die russischen Luftangriffe auf die Versorgungsnetze haben Kiew in eine humanitäre Katastrophe gestürzt, die nun auch das politische Gefüge der Ukraine erschüttert.

Hunderttausende Menschen sind ohne Strom, Wasser und Heizung. Die Reaktion der Zentralregierung folgte prompt und drastisch: Präsident Wolodymyr Selenskyj rief den Energienotstand für den gesamten Sektor aus. Ein Schritt, der militärisch und logistisch notwendig erscheint, jedoch eine unübersehbare innenpolitische Sprengkraft besitzt.

Mit der Einsetzung eines neuen Koordinationsstabes greift die Zentralregierung direkt in die Verwaltung der Dreimillionenstadt ein. Dies ist nicht nur eine administrative Hilfsmaßnahme, sondern eine direkte Desavouierung der lokalen Behörden.

Die Zentralregierung entzieht der Kiewer Stadtverwaltung demonstrativ das Vertrauen

Die Rhetorik aus dem Präsidialamt lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Selenskyj nutzte seine abendliche Videoansprache für eine scharfe Attacke gegen das Management der Hauptstadt. Während andere stark betroffene Städte wie Charkiw oder Dnipro für ihre Vorbereitungen gelobt wurden, wurde Kiew öffentlich an den Pranger gestellt.

„Kiew hat leider deutlich weniger getan“, so das vernichtende Urteil des Präsidenten.

Die Reparaturarbeiten gingen nicht intensiv genug voran, die Vorbereitung sei mangelhaft gewesen. Diese öffentliche Rüge durch das Staatsoberhaupt in Kriegszeiten kommt einem politischen Misstrauensvotum gleich.

Energieminister Denys Schmyhal flankierte den Angriff im Parlament. Seine Aussage, Kiew habe sich „überhaupt nicht vorbereitet“, legitimiert die Notfallmaßnahmen der Regierung. Die Botschaft ist klar: Die lokale Ebene unter Bürgermeister Vitali Klitschko hat versagt, der Zentralstaat muss nun die Kontrolle übernehmen.

Der humanitäre Notstand reißt alte politische Gräben wieder auf

Hinter den Kulissen der Katastrophenhilfe bricht ein Konflikt auf, der seit Beginn der russischen Invasion nur mühsam durch einen Burgfrieden unterdrückt wurde. Selenskyj und Klitschko sind alte politische Rivalen, spätestens seit der Präsidentschaftswahl 2019.

Die aktuelle Eskalation zeigt, dass der innenpolitische Waffenstillstand bröckelt. Dass der Präsident die Notsituation nutzt, um Kompetenzen an sich zu ziehen, deutet auf einen aggressiveren Führungsstil hin, der wenig Raum für autonome lokale Akteure lässt. Klitschko selbst bezeichnete die Kritik als „ununterbrochenen Hass“ und wies die Vorwürfe der Untätigkeit scharf zurück.

Die Infrastruktur steht trotz pausenloser Reparaturarbeiten vor dem Kollaps

Ungeachtet der politischen Schuldzuweisungen ist die physische Lage in der Stadt prekär. Die Zahlen, die Klitschko präsentierte, zeichnen das Bild einer Infrastruktur am Limit: Anfangs waren 6.000 Wohnblocks – die Hälfte des Kiewer Bestands – ohne Heizung. Zwar konnte diese Zahl auf 400 reduziert werden, doch bei strengem Frost kühlen Gebäude binnen Stunden lebensbedrohlich aus.

Der Rhythmus der Energieversorgung ist volatil. Bürger haben oft nur drei Stunden Strom, gefolgt von zehn oder mehr Stunden Dunkelheit. Die Einrichtung von 1.200 „Punkten der Unbeugsamkeit“, an denen sich Menschen aufwärmen können, ist eine reine Überlebensmaßnahme, keine Lösung des strukturellen Problems.

Die Regierung erwägt nun sogar die Lockerung der nächtlichen Ausgangssperre, damit diese Wärmestuben jederzeit erreichbar sind. Dies unterstreicht den Ernst der Lage: Sicherheitsbedenken müssen hinter dem nackten Erfrierungsschutz zurückstehen.

Die diplomatischen Bemühungen laufen parallel zur Kältewelle weiter

Während Kiew friert, läuft die internationale Diplomatie weiter auf Hochtouren. Der Europarat und Menschenrechtskommissar Michael O'Flaherty zeigen sich alarmiert über das Leid, doch konkrete Abhilfe schafft dies kurzfristig nicht.

Selenskyj fokussiert sich parallel auf Verhandlungen mit den USA und europäischen Partnern über Sicherheitsgarantien. Chefunterhändler Rustem Umjerow treibt die Gespräche voran. Die Erwartung an eine „energische Arbeit von amerikanischer Seite“ zeigt, wie sehr Kiew auf externe Unterstützung angewiesen ist, um den militärischen und wirtschaftlichen Kollaps zu verhindern.

Der Winter wird zum entscheidenden Stresstest für die ukrainische Resilienz – nicht nur militärisch, sondern auch institutionell. Wenn die politische Führungseinheit im Angesicht des Frosts zerbricht, droht der Ukraine eine zweite Front im eigenen Land.

Politik / Ukraine / Kiew / Selenskyj / Humanitäre Krise / Russische Angriffe / Konflikt
[InvestmentWeek] · 15.01.2026 · 13:00 Uhr
[1 Kommentar]
Iran-Krieg - Libanon
Washington/Teheran (dpa) - Nach der Einigung ist vor der Einigung? Eine zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg und eine angekündigte Öffnung der Straße von Hormus ließen die Welt in der Nacht zunächst aufatmen. Doch wohin führt das? Ein Zehn-Punkte-Plan soll die Basis weiterer Verhandlungen sein. Viele Fragen sind offen. Ist der Krieg jetzt zu Ende? Das […] (05)
vor 25 Minuten
Karol G hat enthüllt, dass ihr geraten wurde, sich nicht gegen die US-Einwanderungsbehörden zu äußern
(BANG) - Karol G hat enthüllt, dass ihr geraten wurde, sich nicht gegen die US-Einwanderungsbehörden zu äußern, da sie sich sonst angeblich Probleme mit ihrem Visum einhandeln könnte. Der kolumbianische Superstar bereitet sich darauf vor, an beiden Sonntagen beim Coachella-Festival in Indio, Kalifornien, als Headliner aufzutreten. Neben ihr gehören auch […] (00)
vor 2 Stunden
Teufel MOTIV GO 2 – Klang, der überall dabei ist – zuhause und unterwegs
Teufel präsentiert den MOTIV GO 2, die aktualisierte Neuauflage des stylischen, portablen Bluetooth-Stereo-Speakers, der kraftvollen Sound mit alltagstauglicher Robustheit verbindet. Zwei präzise Vollbereichstreiber und zwei passive Bassmembranen sorgen für lebendigen, druckvollen Stereo-Klang. Mit Teufel Dynamore entsteht ein beeindruckend weites […] (00)
vor 1 Stunde
Warum Benzin in Deutschland so teuer ist – und wie sich der Preis wirklich zusammensetzt
Wer aktuell an die Tankstelle fährt, kennt das Gefühl: Der Blick auf die Zapfsäule sorgt oft für Stirnrunzeln. Preise von rund zwei Euro pro Liter sind längst keine Seltenheit mehr. Viele fragen sich deshalb völlig zurecht: Warum ist Benzin eigentlich so teuer – und wer verdient daran wirklich? Die Antwort darauf ist deutlich komplexer, als es auf den […] (01)
vor 1 Stunde
Paramount bestätigt Rückzug von Jeff Shell nach Vorwürfen
Der Präsident von Paramount zieht sich im Zuge eines Rechtsstreits aus seinen Ämtern zurück. Beim Medienkonzern Paramount kommt es zu einem personellen Einschnitt: Jeff Shell wird seine Funktionen als Präsident sowie als Mitglied des Verwaltungsrats niederlegen. Hintergrund ist eine zivilrechtliche Klage, in der ihm Verstöße gegen Offenlegungspflichten der US-Börsenaufsicht vorgeworfen werden. […] (00)
vor 1 Stunde
Nina Engel
Skopje (dpa) - Die deutschen Handballerinnen bleiben in der Europameisterschafts-Qualifikation weiter ungeschlagen. Das runderneuerte Team von Bundestrainer Markus Gaugisch setzte sich am fünften Spieltag gegen Nordmazedonien mit 35: 27 (19: 14) durch. Beste Werferin in Skopje war vor rund 400 Zuschauern Nina Engel mit neun Toren. Da die Vize- […] (00)
vor 1 Stunde
bitcoin, crypto, finance, coin, money, currency, cryptocurrency, blockchain, investment, closeup
Altcoins zeigen technische Signale, die seit 2020 nicht mehr beobachtet wurden. Ein Ausbruch aus einem mehrjährigen Keilmuster und ein bevorstehender MACD-Crossover ziehen diese Woche die Aufmerksamkeit auf sich. Ausbruchsmuster und Momentum-Signale kehren zurück Der Analyst Mark Chadwick wies in einem Beitrag auf X am 8. April auf diese Signale hin […] (00)
vor 1 Stunde
ClickRent-Datenleck: 2,5 Millionen Kunden des Autovermieters betroffen
Lahr, 08.04.2026 (lifePR) - Beim spanischen Autovermieter ClickRent ist es offenbar zu einem massiven Datenschutzvorfall gekommen, der für Millionen Kunden erhebliche Folgen haben kann. Nach Berichten spanischer Medien vom 31. März 2026 und 1. April 2026 sollen rund 2,5 Millionen Datensätze betroffen sein; abgeflossen sein sollen unter anderem Ausweisdokumente, […] (00)
vor 2 Stunden
 
Buckelwal liegt weiterhin in Wismarer Bucht
Wismar (dpa) - Der Fall des an der Ostseeküste gestrandeten Wals gilt nach […] (04)
Frankfurter Börse
Frankfurt/Main - Der Dax ist am Mittwoch nach der Feuerpause im Iran-Krieg mit einem […] (00)
Marcel Fratzscher (Archiv)
Berlin - Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel […] (02)
Hapag-Lloyd (Archiv)
Hamburg - Nach der Vereinbarung einer zweiwöchigen Waffenruhe zwischen den USA und […] (00)
Glorious Gaming – GHS Eternal und GHS Eternal RGB bereiten den Weg in eine neue Produktkategorie
Glorious Gaming, ein weltweit führender Anbieter von PC-Gaming-Hardware, kündigt […] (01)
ZDF bringt neuen «Landkrimi»
Das Buch zu dem Fall schrieb Marie Kreutzer, die auch direkt die Regie übernahm Der Krimi- […] (00)
Stephen Colbert hält sich mit einem 'eisernen Griff' an 'The Late Show' fest.
(BANG) - Stephen Colbert hält sich mit einem "eisernen Griff" an 'The Late Show' […] (01)
Sporting Lissabon - FC Arsenal
Lissabon (dpa) - Dank Kai Havertz hat sich Premier-League-Tabellenführer FC Arsenal […] (02)
 
 
Suchbegriff