Wachsende Bärenpopulationen in Japan: Eine Herausforderung für Mensch und Natur
Japans Bärenpopulationen, insbesondere auf der nördlichen Insel Hokkaido, erleben seit einigen Jahren einen deutlichen Anstieg. Laut Schätzungen hat sich die Zahl der Braunbären in Hokkaido über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten bis 2020 mehr als verdoppelt und beträgt nun rund 11.700. Die Situation der Schwarzbären, die hauptsächlich auf der Hauptinsel Honshu beheimatet sind, ist ähnlich: Eine Analyse der Zeitung Yomiuri Shimbun aus dem Jahr 2023 beziffert ihre Zahl auf etwa 44.000, was einem dreifachen Anstieg seit 2012 entspricht.
Diese Zunahmen sind auf strengere Jagdrestriktionen und verstärkte Naturschutzmaßnahmen zurückzuführen, betont die Organisation für Waldforschung und -management in Japan. Gleichzeitig sorgt die sinkende Bevölkerungszahl in ländlichen Regionen dafür, dass Bären vermehrt in die Nähe von Städten und Dörfern sowie auf aufgegebene landwirtschaftliche Flächen vordringen.
Allerdings mangelt es vielen lokalen Behörden an Expertise im Umgang mit Bären, und die bisherige Abhängigkeit von Freizeithuntern für den Schutz der Siedlungen erweist sich mit dem demografischen Wandel als nicht nachhaltig. Interviewpartner von Reuters, darunter Experten, Jäger und Anwohner, fordern ein Umdenken im Umgang mit Mensch-Bär-Konflikten, welches den Schutz der Bevölkerung mit dem Fortbestand der Bären in Einklang bringt.
In Städten und Gemeinden auf Hokkaido, wie Sunagawa, Naie, Iwamizawa und Takikawa, stellen sich viele Bewohner bereits die Frage, wie die Situation bewältigt werden soll, wenn die Jäger altersbedingt ihre Tätigkeit einstellen.

