Von Feinden umzingelt: Russische Weltsicht unter der Lupe
In einer Zeit, in der geopolitische Spannungen stetig zunehmen, offenbart eine aktuelle Umfrage des unabhängigen Lewada-Zentrums in Moskau eine bemerkenswerte Erkenntnis: Eine wachsende Zahl von Russen sieht ihr Land vom Ausland bedroht und zugleich als unschuldiges Opfer internationaler Konflikte. Präsentiert von Soziologe Lew Gudkow in Berlin, deutet die Erhebung im Auftrag der Deutschen Sacharow Gesellschaft auf die tiefgreifenden Auswirkungen jahrelanger antiwestlicher Propaganda hin.
In den letzten über drei Jahrzehnten habe Russland nur sechs Jahre in Frieden verbracht, so Gudkow, was zu einer 'Militarisierung des Bewusstseins' geführt habe. Die Umfrage, die über 1.600 Teilnehmer umfasst, zeigt, dass Polen und Litauen von 62 Prozent der Befragten als feindlich betrachtet werden, gefolgt von Großbritannien, Deutschland und Schweden. Die USA werden vor allem als Konkurrent angesehen, während Belarus, China, Kasachstan, Indien und Nordkorea als enge Verbündete genannt wurden.
Interessant ist die wechselhafte Wahrnehmung der USA durch die russische Bevölkerung. Während der Amtszeit von Joe Biden, der die Ukraine unterstützt, sank das Ansehen, stieg jedoch mit der Präsidentschaft Donald Trumps, welcher Frieden in Aussicht stellte.
Lew Gudkow erklärt, dass sich viele Russen vom Krieg ermüdet fühlen und Trump Hoffnungsträger für ein Ende der Konflikte sei. Im Gegensatz dazu zeigt Kremlchef Wladimir Putin wenig Interesse an einer Konfliktlösung. Gleichwohl ist das Friedensverlangen der Russen nicht mit Kompromissbereitschaft gleichzusetzen: Der Glaube an einen ukrainischen Rückzug bleibt vorherrschend.
Mit Blick auf die Invasion in die Ukraine betrachten 65 Prozent der Russen ihr Land nicht als Aggressor, eine signifikante Steigerung zu den 36 Prozent im Jahr 1998. Dieser Wandel in der Wahrnehmung ist eine eindrückliche Demonstration der Macht der Propaganda und ihrer Rolle im internationalen Kontext.

