Visa-Streit gefährdet milliardenschwere südkoreanische Investitionspläne in den USA
Die südkoreanischen Investitionsprojekte in den USA stehen auf wackeligen Füßen, solange das Visaproblem ungelöst bleibt. Premierminister Kim Min-seok drängt Washington, zügig Maßnahmen zu ergreifen, um die Besorgnis koreanischer Arbeiter über mögliche Inhaftierungen zu zerstreuen. "Ohne eine Lösung des Visa-Streits sind bedeutsame Fortschritte kaum vorstellbar", erklärte Kim in einem Interview in Seoul.
Die Abschreckung ist nicht nur theoretisch: Eine Razzia auf eine im Bau befindliche Anlage von Hyundai Motor und LG Energy Solution in Georgia führte kürzlich zur Inhaftierung hunderter südkoreanischer Arbeiter, was in der Heimat zu öffentlichem Unmut führte. Obwohl die Arbeiter kurz darauf freigelassen wurden, hat das Ereignis das Vertrauensverhältnis erschüttert.
Während Südkorea und die USA über die Neugestaltung des Visa-Systems verhandeln, erweisen sich die parallelen Handelsgespräche als Stolperstein. Die geplanten Investitionen belaufen sich auf 350 Milliarden Dollar, was die Besorgnis auslöst, die südkoreanische Wirtschaft schwer zu belasten, sollte keine Währungs-Swap-Vereinbarung mit den USA abgeschlossen werden.
Kim warnte zudem, dass ein Deal, der Südkorea finanziell übermäßig belastet, parlamentarischen Rückhalt benötigen könnte. Der Premier ist bestrebt, die Gespräche bis Jahresende abzuschließen. Gleichzeitig erschwert der Streitpunkt auch die bevorstehenden Gespräche zwischen Präsident Lee Jae Myung und dem US-Präsidenten während eines APEC-Gipfels in Südkorea.
Unterdessen verfolgt Südkorea das Ziel, seine Verteidigungsausgaben auf 3,5 % des BIP in den kommenden zehn Jahren zu erhöhen, obwohl dies noch nicht endgültig beschlossen ist. Der Premierminister hofft auf flexible Verhandlungen mit den USA, ohne dabei die innenpolitische Unterstützung zu verlieren. Ob eine Annäherung mit Nordkorea im Rahmen eines Spitzentreffens mit Donald Trump in Aussicht steht, ließ Kim offen, deutet jedoch an, dass Überraschungen nicht ausgeschlossen sind.

