Veranstalter: Im Notfall wird schnell ausgeflogen

30. Januar 2011, 17:52 Uhr · Quelle: dpa

Berlin/Kairo (dpa) - Urlaub machen im Chaosland Ägypten - geht das noch? Ja, meint der Deutsche Reiseverband. In den Urlaubsparadiesen am Roten Meer - in Scharm el Scheich, Hurghada oder Marsa Alam - habe es bisher keine Demonstrationen oder Auseinandersetzungen gegeben.

Laut Auswärtigem Amt verläuft der Flugverkehr von dort derzeit normal. Dichtes Gedränge herrscht dagegen auf dem Airport von Kairo.

Der Deutsche Reiseverband verspricht: Sollte es noch schlimmer kommen in Ägypten, könne man die deutschen Kunden von Reiseveranstaltern schnell heimfliegen. «Wir haben die Infrastruktur, wir haben die Flugzeuge», versichert Sprecher Torsten Schäfer. Schlimmstenfalls werde alles in Bewegung gesetzt.

Das Auswärtige Amt verschärfte am Sonntagnachmittag die Sicherheitshinweise noch einmal: Jeder Reisende solle sorgfältig prüfen, «ob er seine Reise nach Ägypten unter den gegenwärtigen Umständen antreten will». Die großen Veranstalter bieten kostenlose Umbuchungen an.

Deutlich schwieriger als für Kunden von Reiseveranstaltern ist es derzeit für Individualreisende: Zwei Flüge vom Frankfurter Flughafen in die von Unruhen erschütterte Hauptstadt Kairo wurden am Sonntag gestrichen. Betroffen war jeweils ein Flug von Lufthansa und Egypt Air - auch die Rückflüge aus Ägypten fielen damit aus. Ein Lufthansa- Flug von Kairo nach München wurde für den Abend erwartet.

Auf dem Flughafen in Kairo berichtete ein Augenzeuge von einem «fürchterlichen Gedränge» auf dem Airport. Es warteten vor allem viele US-Bürger, Türken und Italiener auf ihren Abflug; sie waren vor Chaos und Plünderern auf den Airport geflüchtet. Ein Mitarbeiter der Flughafenverwaltung sagte im ägyptischen Fernsehen, der Airport versuche, einen normalen Betrieb aufrechtzuerhalten.

Eine genauen Überblick über die Zahl der auf dem Flughafen wartenden Deutschen hatte am Sonntag niemand. Viele Deutsche machten sich am Sonntag aus Außenbezirken Kairos auf den Weg in Richtung des Stadtteils Zamalek, der als Insel im Nil liegt und deswegen von der ägyptischen Armee besser geschützt werden könnte. Dort liegen auch zahlreiche Botschaften und ausländische Stiftungen. Vor Beginn der Proteste lebten etwa 5000 bis 7000 deutsche Staatsbürger im Großraum Kairo.

Aktuell sind laut Reiseverband mehrere tausend Kunden deutscher Veranstalter in dem Land. Aktuell befinden sich allein rund 3100 Touristen des Reiseveranstalters Rewe Touristik (ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg) in den Ferienorten Hurghada, Scharm el Scheich, Marsa Alam und Luxor. Die Gäste seien gelassen, die Lage sei ruhig, sagte ein Sprecher der Rewe Touristik laut Mitteilung. 2009 reisten dem Verband zufolge insgesamt 1,2 Millionen Deutsche nach Ägypten, in der Mehrzahl Touristen, aber auch Geschäftsreisende.

Am Sonntag flogen vor allem arabische Staaten ihre Bürger verstärkt aus dem Land aus. Bis zum Nachmittag habe es mehr als zwölf Evakuierungsflüge vor allem nach Jordanien, Katar, Kuwait, Saudi- Arabien und in die Golf-Emirate gegeben, erklärte die Flughafenverwaltung.

Einen Sonderflug nach Deutschland bietet die Lufthansa für Montag an: Parallel zu einem regulären Linienflug von Kairo nach Frankfurt am Main werde eine weitere Maschine eingesetzt, sagte ein Sprecher. Das Auswärtige Amt habe bei der Lufthansa darum gebeten. Die beiden Maschinen starten demnach am Montagmorgen gegen 7.45 Uhr in Frankfurt. Nach der Landung in Kairo sollen sie am Nachmittag dort wieder abheben und zurückkehren. Die Flugzeit zwischen der Mainmetropole und der ägyptischen Hauptstadt beträgt etwa vier Stunden. Eine Air-Berlin-Sprecherin sagte der dpa, bei dem Linienflug, der am Dienstagmorgen nach München starten solle, seien noch Plätze frei.

Die großen Reiseveranstalter TUI und Thomas Cook bieten wegen der anhaltenden Unruhen gebührenfreie Umbuchungen für Ägypten-Urlauber an: Bei TUI dürfen alle Ägypten-Urlauber mit Anreise bis zum 3. Februar umbuchen, bei Thomas Cook bis zum 2. Februar. TUI-Reisende nach Kairo können zudem kostenlos stornieren. Ausflüge in die Hauptstadt wurden bis Donnerstag abgesagt.

Der Reiseverband empfiehlt Touristen, die für die kommenden Tage gebucht haben, sich auf den Internetseiten des Auswärtigen Amtes über die Lage in Ägypten zu informieren und mit ihrem Reiseveranstalter in Kontakt zu bleiben. Auf die Frage, wie schnell deutsche Urlauber notfalls zurückgeholt werden könnten, sagte Schäfer: «Wir haben es ja in Tunesien gesehen, wie schnell wir da sofort reagiert haben.»

Innerhalb von zwei Tagen habe man seinerzeit mit mehr als 30 Sonderflügen alle Kunden ausgeflogen. «Das würde genauso hier auch passieren, genauso wenn in England was passieren würde oder sonstwo.» Bis Ende des Sonntags sollten nach seinen Worten alle Kunden deutscher Reiseveranstalter die Hauptstadt Kairo verlassen haben.

Von den Unruhen in Nordafrika profitiert schon jetzt der spanische Tourismus: Aufgrund der Ereignisse in den beiden nordafrikanischen Ländern wichen viele Urlauber auf Ferienziele in Spanien aus, sagte der Verband spanischer Reiseunternehmen (AMAVE). Die ägyptischen Urlaubsorte am Roten Meer stünden in direkter Konkurrenz zu den Kanarischen Inseln. Die Badeorte in Ägypten und Tunesien hätten zu dieser Jahreszeit normalerweise ihre Hochsaison. In Tunesien sei der Zustrom von Urlaubern aus Nordeuropa bereits praktisch zum Erliegen gekommen.

Unruhen / Tourismus / Ägypten
30.01.2011 · 17:52 Uhr
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