Unternehmen streben nach Spektrum auf dem Mond: Der neue Wettlauf im All
Privatunternehmen beanspruchen zunehmend das Recht auf Funkspektrum auf dem Mond, um die aufkommende lunare Wirtschaft auszunutzen. Recherchen der Financial Times haben ergeben, dass seit 2010 über 50 Anträge bei der International Telecommunication Union (ITU) eingereicht wurden, um Spektrum auf oder vom Mond aus zu nutzen – eine für die drahtlose Kommunikation essenzielle Ressource. Im vergangenen Jahr überstiegen die kommerziellen Anträge zur Nutzung des lunaren Spektrums erstmals die der Raumfahrtbehörden und Regierungen, so die FT.
Diese Anträge umfassen sowohl Satellitensysteme als auch Missionen, die für die Landung auf der Mondoberfläche geplant sind. Katherine Gizinski, CEO der Beratungsfirma River Advisers, bezeichnete diesen Wandel als bedeutenden Wendepunkt. Während die Gesamtzahl der Anmeldungen 2024 geringer war als im Vorjahr, spiegelt der Anstieg an kommerziellen Anfragen den Wettlauf um den Ausbau der Infrastruktur wider, die eine zivilunare Wirtschaft fördern soll.
Einige Anträge bezogen sich auf bestehende Systeme oder Projekte wie die chinesischen Chang'e-Missionen. Die aktuelleren Anträge zielen jedoch auf noch nicht umgesetzte Projekte ab. Intuitive Machines, das erste private Unternehmen, das den Mond betrat, erhielt im September einen milliardenschweren Vertrag von der NASA, um ein Satellitennetzwerk zur Datenübertragung zwischen Erde und Mond zu entwickeln. Co-Gründer Tim Crain sieht das Wachstum des Spektrums auf dem Mond als Schlüssel zur Realisierung der wirtschaftlichen Potenziale im All.
Dieses Jahr sind mehrere Missionen von privaten Unternehmen zur Mondlandung vorgesehen, so im Rahmen von NASAs Commercial Lunar Payload Services-Initiative. Hierzu gehören Intuitive Machines, Firefly Aerospace und Astrobotic aus den USA sowie das japanische Unternehmen ispace nach dessen fehlgeschlagener Mission 2023. Laut Analysys Mason werden in diesem Jahrzehnt etwa 450 Mondmissionen erwartet, von denen etwa die Hälfte durch Privatunternehmen durchgeführt werden. Diese könnten Umsätze von rund 151 Milliarden US-Dollar generieren, obwohl der Großteil noch von staatlichen Aufträgen kommt.
Die Verlockung des kommerziellen Mondgeschäfts hat auch bei den Einreichungen zur ITU zugenommen: Die ersten kamen 2021 von Unternehmen, die sich nun auf Forschungs- und Produktionsmöglichkeiten richten. USA und China dominieren die Anträge, während Großbritannien rein kommerzielle Einreichungen hat. Die Regelung des Spektrums wird bei der nächsten World Radio Conference 2027 ein zentrales Thema sein, um den steigenden Anforderungen des Mondexplorationsfeldes gerecht zu werden.

