Ungleichheit bei der Kinderbetreuung: Frauen tragen die Hauptlast

Frauen dominieren die Kinderkrankentage
Laut einer Auswertung der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) sind es nach wie vor vor allem berufstätige Frauen, die bei Erkrankungen ihrer Kinder zu Hause bleiben. Im vergangenen Jahr nahmen 73 Prozent der Kinderkrankentage weibliche Kassenmitglieder in Anspruch, während der Anteil der Männer lediglich bei 27 Prozent lag. Dies verdeutlicht die anhaltende ungleiche Verteilung der Care-Arbeit in deutschen Familien.
Die AOK-Bundesverbandschefin Carola Reimann äußerte sich besorgt über diese Entwicklung und betonte, dass es wichtig sei, dass Eltern die Freiheit haben sollten, selbst zu entscheiden, wer das kranke Kind betreut und wer arbeiten geht. Sie appellierte an die Männer, ihren Rechtsanspruch auf Kinderkrankentage häufiger wahrzunehmen, um diese Ungleichheit zu verringern.
Finanzielle Unterstützung durch die Krankenkasse
Eltern, die gesetzlich versichert sind, können Krankengeld beantragen, wenn sie aufgrund der Erkrankung eines Kindes unter zwölf Jahren nicht arbeiten können. Der Anspruch beträgt 15 Tage pro Kind und Elternteil und für Alleinerziehende sogar 30 Tage. Die Krankenkasse deckt dabei einen Großteil des Verdienstausfalls, indem sie in der Regel 90 Prozent des Nettoverdienstes zahlt. Bei mehreren Kindern kann der Anspruch auf bis zu 35 Arbeitstage pro Elternteil steigen, was für Alleinerziehende auf bis zu 70 Arbeitstage pro Jahr ausgedehnt wird.
Die Inanspruchnahme von Kinderkrankentagen zeigt einen leichten Rückgang. Im Jahr 2025 beantragten 4,6 Prozent der berechtigten Versicherten Kinderkrankengeld, im Vergleich zu 4,8 Prozent im Jahr 2024. Der Höchststand wurde während der Corona-Pandemie 2022 mit 5,1 Prozent erreicht. Im Durchschnitt entfielen auf jeden eingereichten Kinderkrankenfall 2,5 Tage.
Auswirkungen auf Gleichstellung und Arbeitsmarkt
Die Daten, die auf 14,9 Millionen erwerbstätigen AOK-Mitgliedern basieren, werfen ein Licht auf die Herausforderungen, vor denen viele Familien stehen. Die ungleiche Verteilung der Betreuungsaufgaben hat nicht nur soziale Implikationen, sondern beeinflusst auch die Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität des Standorts Deutschland. Wenn Frauen aufgrund von Care-Arbeit weniger Zeit im Beruf verbringen, kann dies langfristig zu einem geringeren Shareholder Value führen, da weniger Frauen in Führungspositionen vertreten sind und ihre Karrierechancen eingeschränkt werden.
In einer Zeit, in der Unternehmen zunehmend auf Diversität und Gleichstellung setzen, ist es entscheidend, dass auch die Politik hier ansetzt, um die Rahmenbedingungen zu verbessern. Nur durch eine gerechtere Verteilung der Care-Arbeit können wir die Potenziale aller Arbeitnehmer ausschöpfen und das Wachstum in der deutschen Wirtschaft nachhaltig fördern.

