Iran-Krieg

Trump verlängert Waffenruhe - Keine Entspannung in Sicht

22. April 2026, 14:37 Uhr · Quelle: dpa
Iran-Krieg - Straße von Hormus
Foto: Asghar Besharati/AP/dpa
Die Lage in der Straße von Hormus ist nach Trumps Verlängerung der Waffenruhe unverändert. (Archivbild)
Die USA haben einseitig die Waffenruhe im Iran-Krieg auf unbestimmte Zeit verlängert. Der Iran reagiert bisher skeptisch. Washington glaubt, am längeren Hebel zu sitzen.

Washington/Teheran (dpa) - Die von den USA verlängerte Waffenruhe im Iran-Krieg hat die Spannungen nicht entschärft. Der Iran äußerte sich bisher nicht dazu, ob er selbst die Feuerpause einhalten wird. Vielmehr zeigten sich die Revolutionsgarden äußerst skeptisch - zumal die US-Seeblockade iranischer Häfen fortgesetzt wird.

Die iranischen Streitkräfte seien auf dem «Höhepunkt der Bereitschaft» zur Fortsetzung der Kampfhandlungen, hieß es in einer Erklärung der Elitestreitmacht. In einer neuen Phase der Eskalation könnten die Streitkräfte «vernichtende und für den Feind unvorstellbare Schläge gegen die verbleibenden Vermögenswerte» in der Region ausführen.

Iran vermutet List

Die «Verliererseite kann die Bedingungen nicht diktieren», schrieb ein Berater des iranischen Parlamentspräsidenten Mohammed Bagher Ghalibaf. Er argwöhnte, dass Trumps Verlängerung der Waffenruhe eine List sei, «Zeit für einen Überraschungsangriff zu gewinnen». Irans Außenminister Abbas Araghtschi hatte kurz vor Ablauf der Feuerpause auf X geschrieben: «Iranische Häfen zu blockieren, ist ein kriegerischer Akt und somit ein Verstoß gegen die Waffenruhe.»

US-Präsident Donald Trump hatte die Waffenruhe mit dem Iran überraschend in letzter Minute einseitig für verlängert erklärt. Auf Bitten Pakistans werde er von Angriffen absehen, bis die Führung im Iran einen «geeinten Vorschlag» zur Beilegung des Krieges unterbreite, teilte er auf Truth Social mit.

Iran droht mit Beschuss der Ölfelder der Golfstaaten

Der Iran werde die für den globalen Ölmarkt wichtige Straße von Hormus nicht freigeben, solange die US-Blockade andauere, meldete die Nachrichtenagentur Tasnim. Notfalls werde sie mit Gewalt durchbrochen, schrieb das Sprachrohr der mächtigen Revolutionsgarden. 

Eine Eskalation sei jederzeit möglich, hieß es auf beiden Seiten. Ein Kommandeur der Revolutionsgarden nannte laut der Agentur Fars Ölfelder und Raffinerien in benachbarten Golfstaaten als potenzielle Ziele, falls diese den USA und Israel weiterhin erlauben würden, «ihr Territorium zu nutzen». Das US-Regionalkommando Centcom schrieb auf X, man bleibe einsatzbereit.

Zwischenfälle zeigen angespannte Lage in Meerenge

Wie angespannt die Lage ist, zeigen auch erneute Vorfälle in der Straße von Hormus. Dort haben Irans Streitkräfte nach eigenen Angaben drei Frachtschiffe angegriffen und manövrierunfähig gemacht. In einer von der Nachrichtenagentur Fars verbreiteten Nachricht hieß es zur Begründung, die Revolutionsgarden hätten ihre «regelwidrige» Durchfahrt durch die Straße von Hormus gestoppt.

Laut Fars handelte es sich um das Containerschiff «Epaminondas» unter der Flagge Liberias, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten in Richtung Indien unterwegs war. Der ebenfalls angegriffene Frachter «MSC Francesca» lag zuletzt vor der Küste Saudi-Arabiens und fährt unter der Flagge Panamas. Außerdem wurde ein Containerschiff namens «Euphoria» attackiert, das sich iranischen Angaben zufolge in griechischem Besitz befinden soll.

Die «MSC Francesca» und «Epaminondas» seien beschlagnahmt und in iranische Gewässer gebracht worden, berichtete die Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf die Marine der Revolutionsgarden.

 

Kein Aufatmen am Ölmarkt

An den Ölmärkten zeichnet sich vor diesem Hintergrund keine echte Entspannung ab. Die Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostete vor Trumps Ankündigung erstmals seit gut einer Woche wieder über hundert Dollar. Anschließend gab der Preis nur etwas nach und lag zuletzt bei 99 Dollar. 

Die deutsche Bundesregierung rechnet wegen der Folgen des Iran-Kriegs für dieses Jahr nur noch mit einem Mini-Wachstum in Deutschland und halbiert ihre Konjunkturprognose. Erwartet wird nun ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,5 Prozent - im Januar hatte die Bundesregierung noch mit einem Plus von 1,0 Prozent gerechnet.

Was macht Israel?

Unklar bleibt vorerst, wie sich Israel verhält. Vonseiten des Büros des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu gab es zunächst keine Reaktion auf Trumps Ankündigung. Irans Erzfeind und die USA hatten den Krieg gemeinsam am 28. Februar begonnen. Ohne Verlängerung wäre die Waffenruhe laut Trump in der deutschen Nacht zum Donnerstag ausgelaufen.

Trump: Irans Führung gespalten

Trump schrieb, die Führung im Iran sei wenig überraschend tief gespalten. Deshalb werde er die Feuerpause verlängern, bis es aus dem Iran einen «geeinten Vorschlag» gebe und die Gespräche zu einem Ende kämen, «auf die eine oder die andere Art und Weise». Am Vortag hatte der US-Präsident eine Verlängerung der Feuerpause noch als «sehr unwahrscheinlich» bezeichnet. 

US-Finanzminister: Blockade nimmt Iran wichtige Einnahmen

Die USA dagegen glauben nach Worten von US-Finanzminister Scott Bessent, mit ihrer Seeblockade einen wirksamen Hebel in der Hand zu haben. Die Lager auf der für den Ölhandel wichtigen Insel Charg würden in wenigen Tagen voll sein, weshalb die Ölfelder stillgelegt werden müssten, schrieb der US-Finanzminister auf X. «Die Beschränkung des iranischen Seehandels zielt direkt auf die wichtigsten Einnahmequellen des Regimes ab», fügte Bessent hinzu. 

Konflikte / Krieg / USA / Pakistan / Iran / Israel / Seeblockade
22.04.2026 · 14:37 Uhr
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