Nach Maduro-Gefangennahme

Trump sichert sich Zugriff auf Venezuelas Öl-Milliarden

07. Januar 2026, 03:53 Uhr · Quelle: dpa
US-Präsident Trump
Foto: Evan Vucci/AP/dpa
Trump kündigt Ölkauf an.
Nach dem US-Militäreinsatz will Präsident Trump venezolanisches Öl nutzen und die Einnahmen kontrollieren.

Washington (dpa) - Nur wenige Tage nach dem US-Militäreinsatz in Caracas greift Präsident Donald Trump direkt in die Ölindustrie Venezuelas ein und sichert sich die Kontrolle über Einnahmen aus dem Verkauf des Rohstoffs. Das südamerikanische Land werde zwischen 30 und 50 Millionen Barrel (je 159 Liter) an sanktioniertem Öl an die USA liefern, kündigte der Republikaner auf der Plattform Truth Social an. Er selbst werde die Einnahmen aus dem Verkauf des Öls kontrollieren, schrieb Trump weiter. 

In welchem Zeitraum die von Trump genannte Menge Rohöl von Venezuela zur Verfügung gestellt werden soll, war zunächst unklar. Bei dem Volumen handelt es sich ungefähr um die gesamte Produktion der venezolanischen Ölindustrie von ein bis zwei Monaten. Das Ölgeschäft ist für Venezuelas Regierung die wichtigste Einnahme- und Devisenquelle. Die neue Führung in Caracas äußerte sich nicht unmittelbar zu Trumps Ankündigung. 

Öl soll zum Marktpreis verkauft werden

Das Öl werde mit Schiffen direkt in US-Häfen gebracht, schrieb Trump. Energieminister Chris Wright sei angewiesen, diesen Plan «sofort» umzusetzen. «Dieses Öl wird zu seinem Marktpreis verkauft, und das Geld wird von mir als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika kontrolliert, um sicherzustellen, dass es zum Wohl des venezolanischen Volkes und der Vereinigten Staaten verwendet wird», schrieb Trump weiter. 

Rohölmengen werden in Barrel gemessen, also Fässern. Ein Barrel umfasst rund 159 Liter. Legt man für das Öl aktuelle Preise und das Beispiel der US-Ölsorte WTI mit Lieferung im Februar zugrunde, mit einem Preis von 58,65 Dollar (Stand Dienstnachmittag Ortszeit) pro Barrel, dann würden die Erlöse hochgerechnet bei bis zu 2,9 Milliarden Dollar (rund 2,5 Milliarden Euro) liegen. Der tatsächliche Preis für das venezolanische Öl könnte auch unter dem Weltmarktpreis liegen.

Trumps Kritiker: Bei Angriff ging es ihm immer nur ums Öl

Für Venezuela wäre das Wegbrechen der Einnahmen sehr schmerzhaft. Für die USA wären die absehbaren Einnahmen eine geringe Summe. Auch die Ölmenge ist für die USA bestenfalls von begrenzter Bedeutung: Das Land produziert Regierungsangaben zufolge selbst knapp 14 Millionen Barrel pro Tag. 

US-Konzerne sollen nach der Vorstellung des Republikaners Trump nun kräftig investieren und die marode Ölindustrie in Venezuela wieder aufbauen. Viele Demokraten werfen dem Präsidenten vor, Venezuela nur wegen seiner Ölreserven angegriffen zu haben. Die Festnahme von Staatschef Nicolás Maduro wegen angeblicher Drogendelikte sei nur ein Vorwand gewesen.

Venezuela verfügt über gut 300 Milliarden Barrel Öl

Das südamerikanische Land verfügt mit schätzungsweise 303 Milliarden Barrel über die größten Ölreserven der Welt. Es handelt sich dabei vor allem um Schweröl, das nur mit spezieller Technik gefördert und raffiniert werden kann. An der US-Golfküste sind mehrere Raffinerien auf solches Rohöl spezialisiert. 

Trotz der enormen Reserven ist die Ölproduktion mit rund einer Million Barrel pro Tag derzeit recht niedrig – vor 20 Jahren wurden noch fast drei Millionen Barrel Öl pro Tag in Venezuela gefördert. Zuletzt war China der größte Abnehmer für venezolanisches Erdöl.

Verantwortlich für den Rückgang der Produktion sind Sanktionen, Missmanagement beim staatlichen Energiekonzern PDVSA und Korruption. Trotz der US-Sanktionen gegen das Land fördert seit diesem Jahr auch der US-Ölriese Chevron mit einer Sondergenehmigung wieder in Venezuela. 

Nach Einschätzungen von Experten wären Investitionen in Höhe von bis zu 100 Milliarden US-Dollar nötig, um die venezolanische Ölindustrie wieder auf den Stand der Technik zu bringen und die Produktion anzukurbeln.

Trump stellt Subventionen in Aussicht

Trump stellte auch mögliche Subventionen für Ölkonzerne in Aussicht gestellt, die den Wiederaufbau der Energieinfrastruktur Venezuelas unterstützen. Dieses Vorhaben könne in weniger als 18 Monaten abgeschlossen werden, sagte er dem US-Sender NBC News am Montag in einem Interview. Experten halten einen solchen Zeitplan für viel zu optimistisch.

Venezuela: Kein fremder Akteur regiert uns

Die geschäftsführende Präsidentin Venezuelas, Delcy Rodríguez, wies unterdessen den Anspruch der US-Regierung zurück, die Geschicke des südamerikanischen Landes zu führen. «Die Regierung Venezuelas regiert unser Land. Niemand sonst», sagte sie. «Es gibt keinen externen Akteur, der Venezuela regiert.» Wie sich ihre behauptete Unabhängigkeit mit Trumps Ansage zur Abgabe des Rohöls vertragen würde, blieb zunächst unklar.

Trump hatte nach dem Angriff vom Wochenende gesagt, die USA würden Venezuela vorübergehend führen. Sein Außenminister Marco Rubio ließ keine Zweifel daran, dass die USA künftige Entwicklungen in Venezuela bestimmen wollen. Er relativierte Trumps Aussage aber etwas und sprach davon, mit Hilfe einer bereits bestehenden Ölblockade politische Veränderungen in dem Land herbeiführen zu wollen. 

US-Ölkonzerne wurden einst in Venezuela enteignet

Trump hatte nach dem Angriff des US-Militärs auf Venezuela und der Gefangennahme von Staatschef Maduro am Wochenende bereits gesagt, dass US-Unternehmen die Ölindustrie wiederaufbauen würden. Mehrere Raffinerien an der amerikanischen Golfküste wiederum sind auf schweres Erdöl spezialisiert. Zuletzt spielte dort aufgrund der Sanktionen gegen Venezuela vor allem das ähnlich beschaffene Erdöl aus Kanada eine große Rolle.

Die USA hatten vor einiger Zeit bereits zwei Öltanker vor der Küste Venezuelas beschlagnahmt. Trump hatte damals Venezuela vorgeworfen, das Land habe den USA Öl, Land und andere Vermögenswerte gestohlen. Er forderte eine Rückgabe. Anfang der 2000er Jahre hatte Venezuela Ölfelder verstaatlicht, betroffen waren ausländische und auch US-Firmen. Es folgte ein Streit über Entschädigungen.

Konflikte / Militär / Rohstoff / Öl / Venezuela / USA / Donald Trump
07.01.2026 · 03:53 Uhr
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