Tech-Giganten stützen Wall Street – Intel-Schock und Geopolitik bremsen die Rally
Uneinheitliches Bild an den US-Börsen
Die US-Aktienmärkte haben den Handel am Freitag mit leichten Gewinnen bei S&P 500 und Nasdaq, aber Verlusten im Dow Jones abgeschlossen. Technologiewerte stützten die Kurse, doch ein massiver Einbruch bei Intel sowie anhaltende geopolitische Spannungen begrenzten die Aufwärtsdynamik.
Zur Mittagszeit in New York lag der Dow Jones 0,48 Prozent im Minus, der S&P 500 gewann 0,14 Prozent, der Nasdaq Composite legte 0,48 Prozent zu. Nach der jüngsten Volatilität infolge der von Präsident Donald Trump angedrohten Strafzölle gegen europäische Partner – im Zusammenhang mit der Grönland-Debatte – blieb die Stimmung angespannt, auch wenn der Präsident die Rhetorik zuletzt wieder abgeschwächt hatte.
Intel stürzt ab – Zweifel an der KI-Story
Belastet wurde der Markt vor allem von Intel. Der Chiphersteller verlor zeitweise mehr als 15 Prozent, nachdem das Unternehmen eine Umsatz- und Gewinnprognose vorgelegt hatte, die deutlich unter den Erwartungen lag. Als Begründung nannte das Management Schwierigkeiten, die starke Nachfrage nach Serverprozessoren für KI-Rechenzentren zu bedienen.
Der Kursrutsch traf den gesamten Halbleitersektor: Der Philadelphia Semiconductor Index gab rund ein Prozent nach und entfernte sich von seinem zuvor erreichten Rekordniveau. Marktbeobachter sehen darin ein Warnsignal, dass die hohen Bewertungen im KI-Umfeld zunehmend an der operativen Realität gemessen werden.
„Einige dieser KI-Aktien sind sehr stark aufgeblasen. Jetzt müssen sie zeigen, dass sie mehr haben als nur Hoffnungen – nämlich belastbare Geschäftspläne und Ergebnisse“, sagte Joe Saluzzi von Themis Trading.
„Magnificent Seven“ im Fokus
Gleichzeitig griffen Investoren bei den großen Tech-Schwergewichten zu. Microsoft und Netflix stiegen jeweils um rund drei Prozent, Meta und Amazon um mehr als zwei Prozent. Nvidia legte ebenfalls zu, nachdem Berichte über mögliche neue Lieferfreigaben für KI-Chips nach China die Runde machten.
In der kommenden Woche stehen die Quartalszahlen mehrerer Mitglieder der sogenannten „Magnificent Seven“ an – darunter Apple, Microsoft, Tesla und Meta. Für den Markt ist dies ein entscheidender Moment: Angesichts der hohen Bewertungen reicht ein bloßes Erfüllen der Erwartungen kaum noch aus. Investoren hoffen auf positive Überraschungen und angehobene Ausblicke.
Gold und Silber auf Rekord – Zeichen der Nervosität
Parallel zur Tech-Stärke flüchteten Anleger weiter in sichere Häfen. Gold markierte ein neues Allzeithoch, Silber übersprang erstmals die Marke von 100 US-Dollar je Unze. Der Anstieg der Edelmetalle signalisiert, dass trotz stabiler Konjunkturdaten die geopolitischen Risiken und die Unsicherheit über den weiteren geldpolitischen Kurs der US-Notenbank präsent bleiben.
Blick auf die Fed
In der kommenden Woche entscheidet die Federal Reserve über den Leitzins. Erwartet wird ein Verharren in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent. Entscheidend für die Märkte dürfte jedoch der Ausblick von Fed-Chef Jerome Powell sein. Derzeit rechnen die Terminmärkte mit einer ersten Zinssenkung im Juni.
Der Handelstag verdeutlicht die fragile Balance an den Börsen: Auf der einen Seite treibt die Hoffnung auf anhaltendes Wachstum im Technologiesektor die Kurse, auf der anderen Seite sorgen schwache Unternehmensausblicke wie bei Intel und geopolitische Spannungen für Vorsicht. Die anstehenden Quartalszahlen der Tech-Giganten und die Signale der Fed werden darüber entscheiden, ob die aktuelle Erholung in eine neue Aufwärtsphase übergeht – oder ob die hohen Bewertungen erstmals ernsthaft in Frage gestellt werden.


