Südkorea und USA: Handelsgespräche im Spannungsfeld der Wirtschaftsrationalität
In einem kürzlich geführten Gespräch mit dem US-amerikanischen Finanzminister Scott Bessent betonte der südkoreanische Präsident Lee Jae Myung die Notwendigkeit, dass Handelsgespräche zwischen Südkorea und den USA „kommerziell rational“ sein sollten und im beiderseitigen Interesse stehen müssen. Diese bilateralen Gespräche fanden am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen statt und wurden von Lees Chefsekretär für Politik, Kim Yong-beom, in New York näher erläutert.
Im Fokus des Treffens stand ein Investitionspaket von 350 Milliarden Dollar, das im Juli zwischen Lee und dem damaligen Präsidenten Donald Trump prinzipiell vereinbart wurde. Dieses Abkommen umfasst die Reduzierung von Zöllen auf südkoreanische Waren, was für Lee ein wichtiges Anliegen darstellt. Er hofft, dass die Diskussionen auf einer Basis voranschreiten, die die unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedarfe Südkoreas anerkennt und darauf abstimmt.
Zusätzlich führte Finanzminister Koo Yun-cheol getrennte Gespräche mit Bessent und thematisierte dabei sowohl das Investitionspaket als auch einen Währungstausch, wobei das Ministerium jedoch nicht auf Details einging. Professor Kim Yong-jin von der Sogang-Universität in Seoul äußerte, dass Südkoreas Anfrage nach einem Währungstausch eher als Strategie zu verstehen sei, um eine direkte Großinvestition zu vermeiden, für die die finanziellen Mittel fehlen könnten. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Südkoreas im Vergleich zu Japan, das kürzlich ein ähnliches Handelsabkommen mit den USA abschloss, sollten ebenfalls Berücksichtigung im Abkommen finden.
Der südkoreanische Won durchbrach über Nacht die kritische Marke von 1.400 pro Dollar und erreichte mit einem Schlusskurs von 1.403,8 den schwächsten Stand seit Mitte Mai. Südkorea strebt nun einen umfangreichen Devisentausch mit den USA an, um die Stabilität seiner Währung zu sichern, während Washington dieses Ansinnen derzeit prüft.

