Mode

Suche nach «la bellezza» - Modeschöpfer Valentino ist tot

19. Januar 2026, 19:39 Uhr · Quelle: dpa
Stardesigner Valentino
Foto: Claudio Onorati/epa/ANSA/dpa
Valentino ist im Alter von 93 Jahren in Rom gestorben.
Der Modeschöpfer Valentino Garavani verstarb im Alter von 93 Jahren und hinterlässt ein Erbe der Eleganz in der internationalen Fashion.

Rom (dpa) - Star-Designer Valentino beherrschte beide Königsdisziplinen der Modewelt: Sowohl die Haute Couture, also die gehobene Schneiderkunst mit extravaganten Elementen, als auch Prêt-à-porter, die tragfertige Kleidermode. Hauptsache das Kleidungsstück war schön. Kaum etwas lag dem italienischen Modeschöpfer so sehr am Herzen wie «la bellezza» - die Schönheit. «Ich liebe einfach die Schönheit - ich kann nichts dafür», sagte er einmal. Nun ist Valentino im Alter von 93 Jahren in Rom gestorben, wie seine Stiftung mitteilte.

Mit Vornamen bekannt geworden

Über viele Jahrzehnte war der Italiener aus der Modewelt nicht wegzudenken. Er gehörte zu den bekanntesten und erfolgreichsten Designern der Welt. Sein Modehaus konkurrierte mit anderen Größen der Branche wie Giorgio Armani, Christian Dior und Coco Chanel oder den Familien Gucci und Prada. Sie alle verband der große Erfolg. Doch im Gegensatz zu ihnen, die mit ihren Nachnamen als Markennamen weltweit Bekanntheit erlangten, gelang Valentino dies mit seinem Vornamen. Nur wenigen dürfte sein Nachname etwas sagen. 

Geboren wurde der extrovertierte Modemacher als Valentino Garavani im norditalienischen Voghera. Früh interessierte er sich für Mode. Erste Inspirationen als kleiner Junge waren Hollywood-Filme. «Als Junge stellte ich mich schlafend und träumte von Kinostars, von allen schönen Dingen der Welt», sagte er einmal. Insbesondere das Filmmusical «Mädchen im Rampenlicht» (1940) hatte es ihm angetan. «Als ich als 13-jähriger Junge diese einzigartige Schönheit sah, beschloss ich, Kleidung für Damen zu entwerfen.»

«Valentino-Rosso» sein Markenzeichen

Noch als Teenager ging Valentino nach Paris, um sich zum Designer ausbilden zu lassen. 1960 gründete er gemeinsam mit seinem langjährigen Lebens- und Geschäftspartner Giancarlo Giammetti das Modehaus Valentino. Es folgten Jahrzehnte des kreativen und kommerziellen Erfolgs. Ab den 1970er-Jahren präsentierte er auf den Laufstegen der Modemetropolen Paris, Mailand, London und New York seine Kleider. Später vermarktete Valentino auch Parfüms, Schmuck und Handtaschen sowie Accessoires.

Seine Kreationen waren seit jeher von den Farben Schwarz, Weiß und Rot durchzogen - um genauer zu sein dem «Valentino-Rosso». Der kräftige Farbton wurde eines seiner Markenzeichen. Seine Kleider waren stets von Eleganz mit einfachem Design geprägt. Dies kombinierte er meist mit Paillettenstickereien, Spitze, Blumenmustern, Perlen oder Edelmetallen. Für seine Haute Couture nutzte er immer die edelsten Stoffe: Seide, Samt, Chiffon und Kaschmir.

Glamour im Blut

Valentino behauptete, das Geheimnis der Frauen zu kennen. «Ich weiß, was Frauen wollen: Sie wollen schön sein», sagte er einmal in einem Interview. «Ich liebe eine schöne Dame, einen schönen Hund, ein schönes Möbelstück. Ich liebe einfach Schönheit.» Wenig bescheiden behauptete der stets braun gebrannte Designer, der sich bis ins hohe Alter die Haare färbte und zahlreiche Schönheitsoperationen hinter sich hatte, Glamour im Blut gehabt zu haben. 

Als einer der Protagonisten der italienischen Mode war Valentino immer von Schönen und Reichen umgeben. Hollywood-Schauspielerinnen wie Audrey Hepburn, Elizabeth Taylor oder Rita Hayworth sowie der europäische Adel trugen seine Roben. Später liefen Stars wie Julia Roberts, Meryl Streep und Gwyneth Paltrow in den Kleidern des Italieners über den roten Teppich. Für ihre Hochzeit mit dem griechischen Milliardär Aristoteles Onassis stattete er die Kennedy-Witwe Jacqueline mit einem weißen Kleid aus.

Wegen seines Stils «Modekaiser» genannt

Valentino war kein Revolutionär auf dem Gebiet der Mode, sondern vielmehr ein klassischer Perfektionist. «Von der alten Schule», wie sein Partner Giammetti einmal sagte. Niemals habe er sich dem Lauf der Zeit, flüchtigen inhaltsleeren und marketingorientierten Trends hingegeben, urteilen Modeexperten. Oft präsentierte er seine Mode vor riesigen Gemälden, in alten Palazzi, an der Spanischen Treppe in Rom oder in Theatern. Sein aristokratisches Auftreten und sein vornehmer Stil machten ihn zum «Modekaiser».

Die Perfektion, die er selbst anstrebte, forderte er auch von seinen Mitarbeitern. In dem Dokumentarfilm «Valentino - The Last Emperor» («Valentino - Der letzte Kaiser», 2008) ist dies zu sehen. Nichts fürchteten Schneiderinnen mehr als einen wütenden Valentino, sagte eine darin hinter vorgehaltener Hand. Unkontrollierbar nannten sie ihn - im positiven wie negativen Sinne.

Rückzug nach Wandel der Modeindustrie

Um die Jahrtausendwende veränderte sich die Modeindustrie grundlegend, auch das Modehaus Valentino. Anteile wurden an eine Holding verkauft. Diese verkaufte das Unternehmen weiter. Unter dem finanziellen Druck litt die Kreativität. 2007 zog sich Valentino zurück, 2008 dann seine letzte Kollektion.

Eine neue Generation von Designern war am Zug, die jedoch mit dem Ursprung des Hauses kaum mehr etwas zu tun hatte. Bei Valentinos Abschied sagte Giammetti: «Valentino wird einer der letzten dieser Generation großer Namen sein, der den Unterschied zwischen gestern und heute definieren wird.»

Zuletzt lebte Valentino zurückgezogen und zeigte sich nur noch gelegentlich zugeschaltet per Videochat bei Valentino-Schauen.

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19.01.2026 · 19:39 Uhr
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