Standort Ostdeutschland in der Krise: IG BCE schlägt Alarm
Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) hat sich gegen eine mögliche Kürzung der Produktionskapazitäten des US-amerikanischen Chemieriesen Dow ausgesprochen. Dies könnte sich als ernsthafte Bedrohung für den Industriestandort Ostdeutschland erweisen, wie die Landesbezirksleiterin Nordost, Stephanie Albrecht-Suliak, betont. Besonders dort, klagt sie, ergeben sich 'eine Baustelle nach der anderen'. Die neue Bundesregierung habe für einen langwierigen Einarbeitungsprozess keine Zeit, so Albrecht-Suliak.
Während der Landesbezirksdelegiertenkonferenz in Erkner, Brandenburg, äußerte die IG BCE Nordost ihre Besorgnis über Dows Pläne. Die potenzielle Schließung von Anlagen könnte weitreichende Auswirkungen auf das gesamte mitteldeutsche Chemiedreieck haben. Es sei wichtig, zusammen Lösungen zu entwickeln, um die Fortführung des Betriebs und den Erhalt der Arbeitsplätze zu gewährleisten.
Dow prüft derzeit mehrere europäische Standorte, darunter Schkopau in Sachsen-Anhalt und Böhlen in Sachsen. Der Konzern hatte bereits im April bekanntgegeben, dass Faktoren wie Marktüberkapazitäten, günstige Importe, hohe Energie-, Rohstoff- und CO2-Kosten sowie strenge Regulierungsvorgaben eine solch drastische Maßnahme erforderlich machen könnten.
Abseits von Dow setzt sich die IG BCE zudem für die Klärung der Eigentümerfrage der Ölraffinerie PCK in Schwedt, Brandenburg, ein. Die Unklarheiten behindern laut Albrecht-Suliak die notwendige Transformation und gefährden die Zukunft von tarifgebundenen Arbeitsplätzen.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke würdigte auf der Konferenz die Anpassungsleistung der PCK-Mitarbeiter seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, der die Bezüge russischen Öls massiv beeinträchtigte und neue Bezugsquellen erforderlich machte.
Der Landesbezirk Nordost der IG BCE vertritt rund 148.000 Beschäftigte in mehr als 760 Betrieben über die fünf Bundesländer Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt hinweg.

