Stablecoins als Bedrohung für Banken – Silicon Valley rückt in den Finanzsektor vor
Die Trump-Regierung ebnet den Weg für eine stärkere Rolle von Silicon Valley im Finanzsektor. Mit neuen Gesetzesinitiativen zur Regulierung von Stablecoins könnten digitale Währungen zunehmend in direkte Konkurrenz zu Bankeinlagen treten – mit weitreichenden Folgen für die Finanzbranche.
Stablecoins sind Kryptowährungen, die durch „sichere“ Vermögenswerte gedeckt sind und einen stabilen Wert von 1 US-Dollar pro Coin halten sollen. Doch sie bergen Risiken: Anders als Bankeinlagen sind sie nicht durch Einlagensicherung geschützt und können ihre Bindung an den Dollar verlieren. Die Pleiten von Terra, Voyager und Synapse haben gezeigt, dass Anleger im Fall eines Zusammenbruchs lange auf ihr Geld warten – wenn sie es überhaupt zurückbekommen.
Das geplante Gesetz würde Stablecoins zwar nicht sicherer machen, ihnen aber eine regulatorische Legitimation verschaffen. Einige Banken erwägen bereits, neben versicherten Einlagen auch Stablecoins auszugeben. Doch es sind vor allem die großen Tech-Plattformen, die von der neuen Gesetzgebung profitieren könnten.
In den USA gilt traditionell eine Trennung zwischen Banken und anderen Wirtschaftszweigen. Finanzinstitute dürfen keine nicht-finanziellen Geschäfte betreiben, um Wettbewerbsverzerrungen durch günstige Refinanzierung zu verhindern. Bislang war es Big Tech-Konzernen untersagt, Einlagen zu akzeptieren. Doch mit der Möglichkeit, eigene Stablecoins auszugeben, könnten soziale Netzwerke und E-Commerce-Plattformen künftig faktisch Bankgeschäfte betreiben – ohne die regulatorischen Verpflichtungen klassischer Banken.
Ein solches Szenario erinnert an Metas gescheitertes Libra-Projekt, das sowohl Zentralbanken als auch kommerzielle Geldhäuser alarmierte. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt seit Langem davor, dass Big Tech durch seine Daten- und Netzwerkeffekte eine unaufholbare Marktmacht aufbauen könnte.
Währenddessen wird die Aufsicht über den Technologiesektor geschwächt. Die Consumer Financial Protection Bureau (CFPB), bislang eine der wenigen Behörden mit technologischem Fachwissen, wurde durch massive Jobkürzungen ausgebremst. Dies gefährdet auch neue Regeln zum Schutz von Nutzerdaten im Zahlungsverkehr, die noch unter der Biden-Regierung eingeführt wurden. Zudem erschwert es die Kontrolle von Blockchain-basierten Finanzgeschäften, die zunehmend Ziel von Cyberangriffen werden.
Je stärker Finanzdienstleistungen von Stablecoins und Blockchains abhängen, desto anfälliger wird das System für Sicherheitslücken. Die entscheidende Frage bleibt: Wer schützt diese dezentralen Infrastrukturen vor Angriffen oder Systemausfällen? Im Gegensatz zu traditionellen Banken gibt es hier oft keine klaren Verantwortlichkeiten.
Die Wall Street hat die Bedrohung durch Stablecoins möglicherweise noch nicht vollständig erkannt – doch das Risiko, von Silicon Valley verdrängt zu werden, wächst rasant. Sollte sich die Branche unkontrolliert entwickeln, könnten sich die Finanzmärkte tiefgreifend verändern – und nicht unbedingt zum Besseren.

