SoftBank verkauft Nvidia: Warum Masayoshi Son trotzdem voll auf KI setzt
Verkauf aus Kapitalnotwendigkeit
Masayoshi Son hat den Verkauf der NVIDIA-Beteiligung als persönliche und strategische Zäsur beschrieben. Auf dem FII Priority Asia Forum Anfang Dezember erklärte der SoftBank-Gründer, die Entscheidung sei ihm extrem schwergefallen. Er habe die Aktien nicht aus mangelnder Überzeugung verkauft, sondern weil der Konzern dringend Liquidität für neue Investitionen benötigt habe.
Im Oktober trennte sich SoftBank von seiner gesamten NVIDIA-Position. Insgesamt wurden 32,1 Millionen Aktien für rund 5,83 Milliarden US-Dollar veräußert. Der Verkauf wurde im Rahmen der Quartalszahlen am 11. November öffentlich gemacht.
Fokus auf eigene KI-Projekte
Der Erlös aus dem NVIDIA-Verkauf fließt in den Ausbau der eigenen KI-Strategie. Im Zentrum steht dabei die Beteiligung an OpenAI. SoftBank investiert nach eigenen Angaben 22,5 Milliarden US-Dollar in das Unternehmen hinter ChatGPT und erhöht seinen Anteil damit von rund vier auf elf Prozent. Weitere Kapitalzuführungen schließt Son nicht aus, abhängig von der operativen Entwicklung und künftigen Bewertungsrunden.
Darüber hinaus finanziert SoftBank den Aufbau großskaliger Rechenzentrumsinfrastruktur im Rahmen des sogenannten Stargate-Projekts. Ziel ist es, die technologische Grundlage für leistungsfähige KI-Modelle der nächsten Generation zu schaffen.
Milliardengewinne durch OpenAI-Beteiligung
Die aggressive KI-Positionierung hat sich für SoftBank zuletzt auch bilanziell ausgezahlt. Für das abgelaufene Quartal meldete der Konzern einen Gewinn von rund 2,5 Billionen Yen, umgerechnet etwa 16,6 Milliarden US-Dollar. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das mehr als einer Verdopplung.
Ein wesentlicher Treiber waren Bewertungsgewinne aus der OpenAI-Beteiligung. Son bezeichnete das Engagement mehrfach als eine bewusste „All-in“-Wette und äußerte die Erwartung, dass OpenAI langfristig zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufsteigen könnte.
Weitere Zukäufe im KI-Ökosystem
Neben OpenAI hat SoftBank seine Präsenz im KI-Umfeld durch gezielte Übernahmen ausgebaut. Im März 2025 kündigte der Konzern den Kauf des US-Chipdesigners Ampere Computing für 6,5 Milliarden US-Dollar an, der Ende November abgeschlossen wurde. Zusätzlich wurde im Oktober die Übernahme der Robotiksparte von ABB für 5,375 Milliarden US-Dollar vereinbart.
Mit diesen Transaktionen will SoftBank entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Künstlicher Intelligenz positioniert sein – von Halbleitern über Rechenleistung bis hin zu autonomen Systemen.
Son weist Blasenängste zurück
Kritik an einer möglichen Überhitzung des KI-Marktes wies Son entschieden zurück. Warnungen vor einer Blase seien aus seiner Sicht Ausdruck mangelnden Verständnisses für das langfristige Potenzial der Technologie. Er rechnet damit, dass KI und KI-gestützte Robotik künftig mindestens zehn Prozent zum globalen Bruttoinlandsprodukt beitragen könnten.
Dieses Wachstum rechtfertige aus seiner Sicht auch Investitionen in Billionenhöhe – selbst wenn kurzfristige Bewertungen stark schwanken sollten.
Wiederholung eines umstrittenen Schritts
Der aktuelle NVIDIA-Ausstieg ist nicht der erste seiner Art. Bereits 2019 hatte SoftBank sämtliche NVIDIA-Anteile verkauft, damals mit einem Volumen von rund vier Milliarden US-Dollar. Rückblickend gilt dieser Schritt als einer der teuersten verpassten Gewinne der Tech-Investmentgeschichte, da die Aktien heute ein Vielfaches dieses Werts erreicht hätten.
Son ist sich dieser Historie bewusst. Dennoch macht er deutlich, dass der jüngste Verkauf weniger eine Wette gegen NVIDIA darstellt als vielmehr eine konsequente Kapitalumschichtung – zugunsten einer noch umfassenderen KI-Offensive unter eigener strategischer Kontrolle.


